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 Wisent

Wisent

Wisente (Bison bonasus) im Tierpark

Systematik
Unterordnung:Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie:Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie:Bovinae
Tribus:Rinder (Bovini)
Gattung:Bisons (Bison)
Art:Wisent
Wissenschaftlicher Name
Bison bonasus
(Linnaeus, 1758)

Der Wisent oder Europäische Bison (Bison bonasus) ist eine europäische Art der Rinder, die heute in weiten Teilen ihres einstigen Verbreitungsgebiets ausgestorben ist. Er ist das größte rezente Landsäugetier Europas. In den 1920er Jahren war die Art vom Aussterben bedroht; der letzte freilebende Wisent wurde 1927 im Kaukasus geschossen. Alle heute lebenden Wisente stammen von nur zwölf, in Zoos und Tiergehegen gepflegten Wisenten ab.[1] Von den drei wissenschaftlich anerkannten Unterarten ist nur noch der Flachlandwisent reinblütig erhalten. Diese sogenannte Flachlandlinie geht auf nur sieben Tiere zurück, während in der Flachland-Kaukasus-Linie die genetische Vielfalt etwas größer ist. Alle Wisente der Flachland-Kaukasus-Linie stammen vom Bullen Kaukasus ab, der als einziger Vertreter der Kaukasuswisente (Bison bonasus caucasica) in der Erhaltungszucht eine Rolle spielte. Die niedrige genetische Variabilität gilt als eine der wesentlichen Gefahren für den langfristigen Erhalt der Art.

Auf Grund der Erhaltungsanstrengungen von Zoos und Privatpersonen konnten die ersten freilebenden Wisentherden im Jahre 1956 wieder ausgewildert werden. Die ältesten freilebenden Herden leben im Nationalpark Białowieża.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Biometrische Daten

Wisentbulle in Białowieża

Der Wisent ist seit der Ausrottung des Auerochsen Europas schwerstes und größtes Landsäugetier und zudem der letzte Vertreter der wildlebenden Rinderarten des europäischen Kontinents. Anders als Hausrinder weisen sie 14 Rippenpaare auf. Bei geschlechtsreifen Tieren sind die Bullen im Vergleich zu den Kühen wesentlich schwerer und größer. Der auffällige Gewichtsunterschied zwischen Männchen und Weibchen entwickelt sich erst ab im dritten Lebensjahr. Kuhkälber wiegen bei Geburt durchschnittlich 24 und Stierkälber 28 Kilogramm.[2] In den ersten drei Lebensmonaten verdoppelt sich das Gewicht und beträgt am Ende des ersten Lebensjahres durchschnittlich 175 Kilogramm bei Kühen und 190 Kilogramm bei Bullen. Mit vier Jahren bringen in Gehegezucht gehaltene Bullen dagegen bereits 502 Kilogramm auf die Waage, während die Kühe durchschnittlich 400 Kilogramm liegen. Der schwerste in Gehezucht gehaltene Bulle erreichte ein Körpergewicht von 920 Kilogramm.[3] Die freilebend im Bialowiezaer Reservat gehaltenen Wisente sind dagegen deutlich leichter. Vierjährige Bullen haben ein durchschnittliches Gewicht von 467 Kilogramm, während Kühe 341 Kilogramm wiegen. Der schwerste freilebende Bulle wog 840 Kilogramm.[2] Es gibt nur wenige schriftliche Belege über das Gewicht von Wisenten, die im 18. und 19. Jahrhundert gejagt wurden. Die wenigen Quellen nennen ein Maximalgewicht von 885 Kilogramm.[3] Es gibt damit keine Hinweise, dass Wisente in früheren Jahrhunderten schwerer und größer waren.

Wisentkälber sind zunächst hochbeinig. Die Körperproportionen in die wisenttypische Gestalt entwickelt sich im Alter von acht bis zehn Meter. Die Kopf-Rumpflänge beträgt bei Bullen, die älter als sechs Jahre sind, bis zu 300 Zentimeter. Ihre Widerristhöhe kann bis zu 1,88 Meter betragen. Kühe erreichen eine Widerristhöhe von maximal 167 Zentimeter und ein Kopf-Rumpflänge von 270 Zentimeter.[3][4]

Weitere Merkmale

Rechtes Auge des Wisent mit querovaler Pupille

Der Rumpf ist bei beiden Geschlechtern verhältnismäßig kurz und schmal. Der Kopf ist tief angesetzt und im Verhältnis zum Körper klein. Auffällig ist bei Wisenten vor allem der disproportionale Unterschied zwischen Vorder- und Hinterteil des Körpers. Bei den Bullen sind die Dornforsätze der Brustwirbel länger und stärker von Muskeln umgeben, so dass der Buckel bei ihnen auffallend größer ist als bei Weibchen.[5] Beide Geschlechter haben Hörner, die am hinteren Kopfrand stehen. Hornanlagen sind bereits bei neugeborenen Kälbern entwickelt, erst im zweiten Lebensjahr biegen sich die Hörner jedoch nach innen. Die Hörner der Kühe sind im Vergleich zu den Bullen kürzer und dünner. Die Hornkrümmung ist bei Kühen stärker, so dass der Hornabstand bei den Bullen größer ist. Sie sind in der Regel schwarz, bei einzelnen Individuen treten jedoch helle Hornspitzen auf. Ältere Bullen haben häufig abgestumpfte Hornspitzen.[6]

Das Euter der Kühe ist sehr klein und hoch angesetzt. Auch der Hodensack der Bullen liegt dicht am Unterbauch und ist deutlich kleiner als beispielsweise bei einem Hausrind. Die Vorhaut des Penis endet mit einem Haarbüschel, so dass sich bei Feldbeobachtungen die Geschlechter relativ eindeutig bestimmen lassen. Die Augen sind relativ klein, sind von brauner Farbe mit einer quer-ovalen Pupille. Charakteristisch für Wisente ist außerdem ein Moschusgeruch.

