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KINOLEXIKON  

 Vietnamkrieg

Vietnamkrieg

Datum1960/6530. April 1975
OrtVietnam
AusgangSieg Nordvietnams
Friedensschluss1973, Waffenstillstands-Abkommen von Paris zwischen Nordvietnam und den Vereinigten Staaten
Konfliktparteien

Der Vietnamkrieg (auch Zweiter Indochinakrieg oder Amerikanischer Krieg) bezeichnet die letzte, besonders verlustreiche Etappe in einem dreißigjährigen bewaffneten Konflikt, der 1946 mit dem Widerstand der vietnamesischen Kommunisten und anderer Gruppierungen gegen die französische Kolonialmacht begonnen hatte. Er steht als Stellvertreterkrieg im Kontext des Kalten Krieges.

Seit dem Jahre 1954 war Vietnam in einen kommunistischen Norden und einen antikommunistischen Süden geteilt, was zunächst als Provisorium gedacht war. Der Süden wurde nur wenige Jahre später Schauplatz eines Bürgerkriegs, den die Vereinigten Staaten als Bedrohung ihrer Interessen interpretierten. Die offene Intervention der USA begann mit der Bombardierung Nordvietnams vom 2. März 1965. Am 8. März 1965 landeten die ersten regulären US-Kampftruppen im Land. Zuvor war das südvietnamesische Regime bereits mit einem kontinuierlich verstärkten Kontingent von „Militärberatern“ gegen die Guerilla der kommunistisch dominierten Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams (im Folgenden FNL – Front National de Libération –, auch NFL, im allgemeinen Sprachgebrauch Vietcong genannt) unterstützt worden. Die Grundlage für den offenen Kriegseintritt der USA bildete der gefälschte Tonkin-Zwischenfall vom August 1964, welcher der Regierung Johnson den Anlass gab, den US-Kongress davon zu überzeugen, ein offenes Eingreifen zu legitimieren.

Die Sowjetunion und die Volksrepublik China stellten Nordvietnam militärische Hilfe zur Verfügung. Ab 1970 weiteten die Vereinigten Staaten ihre militärischen Aktionen, insbesondere die verheerenden Bombardierungen, auf die Nachbarstaaten Kambodscha und Laos aus. Die USA konnten ihr Ziel – Stabilisierung des Südens – allerdings nicht erreichen, sodass ab 1969 bis zum März 1973 die US-Truppen wieder aus Südvietnam abgezogen wurden. Der Krieg endete mit der Einnahme Sàigòns am 30. April 1975 durch nordvietnamesische Truppen und hatte die Wiedervereinigung des Landes zur Folge.

Der Vietnamkrieg forderte etwa drei Millionen Todesopfer, davon waren zwei Millionen Zivilpersonen. Vier Millionen Menschen erlitten schwere Verletzungen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Während der japanischen Besatzung, die sich auf das französische Kolonialregime gestützt hatte, waren die Viet Minh unter Hồ Chí Minh zur bedeutendsten politischen Organisation innerhalb der Bevölkerung herangewachsen und hatten dabei den nationalen Konsens betont. Im Zuge der Augustrevolution 1945 proklamierten die Kommunisten die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam. Britische Truppen landeten in Saigon, um mit der Entwaffnung der Japaner zu beginnen, ebenso wie chinesische Truppen, die Vietnam zu diesem Zweck vorübergehend bis zum 16. Breitengrad besetzten. Bei der Unabhängigkeitserklärung bediente man sich amerikanischer und französischer Vorbilder. Zu dieser Zeit waren Hồ Chí Minh und die Westalliierten noch Verbündete gewesen, das Office of Strategic Services hatte den Việt Minh seit 1942 aktiv im Guerillakampf unterstützt. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnete während des Zweiten Weltkrieges seine Linie gegenüber den antikolonialen Unabhängigkeitsbewegungen als „ambivalent“. Die Vereinigten Staaten betonten das Selbstbestimmungsrecht aller Völker, sicherten aber gleichzeitig dem französischen Verbündeten den Fortbestand seines Kolonialreichs zu.[2]

