Vorspann
Ein Vorspann wird zu Beginn eines Filmes, eines Videospieles sowie einer Radio- oder Fernsehsendung gezeigt bzw. gesendet. Hier werden neben Produktions- und Verleihgesellschaft(en) nur die wichtigsten Hauptdarsteller aufgeführt sowie regelmäßig die Hauptverantwortlichen des Stabes. „Last but not least“ wird gewöhnlich der Regisseur genannt.
Fernseh- und Rundfunkserien haben meist einen in jeder Episode gleich bleibenden Vorspann, zu dem eine unverwechselbare und einprägsame Titelmelodie oder ein Titellied ertönt. Insbesondere bei Anime wird jedoch gelegentlich der Vorspann (und Abspann) ausgetauscht um z. B. eine neue CD zwecks Gewinnmaximierung veröffentlichen zu können oder damit eine Plattenfirma als Sponsor der Serie ein neues Lied eines anderen Sängers bzw. einer anderen Gruppe unterbringen kann.
Während bei Spielfilmen der Vorspann oft eine Art Einleitung darstellt und modernerweise einfach in den laufenden Film eingeblendet wird, damit dieser nicht zur Copyrightumgehung einfach weggelassen werden kann (Filme bis in die späten 1970-er Jahre hinein hatten immer einen separaten Vorspann) – besteht er bei Serien meist aus einem Zusammenschnitt einzelner Szenen aus verschiedenen Episoden, um den Zuschauer einerseits einzustimmen auf die bevorstehende Handlung, andererseits um ihn an bereits Gesehenes zu erinnern und somit die Bindung an die kommende Serie zu erhöhen.
In anderen Fällen fasst der Vorspann einer Serie grundlegende Inhalte und Vorgänge zusammen, die das Verständnis – insbesondere für Neueinsteiger – erleichtern sollen. (Beispielsweise erklären die Vorspänne der Serien Powerpuff Girls und Danny Phantom wie die Protagonisten ihre Superkräfte erlangten.) Der Text der Titelmelodie, sofern vorhanden und vielfach nicht eingedeutscht, dient in aller Regel ebenfalls der Erläuterung, worum es in der Serie oder Film überhaupt geht.
In neuerer Zeit ist es zudem bei US-amerikanischen Serien üblich geworden, die Folge mit einer kurzen Sequenz, dem Prolog, bereits vor dem Vorspann beginnen zu lassen, um dadurch einen ersten, minderen Spannungsbogen zu erzeugen. Dies wird in der Mediensprache „Cold open“ genannt.
Bei Spielfilmen ist der Vorspann manchmal eine Kunst für sich. Bereits in den 1950-er Jahren hatte Alfred Hitchcock bei seinen Filmen namhafte Künstler, z. B. Saul Bass, damit beauftragt, einen Vorspann zu kreieren, der der Stimmung des Films Rechnung trägt. So sind bei „Vertigo“ kreisende geometrische Figuren zu sehen, die tatsächlich ein Schwindelgefühl (engl. vertigo) erzeugen. Bei „Psycho“ werden die Namen der Darsteller zerhackt und zerschnitten, was den späteren legendären Mord unter der Dusche bereits andeutet.
Auch bei den James-Bond-Filmen ist der Titelvorspann sehr kunstvoll gestaltet, meist eine Montage aus Real- und Trickfilm in psychedelischen Farben. Bis 1991 zeichnete Maurice Binder dafür verantwortlich, seit „GoldenEye“ (1995) führt Daniel Kleinman diese Tradition fort. Ebenfalls von Binder ist der Vorspann zum Film „Charade“ (1963).
Weitere gelungene Beispiele: „Der rosarote Panther“ (1963), „Der Clou“ (1973), „Delicatessen“ (1990), „Sieben“ (1995), „Spider-Man“ (2002), „Catch Me If You Can“ (2003), „Die Unglaublichen“ (2004), „Motel“ (2007) und „Dawn of the Dead“ (2004).
Bis etwa Mitte der 1970-er Jahre war es gängige Praxis, den Vorspann komplett einzudeutschen. Aus Kostengründen verzichtet man heutzutage auf diesen Aufwand. Bestenfalls der Filmtitel wird in deutsch eingefügt. Davon ausgenommen sind vornehmlich nur noch Serienvorspänne, die der Erläuterung dienen.
Bei manchen Filmen wurde der Vorspann mit einer Prise Ironie gezeigt. So werden in „Das Spukschloss im Spessart“ (1960) alle im Vorspann angezeigten Informationen gesungen. In „Monpti“ (1957) sagt Helmut Käutner im Vorspann nach einigen Anfangsdaten, der Zuschauer brauche sich nicht die ganzen Namen durchzulesen und solle sich lieber die Bilder ansehen.