Die Haut von Wisenten ist am dicksten am mittleren Halsrücken und extrem elastisch. In der Literatur werden Fälle zitiert, bei denen Wisente schwere innere Verletzungen bei Unfällen oder Kämpfen mit anderen Wisenten erlitten, die Haut jedoch nicht durchdrungen wurde.[7] Das Lautrepertoire der Wisente ist nicht sehr groß. Charakteristische Laute sind ein brummendes Knören. Kühe sind ihre Lage, ihre Kälber anhand der Stimmen zu identifizieren und Kälber können auch innerhalb größerer Herden ihre Mütter anhand deren Stimme finden.[8]

Fellfarbe und Haarwechsel

Grasende Wisentkuh im Wildgehege Neandertal

Das Fell kann individuell leicht variieren, ist aber bei ausgewachsenen Wisenten überwiegend fahlbraun bis braun. Am dunkelsten sind die Kopfseiten und der untere Teil der Beine. Am Vorderkörper sind die Leit- und Grannenhaare verlängert. Entlang der Kehle und der Vorderbrust bilden sie eine Mähne. Am längsten sind die Haare jedoch am Schwanzende. Sie können bis zu 50 Zentimeter lang sein und reichen bis zum Sprunggelenk.[5][9] Die Zahl der Woll- und Grannenhaare variiert in Abhängigkeit der Jahreszeit und ist am höchsten während des Winters. Der Wechsel ins Sommerkleid beginnt meistens Anfangs März. Meist sind es die älteren Bullen, die zunächst ihr Kopf- und Halshaar verlieren. Der Haarwechsel zieht sich bei den Bullen über durchschnittlich 138 Tage hin, während er bei den Kühen bis zu 183 Tage dauert.[9]

Kälber sind unmittelbar nach der Geburt rotbraun. Erst wenn sie im dritten oder vierten Lebensmonat erstmals das Haarkleid wechelsen, weisen sie eine ähnliche Fellfarbe wie ausgewachsene Tiere auf.

Sinnesleistungen und Fortbewegung

Das Sehvermögen von Wisenten ist nicht sonderlich gut ausgeprägt, dagegen ist ihr Geruchssinn gut entwickelt. So finden versprengte Mitglieder einer Herde zu ihr zurück, indem sie den Fährten der Herdenmitglieder folgen. Ähnlich folgt ein Bulle einer Herde von Kühen, indem er die Fährten der Kühe erschnuppert.[6][8]

Wisente können verhältnismäßig schnell galopieren und erreichen im Sprint bis zu 60 km/h.[10] Sie können eine so hohe Geschwindigkeit jedoch nur über weniger als 100 Meter halten und halten dann in der Regel schwer atmend inne. Typischer ist für sie ein langsames Gehen, bei dem das Körpergewicht auf das vordere Bein erst dann verlagert wird, wenn dieses fest auf dem Boden steht.[11] Sie sind jedoch so wendig und geschickt, dass sie bis zu zwei Meter hohe Hindernisse und drei Meter breite Gräben überspringen können.[10]

Verbreitung und Lebensraum

Darstellung eines Wisents; in Rentierhorn geritzte Zeichnung, ca. 13.000 vor Beginn unserer Zeitrechnung

Die ursprüngliche Verbreitung des Wisents umfasste einen großen Teil des europäischen Kontinents. In vor- und frühgeschichtlicher Zeit reichte es vom Norden Spaniens über Mitteleuropa, den Süden der skandinavischen Halbinsel bis ins Baltikum. Von der Rigaer Bucht verlief die Verbreitungsgrenze südostwärts bis an das Schwarze Meer und das Kaukasus-Gebirge. Der Lebensraum der Wisente begann bereits während des Neolithikums vor etwa 5.000 Jahren zu schrumpfen. Das Neolithikum ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte, deren Beginn mit dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen definiert ist. Dieser Prozess ging mit einer immer stärkeren menschlichen Nutzung von Wäldern für Bau- und Brennholz einher. Auf Lichtungen und gerodeten Flächen wurden zunehmend Kulturfrüchte angebaut und der Wald als Weidefläche für Haustiere genutzt. Die Eichel- und Bucheckernmast stellte zunehmend ein wichtiges Herbst- und Winterfutter für Schweine, Pferde und Rinder dar.[12] In weiten Teilen Frankreichs war das Wisent wegen des Verschwindens großer unberührter Waldgebiete bereits im 8. Jahrhundert ausgstorben. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands verschwand das Wisent zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert.[13] Im Gebiet des heutigen Polens waren Wisente bereits im 11. Jahrhundert selten, sie konnten sich jedoch in größeren Waldgebieten halten. In Litauen kamen Wisente bis Ende des 17. Jahrhunderts vor und in Ostpreußen wurde der letzte Wisent 1775 erlegt.[14] Im Kaukasus und in Rumänien gab es wildlebende Wisente noch im ausgehenden 18. Jahrhundert.[15] Die letzte freilebende Wisent wurden kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Polen gewildert. Im Kaukasus wurde der letzte wildlebende Vertreter seiner Art 1927 geschossen.[16]

2006 lebten wieder 31 ausgewilderte Populationen in Freiheit: neun in der Ukraine, acht in Russland, sieben in Weißrussland, fünf in Polen, eine in Litauen und eine in der Slowakei. In Rumänien ist eine Auswilderung für 2007 geplant, in Deutschland eine für 2009 (im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen), allerdings erfolgt die Freisetzung der Tiere frühstens im Winter 2010/11.[17]

Der Lebensraum der Wisente sind ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit einem ausgeprägten Mosaik unterschiedlich dichter Vegetationsstrukturen. Reine Nadelwälder werden nur sehr selten aufgesucht. Mischwäldern wird aber der Vorzug vor reinen Laubwäldern gegeben.[18] Eine Vorliebe zeigen sie für Erlenbruchwälder. Im Wald von Bialowieza, der nicht nur die ältesten freilebenden Wisentherden beheimatet, sondern auch das ursprünglichste und vom Menschen am wenigsten geprägte Waldgebiet in Mitteleuropa darstellt, machen tote Bäume etwa 20 Prozent der Gesamtholzmasse aus.[19] Die Baumdichte ist deutlich geringer als in den mitteleuropäischen Wirtschaftswäldern. Umstürzende Totholzbäume schaffen immer wieder Lichtungen. Gleichzeitig wird das Wachstum und die Struktur der Pflanzengemeinschaften durch eine relativ hohe Dichte großer Pflanzenfresser wie Wisent, Elch, Rothirsch, Reh und Wildschwein geprägt.