Im Jahre 1946 setzte Frankreich zwei „Hochkommissare“ – Georges Thierry d’Argenlieu in Hanoi im Norden und Robert Cedile in Saigon im Süden – ein, um die Kolonialherrschaft zu restaurieren. Mit der Beschießung Haiphongs durch französische Schiffsartillerie begann der Indochinakrieg. 1950 wurde die Demokratische Republik Vietnam von der Sowjetunion und China anerkannt. Die USA und Großbritannien unterstützten den von Frankreich geschaffenen Etat Vietnam. Durch die zunehmenden Spannungen während des Kalten Krieges sahen die Vereinigten Staaten ihre Interessen in Südostasien bedroht.[3] Hierbei bezog man sich neben geostrategischen Gesichtspunkten auf die Rohstoff-Vorkommen und Absatzmärkte der Welt, auf die man weiterhin uneingeschränkten Zugriff behalten wollte. Schon der Sieg der Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg galt vielen als unverzeihlicher Unfall. Zu Beginn der 1950er Jahre hatte sich in den USA die Auffassung entwickelt, die Sowjetunion sei eine auf Welteroberung ausgerichtete Macht. Sämtliche kommunistische Bewegungen in der Welt wurden als von Moskau gelenkte Organisationen betrachtet. Diese Auffassung war unter anderem die Grundlage für die Domino-Theorie, wonach das „Umfallen“ eines Staates (das heißt die Errichtung einer kommunistischen Diktatur) auch das „Umfallen“ von dessen Nachbarn und schließlich der ganzen Region zur Folge hätte und so eine direkte Bedrohung der USA entstünde. Folglich müsse man frühzeitig eingreifen, wo immer die Gefahr bestand, dass sozialistisch inspirierte Bewegungen die Macht erringen konnten – wovon auch demokratisch gewählte Regierungen betroffen waren, die einzelne Wirtschaftszweige nationalisierten, an denen US-amerikanische Interessen hingen.

Bereits der erste Indochinakrieg der Franzosen wurde zu 82 % von den USA finanziert.[4] Im Zuge des für Frankreich ungünstig verlaufenden Krieges entstand in Washington der Gedanke, eigene Kampftruppen zu entsenden, was aber zunächst an der Haltung der Verbündeten und der Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses scheiterte. Die USA intensivierten die Militärhilfe bis zur Verfügungstellung von Mittelstreckenbombern (auch wurde der Einsatz von Atomwaffen zeitweilig für möglich gehalten) und übernahmen immer größere Teile der Finanzierung.[5]

Ex-Kaiser Bảo Đại wurde als Präsident der späteren Republik Vietnam („Südvietnam“) eingesetzt. 1954 erlitten die Franzosen bei der Schlacht von Điện Biên Phủ eine Niederlage, die als der Wendepunkt des Indochinakrieges gesehen wird. In Genf wurde auf der Indochinakonferenz ein Abkommen unterzeichnet, dem zufolge die Kriegsparteien räumlich voneinander getrennt werden sollten. Den Viet Minh wurde der Teil Vietnams nördlich des 17. Breitengrades zugewiesen. Staatsoberhaupt des Südens blieb formell Kaiser Bao Dai, der jedoch nach Paris ins Exil ging. Auch sah das Abkommen freie Wahlen vor. Die USA unterzeichneten das Abkommen nicht, unterstützten es aber. Ein Jahr darauf erklärte Ngô Đình Diệm Südvietnam zur Republik und wurde Präsident. Die amerikanische Regierung begann, Südvietnam militärisch zu unterstützen und sandte 350 Offiziere für die Ausbildung und Organisation der südvietnamesischen Armee. Die Grenze nach Norden wurde geschlossen und der Telefon- und Postverkehr mit dem Nordteil Vietnams unterbunden. Um den vorausgesagten Wahlsieg der Viet Minh zu verhindern, unterband der südvietnamesische Präsident Ngô Đình Diệm 1956 die gesamtvietnamesischen Wahlen. Die letzten französischen Soldaten verließen das Land. Ngô Đình Diệm startete die To-Cong-Kampagne („Denunziert die Kommunisten!“) und ließ zahlreiche echte oder vermeintliche Regimegegner verhaften. Im gleichen Jahr wurden erstmals amerikanische Soldaten, das 14th Special Forces Operational Detachment der 77th Special Forces Group, in Vietnam als Militärberater stationiert. 1958 begannen die ersten sporadischen bewaffneten Aktionen meistens von Angehörigen der im zentralen Hochland lebenden ethnischen Minderheiten, der sogenannten Montagnards. Ein Jahr später ließ Diệm mobile Sondergerichte einrichten. Im selben Jahr kam es zu größeren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Guerillas und Regierungstruppen. Von Seiten ersterer wurden auch Anschläge auf zivile Angehörige der Verwaltung des Landes verübt.

Ein US-Patrouillenboot beschießt das Ufer mit Napalm

Entwicklung in den Landesteilen

Nordvietnam

Im Norden gelang es den Kommunisten, ihre Macht trotz Schwierigkeiten zu festigen. 1953 war eine erste Landreform durchgeführt worden, um die Bauernschaft, ihre wichtigste Basis, stärker an den Unabhängigkeitskampf zu binden. Dies war der erste Versuch, auf die soziale Problematik eine konkrete Antwort zu finden, widersprach aber der bisherigen Vorgehensweise der Kommunisten, die verschiedenartigen Interessen ihrer Unterstützer nicht zu verletzten. Die Franzosen hatten Großgrundbesitz und Pachtverhältnisse, Geldwirtschaft und Exportorientierung eingeführt und dabei eine neue soziale Schicht entstehen lassen, die zwar die Unabhängigkeitsbestrebungen teilweise mitgetragen hatte, aber von den extrem ungleichen Besitzverhältnissen profitierte. Um der Unzufriedenheit der unterprivilegierten Landbevölkerung zu entsprechen, waren zwischen 1955 und 1956 gewaltsame Enteignungen durchgeführt worden, in deren Verlauf etwa 15.000 – 50.000 Menschen getötet oder inhaftiert wurden.[6] Seit 1950 wurde das Regime von chinesischen Beratern in ihrem Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung unterstützt. Der Terror des Regimes wurde fortgeführt und nun mit der Rhetorik des Klassenkampfs verbrämt. Diese Repressionswelle erreichte 1956 ihren Höhepunkt. Sie betraf die ganze Bevölkerung des Landes, inklusive Mitglieder der kommunistischen Partei und Veteranen des Krieges gegen Japan und Frankreich. Die Zahl der Inhaftierten wird zwischen 50.000 und 100.000 Personen geschätzt. 86 % der Parteikader auf dem Lande wurden Opfer dieser Maßnahmen. Die ältere Generation der Kriegsveteranen in der Partei wurde zu 95 % aus der Partei entfernt. Rund 600.000 der 1,5 Millionen Katholiken im kommunistischen Vietnam flohen teils unter dem Schutz der letzten französischen Einheiten in den Süden des Landes.[7] Die Repressionspolitik wurde von der Regierung später in der Öffentlichkeit als Fehler bezeichnet. Der sich in der Folge wieder abzeichnende Konflikt zwischen Eigentümern von Kleinflächen und den privilegierten Gruppen konnte durch große Ertragssteigerungen abgewendet werden. Danach ging die Partei daran, den Kleinbauern ein genossenschaftliches Versorgungssystem anzubieten, das im Laufe der Jahre von der überwiegenden Mehrheit angenommen wurde. Bis 1960 verzeichnete der bislang eher unterentwickelte, zunehmend staatlich kontrollierte Industriesektor die höchsten Wachstumsraten in Südostasien.[8] Trotz der wirtschaftlichen Erfolge des Regimes verstärkte sich seine Tendenz zum Totalitarismus. Das Regime verfolgte nach einer kurzen Tauwetter-Periode in Anlehnung an den Kurs von Nikita Chruschtschow eine Annäherung an die Volksrepublik China unter Mao Zedong. Die Landwirtschaft wurde nach chinesischem Vorbild durch den Bau großer Bewässerungsprojekte während einer starken Dürreperiode stark geschädigt. Im Land breitete sich eine Hungersnot aus, Zahlen über deren Opfer liegen nicht vor.

Südvietnam

Im südlichen Teil verdrängten die USA die Franzosen als Schutzmacht gegen revolutionäre Umtriebe. Ngô Đình Diệm wurde zum Hoffnungsträger der maßgeblichen Washingtoner Kreise. Er sollte den Süden für die Bevölkerung so attraktiv gestalten, dass den Kommunisten die Grundlage für ihre Erfolge entzogen wurde. Die gesamte Wirtschaft war von den USA abhängig, die in den Städten eine westliche Wohlstandsgesellschaft zu errichten versuchten. Eine neue „Armee der Republik Vietnam“ (kurz ARVN) wurde nach amerikanischem Vorbild aufgebaut. Bis 1962 blieb die kombinierte Wirtschafts- und Militärhilfe aber noch unter den Leistungen, die für andere Staaten, wie zum Beispiel Südkorea oder die Türkei, aufgewandt wurden. Das Saigoner Büro des US-Geheimdienstes CIA wurde währenddessen zu einem Aktivposten, dessen Aktivitäten vom Kongress nicht ausreichend überwacht werden konnten. Anfang 1955 unterstützte die CIA Diệm bei seiner offenkundig manipulierten Wahl zum Präsidenten. 1956 sagte er mit Unterstützung der US-Regierung unter Eisenhower die gesamtvietnamesischen Wahlen ab.