Nahrung

Der Wisent ist ein typischer Raufutterverwerter. Dies unterscheidet ihn vom Rothirsch, der ein sogenannter Intermediärtyp ist und dem Reh, das als sogenannter Konzentratselektierer nur energiedichte Pflanzenarten und -teile frisst. Die drei Arten sind deshalb keine gegenseitigen Konkurrenten um Nahrungsressourcen.

Weidender Wisentbulle

Der Magen des Wisents besteht aus vier Kammern, nämlich dem Pansen, den Netz- und den Blättermagen sowie dem Labmagen als eigentlicher Magen. Der Pansen ist beim Wisent besonders groß und überschreitet bei einigen Tieren ein Fassungsvermögen von 100 Liter.[20] Im Vergleich dazu hat der Rothirsch einen Pansen mit einem Fassungsvermögen von 25 Liter.[21] Bereits von der im Pansen gesammelten Nahrung wird ein Teil der Stoffwechselprodukte in Form gasförmiger Fettsäuren assimiliert. Die hier gesammelte Nahrung wird außerdem wiedergekäut. Im Netz- und Blättermagen findet die Entwässerung des Panseninhalts statt und im Labmagen erfolgt die endgültige Zersetzung der Nahrungsbestandteile. In der Literatur finden sich sehr unterschiedliche Angaben zum täglichen Nahrungsbedarf eines ausgewachsenen Wisents. Małgorzata Krasińska und Zbigniew Krasiński zitieren mehrere Studien, nach denen für ein ausgewachsenes Tier ein täglicher Nahrungsbedarf von 30 bis 45, von 39 bis 60 und 40 bis 50 Kilogramm angegeben werden.[22]

Während der Vegetationszeit äsen Wisente überwiegend die Krautschicht und unabhängig vom Waldtyp stelllt dies die Hauptquelle der Nahrung dar.[23] Regelmäßig wird auch junges Laub und Triebe gefressen, allerdings macht dies immer einen geringen Teil der Nahrung aus. Baumrinde wird vor allem gegen Ende des Winters abgeschält und gefressen. Bei Populationen, wie die in freier Wildbahn lebenden Wisente im Zentralkaukasus, die im Winter kein Heu erhalten, stellen Brombeersträucher und unter Schnee freigescharrte Krautvegetation den Haupteil der Nahrung aus. Auch hier steigt der Anteil von Baumrinde in der Nahrung deutlich an, wenn die Schneedecke höher ist.[24]

In Białowieża hat man insgesamt 137 Pflanzenarten identifiziert, die in der Ernährung der Wisente eine Rolle spielen. Dazu zählen Wald-Reitgras, Wald-Segge und die Behaarte Segge, Giersch, Große Brennessel, Wolliger Hahnenfuß sowie Kohl-Kratzdistel. Triebe und junges Laub werden insbesonder von der Hainbuche, Salweide, Esche und der Himbeere gefressen. Die Baumrinde von Stiel-Eiche, Hainbuche, Esche und Fichten spielen daneben eine Rolle.[25] Daneben werden im Herbst Eicheln und Bucheckern aufgenommen.

Unterarten

Drei neuzeitliche Unterarten, von denen zwei ausgestorben sind, werden allgemein anerkannt:[26]

  • Flachlandwisent (B. b. bonasus): Das Verbreitungsgebiet des Flachlandwisents umfasste noch in historischer Zeit die Waldgebiete West. mittel und teilweise Südosteuropas bis zum Don.
  • Karpatenwisent (B. b. hungarorum): Die Existenz dieser Unterart ist nicht gesichert. Die Beschreibung erfolgte anhang eines Schädelfragments, dass sich in der Sammlung des Nationalmuseums in Budapest befand. Während der Ungarischen Revolution im Jahre 1956 ging dieses Fragment verloren.[27] Die Unterart war in Siebenbürgen sowie den Karpaten beheimatet. Sie wurde in der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgerottet.[28]
  • Kaukasuswisent oder Bergwisent(B. b. caucasicus): Das Verbreitungsgebiet des Kaukasuswisents war der Nordhang des Kaukassusmassivs sowie dessen Vorgebirge. Auf der Südseite des Gebirges kamen Wisente nur im Westen bis etwa zur Grenze von Abchasien vor. Im 19. Jahrhundert lebten von dieser Unterart noch etwa 2.000 Individuen. Die Bestände gingen auf Grund des Kaukasischer Kriegs sowie einer zunehmenden Besiedlung des Verbreitungsgebietes zunehmend zurück.[29] In den 1890er Jahren existierten nur noch 442 Kaukasuswisente, die vom russischen Zar unter Schutz gestellt wurden. Nachdem im Jahre 1919 zusätzlich durch Hausrinder eine Epizootie eingeschleppt wurde, verringerte sich die Zahl der Tiere auf 50 Individuen. Der letzte freilebende Kaukasuswisent wurde 1927 getötet.[27] Ein Bulle dieser Unterart mit Namen Kaukasus und Zuchtbuchnummer 100 spielte jedoch in der Erhaltungszucht der Wisente eine Rolle. Er wurde mit Flachlandwisenten gekreuzt und begründete damit die Flachland-Kaukasus-Linie. Daneben lebt im Zentralkaukasus eine Population von Hybriden von Wisenten und Bisons. Im Jahr 2000 schlugen Rautian und andere vor, die kaukasische Hybridlinie (B. b. bonasus × B. b. caucasicus × B. bison) als neue Unterart anzuerkennen:[30]
  • Hochlandwisent (B. b. montanus): Kaukasusregion, nicht allgemein anerkannt.