Von der CIA angefertigte Karte Südvietnams

Diệm trat als Alleinherrscher auf, der mit seiner Familie und seinen Getreuen den Staat vor dem Zugriff interner und äußerer Widersacher abzusichern versuchte. Das Regime galt als skrupellos und korrupt. Es besaß kaum Rückhalt in der Bevölkerung, zumal der Präsident der katholischen Minderheit angehörte, während das Land überwiegend buddhistisch geprägt war. Schon 1955 begann das Regime gegen Oppositionelle vorzugehen. 1956 und 1959 wurden repressive Gesetze erlassen, auf deren Grundlage Tausende von Menschen zu Tode kamen. Statt, wie von den USA angemahnt, eine effektive Bodenreform durchzuführen, verschärfte das Regime die Verhältnisse durch die Abschaffung der lokalen Selbstverwaltung und die Begünstigung von Gefolgsleuten. Während die Militarisierung der öffentlichen Ordnung voranschritt, wurde die Struktur der Armee danach ausgerichtet, die Entstehung unabhängiger Machtzentren zu verhindern, was aber deren Schlagkraft entscheidend verminderte.

Auch wenn in der Bevölkerung die Ablehnung des Diem-Regimes wegen dessen repressiver Politik zunahm, fürchteten die Kommunisten im Süden um ihre Existenz, weil immer mehr Mitglieder und Kader getötet oder inhaftiert wurden. Sie übten daher auf die Führung in Hanoi Druck aus, den bewaffneten Kampf zu initiieren. Bislang hatte man dem Umwandlungsprozess im Norden den Vorrang gegeben. Erst 1959 entschloss man sich, militärische Maßnahmen schrittweise in Gang zu setzen, um nicht an Einfluss auf die Menschen im Süden zu verlieren, die auf Gegenwehr drängten. Zunächst ließ die Regierung in Hanoi ehemalige Viet Minh in den Süden zurückkehren. 1960 wurde die Nationale Befreiungsfront (FNL) gegründet, eine Sammlungsbewegung oppositioneller Gruppierungen unter kommunistischer Führung, die den bewaffneten Widerstand organisierte. Die FNL verstand sich weniger als militärische Organisation, denn als Instrument einer sozialen Revolution; sie mobilisierte die Bauern und führte in den Dörfern demokratische Verfahren ein [9]. Die FNL gewann rasch an Zulauf, da sie es verstand, das Gros der Landbevölkerung mit Umverteilungsmaßnahmen an sich zu binden, mäßigte aber ab 1964 ihren wirtschaftlichen Kurs, um auch Mitglieder der bäuerlichen Mittelschicht für sich zu gewinnen. In Zellen organisiert, fiel es ihr relativ leicht, den Operationen der ARVN immer wieder auszuweichen oder diese zu kompensieren. Bis 1965 war die FNL zum überwiegenden Teil auf im Süden erbeutete oder auch erworbene Waffenbestände angewiesen.

FNL-Kämpfer

Wie für die gesamte US-Elite waren für den neuen Präsidenten John F. Kennedy die Entwicklungen in Südostasien, wie zum Beispiel in Laos und Indonesien, von großer Bedeutung, da sie über die Glaubwürdigkeit der USA entschieden. Um den vietnamesischen Verbündeten nicht zu verlieren, setzte Kennedy auf eine massive Aufstockung der Mittel für die ARVN, die Entsendung der Eliteeinheit Green Berets und die Verwendung von Napalm. Er autorisierte die CIA, im Norden Sabotageakte durchzuführen. Aber die neuerlichen Forderungen der Vereinigten Stabschefs (JCS) und des Pentagon nach Entsendung regulärer Truppenkontingente, bekräftigt durch die Bitten Diệms, lehnte der Präsident ab. Allerdings wurde die Zahl der militärischen Berater unter Missachtung des Genfer Abkommens bis zum November 1963 von ursprünglich 700 auf 16.870 Mann erhöht. Südvietnam war zum Testfall für die Auseinandersetzung mit Aufstandsbewegungen geworden, die man als Bedrohung der eigenen Interessen wahrnahm. Die auf physische Kontrolle der Bevölkerung abzielende Guerilla-Abwehrstrategie (Counter Insurgency) brachte aber keine Erfolge und wurde von Diệm und seinem Bruder Nhu, dem Sicherheitschef, vor allem dazu genutzt, die schikanöse Kontrolle der Bauern zu intensivieren. Dazu gehörte es, dass man die Landbevölkerung zumeist gegen ihren Willen in so genannten Wehrdörfern konzentrierte, was deren religiöse Gebräuche verletzte und deren schwierige soziale Lage zusätzlich verschärfte. Bereits einige Jahre zuvor hatten die Vereinigten Staaten ihre Aktivitäten in der gesamten Region verstärkt, als sie beispielsweise zwischen 1959 und 1961 in der Geheimoperation Operation White Star in Laos die Royal Laotian Army ausgebildet und Rekruten des Stammes der Meos gewonnen hatten.

Der Ausbruch der Buddhistenkrise im Sommer 1963 machte der zögerlichen Kennedy-Regierung deutlich, dass der umstrittene Diệm, der keine Kompromisse eingehen wollte, untragbar geworden war. Eine gewaltsame Provokation des Regimes hatte zu den schwersten Unruhen seit 1954 geführt. Hinzu kam, dass Nhu über Frankreich erste Kontakte mit Hanoi knüpfte. Als sich im November 1963 abzeichnete, dass unzufriedene Militärs das Regime stürzen würden, erhielten sie von der US-Regierung Rückendeckung. Allerdings äußerte sie sich nicht zu der Frage nach dem Schicksal des Präsidenten und seines Bruders. Diệm und Nhu wurden im Laufe des Putsches umgebracht. Kennedy, der mit der Lage in Vietnam nicht zufrieden war, äußerte die Überlegung, sich bis 1965 aus Vietnam komplett zurückzuziehen.[10] In der Direktive NSAM 263 vom 11. Oktober hatte der Präsident bereits den Abzug der ersten 1.000 Berater angeordnet.[11]

US-Intervention

US-Präsident Lyndon B. Johnson (links) bei einem Besuch am 26. Oktober 1966 in Südvietnam mit US-General William Westmoreland (2. v.l.), Generalleutnant der südvietnamesischen Streitkräfte Nguyễn Văn Thiệu (2.v.r.) und mit dem Premierminister von Südvietnam Nguyễn Cao Kỳ
Soldaten der 4. US-Infan-
teriedivision
im November 1967

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gab es für US-Präsident Lyndon B. Johnson keine Zweifel darüber, dass eine harte Haltung notwendig sei. Johnson wollte unbedingt verhindern, dass „Vietnam den gleichen Weg nimmt wie China“. Die Bewahrung der „Glaubwürdigkeit“ vor den Verbündeten, der Beweis der uneingeschränkten Macht der USA, wurde in den Washingtoner Regierungskreisen stets als zentrales Motiv benannt. Außenminister Dean Rusk berief sich wiederholt auf den SEATO-Vertrag, der bei Gefährdung eines Mitgliedstaates eine Reaktion der anderen Mitglieder vorsah.[12]

Während die Guerillas weitere Erfolge verbuchen konnten, machte sich der neue Machthaber in Saigon, General Dương Văn Minh, in Washington unbeliebt, weil er einen Kompromiss mit der FNL anstrebte und von den US-Militärs mehr Zurückhaltung forderte. Im Januar 1964 wurde er nach Zustimmung aus den USA von einer Gruppe Hardliner gestürzt. Nach einer Serie von Militärcoups und nach lang andauernden offenen Rivalitäten zwischen verschiedenen Protagonisten wurden erst 1968 stabile Regierungsverhältnisse erzielt.

Im März 1964 besuchte US-Verteidigungsminister Robert McNamara Südvietnam und musste erkennen, dass 40 % des Staatsgebietes unter FNL-Kontrolle standen und die ARVN in einem desolaten Zustand war. Vor der amerikanischen Öffentlichkeit zeigte sich McNamara dagegen zuversichtlich. Dem Präsidenten empfahl er weitere materielle Unterstützung für den Süden, teilte aber nicht die Forderungen der Stabschefs, Truppen zu entsenden und Luftangriffe zu führen.

Johnson weitete die von Kennedy begonnenen Infiltrierungen des Nordens entschieden aus, entband die CIA von der Aufgabe und wies sie dem Generalstab zu (OPLAN 34-A). Dabei führten kleine südvietnamesische Gruppen Anschläge und Sabotageakte im Innern und an der Küste Nordvietnams durch. Während zwei dieser Kommandos im Golf von Tonkin Anfang August 1964 ihre Angriffe durchführten, kam es auf offener See zu einer bedrohlichen Situation zwischen der nordvietnamesischen Küstenwache und zwei US-Kriegsschiffen, weil das nordvietnamesische Militär die Schiffe mit den Kommandos in Verbindung brachte. Den so genannten Tonkin-Zwischenfall interpretierten die USA als unprovozierte Angriffe Nordvietnams. Tatsächlich waren die Berichte vor Ort vom US-Nachrichtendienst National Security Agency (NSA) entsprechend umgedeutet worden. Vor dem US-Kongress leugnete McNamara eine amerikanische Verantwortung für die südvietnamesischen Attacken. Dies verschaffte Johnson eine breite Unterstützung für das Eingreifen in einen Bürgerkrieg, der in einem weit entfernten, der US-Öffentlichkeit kaum bekannten Land stattfand. Am 7. August 1964 verabschiedeten Repräsentantenhaus und Kongress bei insgesamt nur zwei Gegenstimmen die Tonkin-Resolution, die sich auf den SEATO-Vertrag berief und so vage formuliert war, dass der Präsident nahezu alle Kampfeinsätze daraus ableiten konnte. Aber noch zögerte Johnson, der auch große innenpolitische Ambitionen hatte, vor den Neuwahlen im November mit weiteren Aktionen.