Aktivitätsrhythmus

Studien zur Lebensweise der Wisente liegen nur für solche Tiere vor, die zumindest zeitweise zugefüttert werden. So werden auch die im Urwald von Białowieża freilebenden Wisentherden während des Winters mit Heu gefüttert. Bei hohen Schneedecken macht dieses Heu 100 Prozent der Wisentnahrung aus.[31]

Jahreszyklus im Nationalpark Białowieża

Äsende Jungkuh im Nationalpark Białowieża

Die Paarungszeit der Wisente fällt in den Zeitraum August bis Oktober. Ab August schließen sich ausgewachsene Bullen den Wisentkuhherden an. Die Bullen tolerieren in der Nähe ihrer Herde keine Rivalen und auch Jungtiere halten sich in dieser Zeit etwas von den Kuhherden entfernt. In diesen Monaten legen Wisente auch die Energiereserven für den Winter an. Sie fressen in dieser Zeit Pilze wie Hallimasche und in großen Mengen Brennesseln. Im Nationalpark Białowieża beginnen die Wisentherden sich allmählich den Wintereinständen zu nähern, an denen sie traditionell mit Heu gefüttert werden. Ab November halten sie sich in unmittelbarer Nähe dieser Fütterungsstellen auf und wandern auf der Suche nur Grünpflanzen nur in näher gelegene Gebiete, wenn die Schneedecke noch nicht geschlossen ist. Altbullen sind in der Regel die letzten Wisente, die sich an den Fütterungsstellen einfinden. Die Konzentration rund um die Fütterungsstellen währt bis März. Erst im April lösen sich die Wintergruppierungen auf. Die Wisente entfernen sich immer weiter von den Fütterungsstellen und suchen insbesondere in Eichen-Hainbuchen-Wäldern nach den ersten grünen Pflanzen. Eine der wesentlichen Nahrungspflanzen in dieser Zeit ist das Buschwindröschen. Sobald das Laub austreibt, fressen die Wisente auch die frischen Triebe.[32] In den Zeitraum Mai bis Juli fällt die Setzzeit und die Aufzucht der Kälber. Wisente durchstreifen in dieser Zeit sehr weiträumig das Gebiet. Sie legen durchschnittlich aber nicht mehr als fünf Kilometer am Tag zurück und halten sich an Stellen mit reichlichem Nahrungsangebot über mehrere Tage auf.[33] Bei den Wanderungen nimmt die Leitkuh grundsätzlich die Position an der Spitze der Gruppe ein. Die anderen Wisente folgen ihr dicht nebeneinander gehend. Jungwisente und ältere Kälber halten sich dabei meist in der Gruppe auf. Begleitet ein erwachsener Bulle die Herde, geht er in der Regel am Ende.[34]

Tagesrhythmik

Der Tagesrhythmus ist durch lange Ruhephasen bestimmt

Wie für Wiederkäuer typisch ist der Tagesrhythmus von mehreren Phasen des Äsens und Ruhens bestimmt. Die Länge einer einzelnen Äsungsphase ist sehr variabel und kann von 15 Minuten bis zu fünf Stunden dauern.[35] Während der Vegetationsphase verbringen Wisente im polnischen Teil des Nationalparks etwa 60 Prozent ihrer Zeit mit Äsen, im weißrussischen Teil dagegen durchschnittlich 80 Prozent. Der Unterschied wird auf das unterschiedliche Nahrungsangebot zurückgeführt.[36] Die erste Äsungsphase beginnt mit dem Sonnenaufgang und die letzte Äsungsphase fällt in die Abenddämmerung. Bei den im Nationalpark Białowieża untersuchten Wisenten sind während des Tages zwei weitere Äsungsphasen zu beobachten. Länge und Zeitpunkt ist abhängig vom Wetter, der Belästigung durch Insekten, der Qualität des Nahrungsangebots und der Störung durch Menschen. Im weißrussischen Teil des Nationalparks, der den Tieren ein weniger gutes Nahrungsbasis bietet, äsen die Wisente auch nachts. Auch im polnischen Teil des Nationalparks verschieben Wisente bei hohen Tagestemperatur ihre Äsungsphase in die Abend- und Nachtstunden und ruhen während des Tages.[37]

Im Winter kehrt sich das Verhältnis von Äsungs- und Ruhephasen um. Sie verbringen dann etwa 30 Prozent ihrer Zeit mit dem Fressen von Heu. 60 Prozent des Tages ruhen sie.[36]

Fortpflanzung

Geschlechtsreife und Fruchtbarkeit

Zur Fortpflanzung kommen in der Regel Bullen zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr. Weder jüngere noch älteren Bullen können sich in den Revierkämpfen gegen ihre männlichen Artgenossen durchsetzen. Unter Gehegebedingungen sind aber auch ältere Bullen noch fortpflanzungsaktiv.[38]

Freilebende Kühe gebären ihr erstes Kalb in der Regel im vierten Lebensjahr. Sie bleiben bis ins hohe Alter fruchtbar. Kühe, die noch mit 20 Jahren Kälber werfen, sind auch in der freien Haltung keine Seltenheit.[38] Unter natürlichen Umständen kalben die Kühe durchschnittlich alle zwei Jahre. In Gehegehaltung, wo das Futter ganzjährig reichlich zur Verfügung steht, werfen viele Kühe auch jährlich.

Brunft

Wisentkuh mit Jungtier

Wisente haben ein polygynes Paarungssystem; Bullen decken mehrere Kühe. In der Regel bestehen ihre Harems aus zwei bis sechs paarungsbereiten Kühen.[39]

Die meisten Deckakte finden zwischen August und Oktober statt.[40] Brunftkämpfe zwischen Bullen sind verglichen etwa zu Rothirschen verhältnismäßig selten. Treffen zwei Bullen von vergleichbarer Größe und Kraft aufeinander, gehen der Kampfphase eine ritualisiertes Verhalten voraus, bei dem sich der hohe Erregungszustand der Bullen unter anderem durch ein Wühlen im Boden mit den Klauen, ein Wälzen an Stellen, die sie zuvor mit Urin getränkt haben oder ein Bearbeiten von Bäumen mit den Hörnern ausdrückt.[41] In der Hauptphase des Kampfes stehen die Bullen frontal mit den Köpfen zueinander, greifen sich in kurzen Zeitabständen mit den Hörnern an und versuchen sich über den Kampfplatz zu schieben. Der Kampf wird in der Regel beendet, wenn einer der beiden Bullen aufgibt. Es kommt bei den Kämpfen gelegentlich zu Verletzungen und auch Tötungen der beteiligten Bullen.