Gegen Ende des Jahres gab die Führung in Hanoi ihre Hoffnung auf, die Krise des Saigoner Regimes würde den Verzicht der Amerikaner auf Südvietnam herbeiführen. Der Zwischenfall vor der heimischen Küste hatte gezeigt, dass sich eine direkte Konfrontation nicht länger vermeiden ließ. Darum baute man den 1960 fertig gestellten Ho-Chi-Minh-Pfad weiter aus, um der FNL mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Dabei kam ihnen die Hilfe der UdSSR zugute, die mit den Waffenlieferungen der neuen Atommacht China zusammenfiel. In Moskau war der um Ausgleich mit den USA bemühte Regierungschef Nikita Chruschtschow gestürzt worden. Außerdem wollte man gegenüber dem neuen erbitterten Konkurrenten China nicht zurückstehen. Zuvor hatten die Vietnamesen nicht mit der Hilfe der beiden Staaten, die ihre eigenen Motive gegenüber den USA verfolgten, rechnen können. Im weiteren Verlauf des Krieges spielte Hanoi die UdSSR und China bei der Vergabe von Waffen, die 1967 ihren Höhepunkt erreichte, und bei der diplomatischen Unterstützung gegeneinander aus.

Boeing B-52 beim Bombenabwurf

Anfang 1965 schien das Saigoner Regime sich allmählich aufzulösen. Als die FNL sich nicht länger scheute, US-Basen zu attackieren, setzte sich in Washington die Fraktion durch, die eine Bombardierung Nordvietnams für erforderlich hielt. So begann die Operation Rolling Thunder, zunächst eine Bombardierung des Ho-Chi-Minh-Pfads, dann eine sich immer weiter erstreckende Luftoffensive gegen die Demokratische Republik Vietnam. Um die schwierige Lage im Süden auszugleichen, sollte der Norden die militärische Macht der USA zu spüren bekommen. Man verstand die Bombardierungen des Nordens als ein Druckmittel, um Hanoi zum Einlenken zu bewegen. Der amerikanischen Öffentlichkeit wurden Ausmaß und Bedeutung der Angriffe verschwiegen. Am 8. März 1965 landeten auf Drängen von William Westmoreland, dem Oberkommandierenden in Vietnam, die ersten amerikanischen Kampftruppen in Đà Nẵng, um den dortigen Stützpunkt zu schützen. Am Ende des Jahres waren es bereits 184.000 Soldaten.

Besonderheiten des vietnamesischen Kriegsschauplatzes und der Kriegführung

Der Krieg war durch einen asymmetrischen Charakter gekennzeichnet. Die technische und materielle Überlegenheit lag zu jeder Zeit des Konflikts auf Seiten der hochgerüsteten Vereinigten Staaten, die ihre neu entwickelten Waffen auch gegen sowjetisches Kriegsgerät einsetzen konnten. Die USA verfeuerten dabei rund 15 Millionen Tonnen Sprengstoff, mehr als doppelt so viel wie im Zweiten Weltkrieg und fünfmal so viel wie im Koreakrieg.

Jagdbomber wie die F-4 Phantom sicherten die Lufthoheit, strategische Bomber wie die Boeing B-52, die in Guam oder Okinawa aufstiegen, ermöglichten Flächenbombardements des Dschungels. 1972 setzte die amerikanische Luftwaffe erstmals Präzisionsgelenkte Munition wie die AGM-62 Walleye mit eingebauter Videokamera ein, die anhand des Videosignals in das Ziel ferngelenkt wurden. Bekannt wurde die Filmaufnahme einer auf eine Brücke anfliegenden Gleitbombe.

Hubschraubereinsatz in Vietnam, 1966

Als wichtige Innovation gegenüber früheren Kriegen erwies sich der Einsatz von Hubschraubern, der auf eine Entscheidung McNamaras zurückging. Auf dieser Grundlage konnten gegnerische Verbände aus dem Dschungel durch die Luftbewegliche Infanterie hervorgelockt werden, da nach einem Feindkontakt die Möglichkeit bestand, die eigenen Soldaten wieder auszufliegen beziehungsweise immer neu auszuwechseln, und den entscheidenden Schlag der Luftwaffe zu überlassen.