Zum typischen Verhalten der Bullen während der Brunftzeit gehört ein Beschnuppern der äußeren Geschlechtsteile der Kühe. Bei diesem sogenannten Flehmen hebt der Bulle den Kopf an, streckt den Hals hoch und zieht die Lippen auseinander. Dabei prüft der Bulle die Konzentration der Sexualhormone im Harn der Kühe, um deren Paarungsbereitschaft zu beurteilen.[42] Eine brünftige Kuh wird für ein oder zwei Tage nahezu ununterbrochen vom Bullen begleitet. Dabei flehmt er wiederholt oder beleckt und beschnuppert ihre Schamgegend. Der hohe Erregungszustand des Bullens drückt sich durch ein Verhalten aus, das dem Handlungen kurz vor einem Kampf mit einem anderen Bullen gleicht. Sehr häufig sind von ihnen knörende Rufe zu hören.[43] Während der Brunftzeit fressen Bullen verhältnismäßig selten und verlieren in dieser Zeit erheblich an Gewicht.[44]

Tragezeit, Geburt und Lebenserwartung

Die Kühe tragen in der Regel nur einzelne Kälber aus, welche meistens zwischen Mai und Juli geboren werden. Die Tragezeit beträgt durchschnittlich etwa 264 Tage.[45] Auf Grund der geringen Größe der Kälber und dem Körperbau der Kühe sind Trächtigkeitsanzeichen bei den Kühen nur schwach sichtbar.

Trächtige Kühe sondern sich vor der Geburt von der Herde ab und suchen geschützte Orte auf, um dort zu gebären. Der Geburtsvorgang ist verhältnismäßig schnell. Die Kälber kommen binnen einer bis zwei Stunden zur Welt. Die Kühe schließen sich mit ihren Kälbern wenige Tage nach der Geburt wieder den Herden an. In den ersten Lebenswochen folgt das Kalb der Mutter unmittelbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Huftieren wird es nicht versteckt abgelegt.[46] Bis zu einem Alter von drei Monaten stellt die Muttermilch die Hauptnahrung der Kälber dar. Beim Säugen steht das Kalb parallel zum mütterlichen Körper. Ab drei Monaten spielt Pflanzennahrung eine zunehmende Rolle in ihrem Nahrungsspektrum. Sie halten sich ab diesem Zeitpunkt zunehmend weniger in unmittelbarer Nähe ihres Muttertiers auf, sondern sind zunehmend mit ihren Altersgenossen vergesellschaftet.[47]

Wisentkühe erreichen nur in Ausnahmefällen das 25. Lebensjahr. Bullen werden selten älter als 20 Jahre.[48]

Mensch und Wisent

Mensch und Wisent bis zum Beginn der Neuzeit

Wisentdarstellung aus dem Jungpaläolithikum in der spanischen Höhle von Altamira

Wisente tauchen bereits auf Höhlenmalereien im Südwesten Europas auf, die vor 32.000 Jahren entstanden. Auf Wandmalereien, die vor rund 15.000 Jahren entstanden, sind sie neben Wildpferden die am häufigsten abgebildete Tierart.[49] Zu den bekanntesten gehören die Darstellungen in der Altamira-Höhle in Spanien sowie Darstellungen in Höhlen im Départment Dordogne in Südwestfrankreich. Zu den schönsten Darstellungen gehörte eine 1910 in der La Madeileine-Höhle gefundene Skulptur aus Rentierhorn. Sie zeigt ein Wisent, das mit zurückgedrehtem Kopf seine Weichen beleckt. Die ältesten fossilen Wisentknochen datieren aus dem frühen Pleistozän, d.h. sie sind eine bis zwei Millionen Jahre alt.[50]

Zwar starb der Wisent im Mittelmeerraum schon vor Beginn menschlicher Geschichtsschreibung aus, doch Griechen und Römer kannten dieses Tier, das in Thrakien und Germanien beheimatet war. Die Griechen nannten den Wisent bonasos, ein vielleicht einer thrakischen Sprache entlehntes Wort. Auch Plinius der Ältere liefert eine Beschreibung des Wisents, den er Bison nennt. Er beschreibt ihn als ein Rind mit einer Pferdemähne, das so kurze Hörner habe, dass diese im Kampf von keinerlei Nutzen seien; statt zu kämpfen laufe der Wisent vor jeder Bedrohung davon und hinterlasse dabei über eine Strecke von einer halben Meile unablässig eine Spur von Dung, die bei Berührung die Haut eines Verfolgers verbrenne wie Feuer. In späteren Zeiten kamen die Römer häufig genug mit Wisenten in Kontakt, um diese Geschichten als unwahr zu erkennen. Sie transportierten Wisente bis nach Rom, um sie gegen Gladiatoren antreten zu lassen.

In mittelalterlicher Literatur ist der Wisent gelegentlich beschrieben worden. Es ist nicht immer klar, ob er oder der Auerochse gemeint ist, da beide oft als Ur bezeichnet worden sind. Im Nibelungenlied etwa wird die Stimme Dietrichs von Bern mit dem Klang des Horns eines Wisents verglichen. Der Naturforscher Conrad Gesner beschrieb den Wisent im 16. Jahrhundert folgendermaßen:

Dann dem Wisent werdend von den alten zugeben, daß er häßlich seye, scheutzlich, vil haare, mit einem dicken langen halshaar als die Pfärdt, item gebartet, summa gantz wild und ungestalt.

Conrad Gesner

Der Wald von Białowieża und seine Bedeutung für den Erhalt des Wisents

Der Wald von Białowieża

Bereits zu Beginn der Neuzeit war der Wald von Białowieża eines der letzten Rückzugsgebiete des Wisents. Dieses heute 1.500 Quadratkilometer große Waldgebiet liegt im heutigen Grenzgebiet zwischen Polen und Weissrussland und im Einzugsbereich der Narewka, einem Nebenfluss der Narew. Bereits im Mittelalter war diese entlegene Region ein privilegiertes Jagdgebiet der polnischen Könige. Wisente durften hier nur mit besonderer Bewilligung des polnischen Herrschers gejagt werden.[15] Ab 1795 stand das Gebiet unter strengem Schutz des russischen Zaren. Das Gebiet wurde zwar als Hudewald genutzt, auf Wilderei stand jedoch die Todesstrafe und ab 1803 war in weiten Teilgebieten des Waldes Holzeinschlag untersagt.[51] Ab 1832 wurde der Wisentbestand jährlich gezählt. Er erreichte 1857 mit 1.900 Wisenten sein Maximum. Danach sorgten zwei Epidemien in den Jahren 1890 und 1910 für einen Rückgang der Bestände. Anfang 1915 lebten noch etwa 770 Wisente in diesem Gebiet. Im Herbst 1917 waren es nur noch 150 Tiere. In den Wirren unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs fielen die meisten Tiere marodierenden Soldaten sowie Wilderern zum Opfer.[52] Überreste eines gewilderten Wisents sowie Fährten von vier weiteren Tieren wurden letztmals am 4. April 1919 gefunden.

Die Bedeutung des Waldes von Białowieża, der heute zum Weltnaturerbe zählt, liegt nicht nur in seiner jahrhundertelangen Funktion als eines der letzten Rückzugsgebiete dieser Art. Aus den Beständen dieses Gebietes waren während des 19. Jahrhunderts immer wieder Wisente gefangen und an Zoos und Gehege verschenkt worden. Auf diese Bestände wurde zurückgegriffen, als in den 1920er Jahren die Bemühungen einsetzten, die Art zu erhalten. Die sogenannte Pleß-Linie geht zum Beispiel auf einen Bullen und vier Kühe zurück, die 1865 als Geschenk für Hans Heinrich XI. von Hochberg, dem Fürsten von Pleß, aus dem Urwald von Białowieża in die Pleßer Wälder gebracht wurden. Sie wurden hier über einige Jahrzehnte isoliert gezüchtet. Große Bedeutung hat in der heutigen Erhaltungszucht der Bulle Plisch mit der Zuchtbuchnummer 229, der 1936 von Pleß wieder nach Białowieża zurückgebracht worde. Von ihm stammen fast alle zur Zeit im Urwald von Białowieża lebenden Wisente der Flachlandlinie ab.[53]

Die Rettung des Wisents

Werbung für Liebigs Fleischextrakt mit einer Darstellung der Wisentjagd

1923 wurde in Frankfurt am Main eine Gesellschaft zur Rettung des Wisents gegründet und in ganz Europa nach in Gefangenschaft überlebenden Tieren gesucht. Insgesamt konnte man nur 57 Tiere finden, von denen aber lediglich ein gutes Dutzend zur Zucht kam, darunter der einzige Wisent der Kaukasuspopulation.

Das Wisentgehege Springe wurde 1928 im Saupark Springe unter Anleitung des Direktors des Berliner Zoos Professor Lutz Heck angelegt. Ziel der Einrichtung war, den Wisent als das größte Säugetier in Europa vor dem Aussterben zu retten. Es war schwer, an reinrassige Tiere zu kommen. So erfolgten die ersten Zuchtversuche mit einem Wisentstier und Bisonkühen in Form einer Verdrängungszucht. Man versuchte durch Rückkreuzungen die Bisonerbanlagen zu verdrängen. Erst 1935 konnten reinrassige Wisentkühe erworben und die Zucht entsprechend umgestellt werden. Die Bastarde wurden daraufhin abgegeben. Seit dieser Zeit wurden über 250 reinrassige Wisente in Springe geboren, was erheblich zum bisherigen Überleben der Art beigetragen hat.

Heute gibt es wieder etwa 3000 Wisente, die aber aufgrund des genetischen Flaschenhalses stark unter Krankheiten und Parasiten leiden. Es werden zwei Zuchtlinien geführt, so genannte Flachlandwisente, die ausschließlich auf Tiere aus Białowieża zurückgehen, sowie Tiere, die in ihrer Stammlinie den einzigen überlebenden Kaukasuswisent haben. Nach einer gewissen Erholung der Bestände begann man 1956, wieder Tiere in Białowieża auszuwildern. Das Überleben der Art ist zu einem großen Teil der polnischen Mannschaft in Białowieża zu verdanken.

Heute gibt es 450 Wisente im Wald von Białowieża. Der Bestand in Polen ist stabil. 1973 wurden Wisente in Litauen ausgewildert; hier leben nun etwa 35 wilde Wisente. Auch in der Ukraine gibt es inzwischen wieder eine wilde Herde. Nur in Polen und Litauen sind Wisente vollständig geschützt; dagegen bieten die Ukraine und Weißrussland für Touristen sogar Jagdausflüge an, auf denen Wisente geschossen werden sollen. Der Wisent wird von der IUCN als gefährdet („vulnerable“) eingestuft.

In Deutschland finden sich Wisente nur noch in Zoos und Wildgehegen. Im Jahr 2005 wurde ein Projekt zur Wiedereinbürgerung des Wisentes im Rothaargebirge begonnen.[17]

Auch im Kaukasus wurden Wisente wieder ausgewildert. Die Zuchtlinie ist mit amerikanischen Bisons vermischt und umfasst damit keine reinrassigen Wisente.

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild erklärte den Wisent im Jahr 2008 zum Wildtier des Jahres.

Interaktionen zwischen Wisent und Mensch

Wisent

Freilebende Wisente, die im Wald von Menschen überrascht werden, reagieren in der Regel mit Flucht. Meist entfernen sie sich 100 bis 150 Meter im schnellen Lauf und scharen sich dann zusammen. Am scheuesten verhalten sich dabei Herden mit mehreren Jungtieren.