Marines sprengen Tunnel des Vietcong, 1966

Die unerfahrenen amerikanischen Soldaten neigten oft dazu, ihre kompletten Magazine im Dauerfeuer zu leeren, was unter anderem zu einer Änderung des Dauerfeuermodus in einen 3-Schuss-Modus in den nachfolgenden M16-Versionen führte. Zudem setzten die meisten amerikanischen Befehlshaber, die über einen relativ großen Handlungsspielraum verfügten, bei Feindkontakt auf die Feuerkraft ihrer Kommandos. 70 % der abgefeuerten Artilleriegeschosse wurden im Zuge des Search and Destroy allerdings in Situationen verbraucht, bei denen es zu gar keinen oder nur leichten Gefechten kam. So wurde die Rechnung aufgemacht, dass pro getötetem Feind statistisch 50.000 Schuss verwendet wurden.

Insbesondere der massive Gebrauch von Luft- und Artillerieunterstützung sowie die amerikanische Doktrin der großen Feuerkraft auf mittlere Distanz, die eingeführt wurde, um die eigenen Verluste möglichst klein zu halten, führten zu hohen Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung. Den amerikanischen Soldaten, denen die vietnamesische Kultur und Sprache meistens fremd waren, fiel es außerdem schwer, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, zumal die FNL die zivilen Strukturen als ständige Basis für ihre Logistik und Strategie nutzte.

Der großflächige Einsatz von Entlaubungsmitteln, wie zum Beispiel Agent Orange, führte zu Langzeitkontaminationen der Vegetation und der Bevölkerung, sei es durch direkte Aufnahme der Gifte oder indirekt über die Nahrungskette; in der Folge kam und kommt es zu vermehrten Krebserkrankungen, Missbildungen an Neugeborenen und anderen Schäden. Noch im Jahr 2007 sind eine Million Erwachsene und 150.000 Kinder von Krankheiten und Missbildungen betroffen, die darauf zurückzuführen sind. Da die Dioxine das Erbgut verändern, werden daran noch viele Generationen zu leiden haben.

Kriegsverlauf bis zur Tet-Offensive

Obwohl Johnson und seine Berater anfänglich versuchten, die Bombardierungen zu beschränken, fielen immer mehr Landstriche den verheerenden Angriffen zum Opfer. Schon in der frühen Phase des Krieges drängten die Stabschefs den Präsidenten, Hải Phòng und Hanoi im Norden zu bombardieren. Johnson kam dem zunächst nur bis zu einem gewissen Grad entgegen. Der Süden mit seinen aufständischen Gebieten, zum Beispiel dem dicht besiedelten Mekong-Delta, wurde dreimal so stark bombardiert wie der Norden. Der militärische Effekt dieses Vorgehens war minimal, da der Gegner weite Teile seiner Infrastruktur und Logistik unter die Oberfläche verlagerte. Bei der Hälfte der bombardierten Gebiete im Süden stellte sich heraus, dass die FNL dort gar nicht aktiv gewesen war, so dass dort ausschließlich die Zivilbevölkerung getroffen wurde, die unter den Kriegshandlungen ohnehin stark zu leiden hatte.[13] Hunderttausende Menschen wurden getötet oder verletzt; außerdem kam es zu großen und andauernden internen Vertreibungen. Die Bauern mussten vor den Bombardierungen und Artillerie-Gefechten in die Städte flüchten, was sie aus ihrer gewohnten Lebenskultur herausriss und wo sie zumeist mit unsicheren wirtschaftlichen Verhältnissen konfrontiert wurden.

Im Laufe des Jahres 1966 vergrößerten die Vereinigten Staaten ihr Truppenkontingent in Südvietnam auf 400.000 Soldaten. Der Massenprediger Billy Graham veranstaltet Truppenbesuche und Großveranstaltungen, so genannte Crusades (engl.: „Kreuzzüge“) zu Weihnachten 1966 und in den Folgejahren.