Aggressives Verhalten von Wisenten gegenüber Menschen ist äußerst selten. Als Beleg für das nicht-aggressive Verhalten von Wisenten gegenüber dem Menschen wird gelegentlich das Beispiel des Wisentbullen Pulpit gennt. Er wanderte 1964 und 1965 insgesamt drei Mal aus seinem Reservat in den Karpaten ab, zog durch weite Teile Südpolens und fand sich unter anderem in Bauerndörfern und Kleinstädten ein, wo er Gemüse von Marktständen stahl und sich von Schulkindern mit Brot füttern ließ.[54] Kühe, die Jungtiere führen, können gegenüber Menschen jedoch durchaus aggressiv reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen. Ausgewachsene Bullen sind grundsätzlich gegenüber Menschen weniger scheu als Kühe mit Jungtieren. Sie verhalten sich gegenüber dem Menschen in der Regel gleichgültig. Bullen können allerdings während der Brunft ein aggressiveres Verhalten gegenüber Menschen zeigen. Ihre Erregung signalisieren sie durch Schütteln des Kopfes, drohendes Knören, Aufwühlen des Bodens mit den Vorderklauen und heftige Schwanzbewegungen. Zieht sich der Mensch dann nicht zurück, kann er vom Bullen angegriffen werden.[55]

Zu größeren Konflikten zwischen Wisenten und Menschen kommt es, wenn Wisente landwirtschaftliche Anbauflächen heimsuchen oder Heuschober aufbrechen. In Polen hat man die Erfahrung gemacht, dass selbst eine Umsiedelung der Tiere hier nicht wirksam ist, da sie an solche nahrungsreichen Orte wieder zurückkehren.[55] Im Bereich des Urwaldes von Białowieża kam es in einem Zeitraum von knapp 40 Jahren elf Mal zu Verletzungen von Pferden und fünf Mal von Hausrindern durch Wisente. Die Verletzungen resultieren meist aus einem einzelnen Hornhieb eines erwachsenen Bullens gegenüber einem sich zu sehr nähernden Tier. Hunde werden in der Regel auch dann ignoriert, wenn sie Wisente anbellen. Kommen sie den Wisenten zu nahe, reagieren diese mit Klauenschlägen. Es sind jedoch Tötungen von an Heuschobern angeketteten Wachhunden durch Wisente belegt.[56]

Neuzeitliche Jagd auf den Bison

Kanuti Rusiecki: Wisentjagd mit Hunden, 19. Jahrhundert, Vilnius

Von den Wildereien nach Ende des Ersten Weltkriegs abgesehen, erfolgte die Jagd auf den Wisent in der Neuzeit überwiegend als aufwendig inszenierte Hofjagd. Bei diesen sogenannten „eingestellten Jagden“ wurden Wisente gemeinsam mit anderem Hochwild über mehrere Wochen auf einer zunehmend kleiner werdenden Fläche zusammengetrieben. Am eigentlichen Jagdtag wurde das Wild so von den Treibern gelenkt, dass es sich optimal für den Abschuss präsentierte. Bei der Hofjagd des polnischen Königs August III. im Jahre 1752 erlegte die höfische Jagdgesellschaft neben einer großen Zahl von Rothirschen, Rehen und Wildschweine auch 42 Wisente. Allein zwanzig Wisente wurden dabei vom polnischen König und seiner Gemahlin Maria Josepha von Österreich von Kanzeln aus geschossen.[57] Mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gerieten solche Jagdformen zunehmend aus der Mode. Vor dem Hintergrund der Romantik bildete sich zunehmend eine andere Jagdethik aus, die ein waidgereichtes Jagen betonte. Jagdstrecken wie die im Herbst 1897, bei der auf der von Zar Alexander III. veranstalteten Hofjagd 36 Wisente erlegt wurden, sind jedoch nur denkbar, wenn zuvor in ähnlicher Weise das Wild zusammengetrieben worden war.

Seit einigen Jahren geben Forst- und Naturschutzbehörden in Weißrussland, Ukraine, Russland und Polen jährlich wieder Wisente zum Abschuss frei. Dabei handelt es meist um überalterte Bullen und Kühe.[58] Solche Jagden finden beispielsweise auf der weißrussischen Seite von Bialowieza, in Masuren, den ukrainischen Karpaten und dem russisichen Kaukasus statt. Drück- und Ansitzjagd sind verboten, der zum Abschuss freigegebene Wisent muss auf einer teils mehrtägigen Pirschjagd vom Jäger verfolgt werden, bis dieser zum Schuss kommt. Die Jagd gilt wegen der Scheu der Wisente als ausgesprochen schwierig und setzt beim Jäger insbesondere in den ukrainischen Karpaten und im russischen Kaukasus wegen des schwierigen Geländes hohe körperliche Fitness voraus. Für die Abschusserlaubnis auf einen kapitalen Bullen waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts ungefähr 5.000 EUR zu zahlen.[59] Kritiker solchen Praktiken sehen einen Widerspruch, wenn die Jagd auf eine vom Aussterben bedrohte Art ermöglicht wird. Befürworter der Bejagung argumentieren, dass bei einem Überschreiten der Kapazitätsgrenzen und zu hoher Bestandsdichten das Gleichgewicht eines Ökosystems gestört wird und das Risiko für Tierseuchen deutlich ansteigt. Der drastische Rückgang der zuvor zu hohen Wisentpopulation in Bialowieza um 1890 in Folge einer Epizootie wird dabei häufig als Beispiel genannt. Aus Sicht der Befürworter trägt eine geregelte Bejagung zum Schutz einer Großtierart und ihres Lebensraumes bei und die Abschussprämien finanzieren zumindest teilweise die Kosten des Managements einer Wisentpopulation.[60]

Namen und Zuordnung

Das spätlateinische Wort Bison ist vermutlich Entlehnung aus dem germanischen ‘wisund’ [61]. Natürlich kannten die Germanen nur das einheimische Wald-Wisent. Als Bison bezeichnen wir v.a. die amerikanischen Rassen, sowie ausgestorbene Formen, wie den Steppenbison der Eiszeit.

Jene, die Bison und Wisent als konspezifisch ansehen, geben dem Wisent die wissenschaftliche Bezeichnung Bison bison bonasus. Daneben wird auch die Ansicht vertreten, dass der Wisent so wenig von den Eigentlichen Rindern abweicht, dass er mit ihnen in einer Gattung vereint werden müsste; demnach hieße der Wisent Bos bonasus oder Bos bison Bonasus.[62][63][64]

Nutzung

Der Żubroń ist eine Kreuzung aus Hausrind und Wisent.

Systematik

Wisente gehören zur Ordnung der Paarhufer, die heute etwa 150 rezente Arten umfasst. Charakteristisches Merkmal dieser Ordnung ist die Paarhufigkeit. Innerhalb dieser Ordnung werden Wisente den Hornträgern zugeordnet. Die Gattung Bison erschien gegen Ende des Tertiärs im Pliozän in Süd- und Ostasien. Während des Pleistozäns besiedelte die Gattung das Gebiet des heutigen Asiens und Europas und erreicht über die Beringstraße den nordamerikanischen Kontinent. Heute existieren noch zwei Arten: neben dem europäischen Wisent (Bison bonasus) ist dies der Nordamerikanisch Bison.

Anders als der Bison, dessen Bestand für den Zeitpunkt gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf etwa 50 Millionen Individuen geschätzt wird[65], war der europäische Wisent ein immer schon verhältnismäßig seltene Art.

Belege

Literatur

  • Friedrich Türcke: Erhaltung und Zucht der Wisente in Deutschland. In: Deutsche Tierärztliche Wochenschrift. 87/11, 1980, S. 416–419.
  • 60 Jahre Wisentgehege „Saupark Springe“. In: Niedersächsischer Jäger. Jg. 34, 1989, S. 1431–1435.
  • Bernhard Schmidtmann (Bearbeiter), Planungsgruppe Natur und Umwelt (PGNU): Naturentwicklung mit großen Pflanzenfressern in Niedersachsen. Machbarkeitsstudie. Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Niedersachsen, Hannover 2004.
  • Klaus Nigge, Karl Schulze Hagen: Die Rückkehr des Königs. Wisente im polnischen Urwald. Tecklenborg, Steinfurt 2004, ISBN 3-934427-46-4
  • Małgorzata Krasińska und Zbigniew Krasiński: Der Wisent, Die Neue Brehm-Bücherei Band 74, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2008, ISBN 978-3-89432-481-0

Einzelbelege

  1. Krasinska et al., S. 42
  2. a b Krasinska et al., S. 38
  3. a b c Krasinska et al., S. 39
  4. Krasinska et al.,S. 40
  5. a b Krasinska, S. 30
  6. a b Krasinska, S. 33
  7. Krasinska et al., S. 37
  8. a b Krasinska et al., S. 34
  9. a b Krasinska et al., S. 31
  10. a b Nigge et al., S. 90
  11. Krasinska et al., S. 35
  12. Nigge et al., S. 53
  13. Krasinska et al., S. 47
  14. Krasinska et al., S. 49
  15. a b Nigge et al., S. 54
  16. Nigge et al., S. 55
  17. a b Wiederansiedlung von Wisenten im Rothaargebirge. (Die Rückkehr des Königs, Abgerufen am 1. Oktober 2009). 
  18. Krasinska et al., S. 159
  19. Nigge et al., S. 71
  20. Krasinska et al., S. 149
  21. Wilfried Bützler: Rotwild – Biologie, Verhalten, Umwelt, Hege, blv Verlag, München 2001, ISBN 3-405-16174-6, S. 50
  22. Krasinska et al., S. 158
  23. Krasinska et al., S. 156
  24. Krasinska et al., S. 157
  25. Krasinska, S. 152
  26. Z. Pucek, I. P. Belousova, Z. A. Krasinski, M. Krasinska, W. Olech: European bison, current state of the species and an action plan for its conservation. Convention on the Conservation of European Wildlife and Natural Habitats, Strasbourg 2-5 December 2002. Strasbourg T-PVS/Inf 29.2002. (Online-Resource)
  27. a b Krasinska et al., S. 21
  28. Krasinska et al., S. 22
  29. Krasinska et al., S. 20
  30. G. S. Rautian, B. A. Kalabushkin, A. S. Nemtsev: A new subspecies of the European bison, Bison bonasus montanus ssp. nov. (Bovidae, Artiodactyla). In: Doklady Biological Sciences. Nr. 375, 2000, ISSN 1608-3105, S. 636–640.
  31. Krasinska et al., S. 111
  32. Krasinska et al., S. 109
  33. Krasinska et al., S. 114
  34. Krosinska et al., S. 135
  35. Krasinska et al., S. 113 und S. 114
  36. a b Krasinska et al., S. 112
  37. Krasinska et al., S. 113
  38. a b Krasinska et al., S. 118
  39. Nigge et al., S. 92
  40. Krasinska et al., S. 121
  41. Krasinska et al., S. 124
  42. Krasinska et al., S. 122
  43. Krasinska et al., S. 123
  44. Nigge et al., S. 92
  45. Krasinska et al., S. 128
  46. Krasinska et al., S. 137
  47. Kresinska et al., S. 109 und S. 110
  48. Krasinska et al., S. 41
  49. Nigge et al., S. 33
  50. Nigge et al., S. 34
  51. Nigge et al., S. 79
  52. Nigge et al., S. 55
  53. Krasinska et al., S. 22 und S. 23
  54. Nigge et al., S. 91
  55. a b Krasinska et al., S. 144
  56. Krasinska et al., S. 147
  57. Nigge et al., S. 126
  58. Nigge et al., S. 126
  59. Nigge et al., S. 127
  60. Nigge et al., S. 127
  61. Kluge-Seebold (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Aufl. Berlin: De Gruyter.
  62. Bison bonasus
  63. Ronald M. Nowak: Walker’s Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9
  64. Natureserve
  65. Krasinska, S. 19

 Commons: Wisent – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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