General Westmoreland versuchte mit einer „Abnutzungsstrategie“ die FNL zu bezwingen. Dabei sollten die Guerillas zunächst lokalisiert und anschließend durch massiven Artillerie-Einsatz vernichtet werden (Search and Destroy). Das eingenommene Territorium sollte danach von der ARVN besetzt werden. Da das Ziel darin bestand, die FNL im Verlauf des Krieges so substantiell zu schwächen, dass sie zu weiteren Aktionen irgendwann nicht mehr fähig sein würde, glaubte man, den Erfolg mit der Anzahl getöteter feindlicher Kämpfer ausdrücken zu können (Body Count). Zwar erlitt die FNL (sowie auch die reguläre Vietnamesische Volksarmee) in den meisten offenen Gefechten verlustreiche Niederlagen; sie konnte sich aber stets erneuern und behielt mit ihrer Strategie der gezielten Nadelstiche im Schutz des Dschungels und der Dunkelheit die taktische Initiative. Obwohl deren Gegner schließlich fast fünf mal so viel Truppen aufbieten konnten, gelang es den Kommunisten einen steten Strom an Material und Kämpfern aufrecht zu halten, die gut ausgebildet und in der Regel weitaus motivierter waren.[14] Die ARVN dagegen war oftmals nicht in der Lage, einmal besetzte Gebiete längerfristig zu halten. Ein Großteil der amerikanischen Kampfkraft blieb außerdem auf den Schutz der Basen beschränkt, in denen das militärische Material konzentriert war und die das ständige Ziel feindlicher Angriffe waren. 1967 kamen alle Analysen der CIA und des Verteidigungsministeriums zu dem Ergebnis, dass die amerikanische Strategie erfolglos blieb.

Brennendes FNL-Camp in My Tho am 5. April 1968

Die US-Stabschefs forderten dennoch immer mehr Soldaten und Feuerkraft. Währenddessen geriet der Konflikt zunehmend in den Mittelpunkt der innenpolitischen Diskussion. Gegen Ende 1967 waren bereits 485.000 US-Soldaten sowie 50.000 südkoreanische Soldaten in Südvietnam stationiert, ohne dass ein erkennbarer Erfolg erzielt wurde. 16.000 Amerikaner waren mittlerweile gefallen. Als die kritischen Fragen nach dem Sinn der Intervention immer lauter wurden, musste der stets optimistische Westmoreland der beunruhigten Öffentlichkeit vor beiden Häusern des Kongresses versichern, dass eine verstärkte Anzahl an Bodentruppen schon bald den Sieg bringen werde.

Die CIA initiierte das so genannte Phoenix-Programm, um der FNL die strategische Grundlage für ihre Operationen zu entziehen. Von der US-amerikanischen und südvietnamesischen Armee fortgeführt und weiter durch die CIA überwacht, sollte es sich als ein zwiespältiges Unternehmen erweisen, dem zirka 50.000 Menschen zum Opfer fielen und bei dem es zu etlichen Menschenrechtsverletzungen kam.[15] Einerseits versuchte man die sozialen Dienstleistungen der Kommunisten zu ersetzen; andererseits wurde das Programm unter dem neuen südvietnamischen Präsident Nguyễn Văn Thiệu dazu genutzt, vermeintliche Oppositionelle, die keine Verbindung zur FNL besaßen, zu töten. Thieu hatte 1967 die Macht formal erworben. Er schuf einen auf Korruption basierenden Konsens, indem er die militärischen Größen des Landes an der Bereicherung an den amerikanischen Subventionen beteiligte. Zudem genoss er die Unterstützung der chinesischstämmigen Handelselite. Die Militärs teilten auch die illegalen Märkte unter sich auf; dazu gehörte der Verkauf von Heroin unter anderem an amerikanische Soldaten.[16] Auch unter Thieu war die Armee vor allem ein Organ der Machtzuteilung und Machtkontrolle, was deren militärische Effektivität weiterhin stark beeinträchtigte.

Der in den USA immer schwächer werdende Glaube an ein „Licht am Ende des Tunnels“ (Westmoreland) wurde durch die Tet-Offensive am 30. Januar 1968 vollends erschüttert. Hierbei traten plötzlich rund 84.000 Kämpfer der FNL (und der Nordvietnamesischen Volksarmee NVA) zur Eroberung von zahlreichen Provinz- und Distrikthauptstädten offen in Erscheinung. Mit einem Angriff dieser Größenordnung und Vehemenz hatte die US-Armee nicht gerechnet, obwohl sie von der NSA entsprechende Warnungen erhalten hatte.[17] In Saigon brauchte man nur wenige Tage, um die FNL-Kommandos auszuschalten. Huế war der einzige Ort, der länger gehalten werden konnte. Dort hatten 7.500 Soldaten der NVA die Stadt angegriffen und zeitweise erobert und die Gefechte dauerten einen ganzen Monat, währenddessen die Nordvietnamesen ca. 6.000 unbewaffnete Zivilisten ermordeten und sich etlicher Repressalien schuldig machten. Bei den Kampfhandlungen erlitt das historisch bedeutsame Huế schwerste Schäden. In Saigon wurden ganze Straßenzüge durch US-Kampfhubschrauber dem Erdboden gleich gemacht. Viele Orte erlitten erhebliche Zerstörungen durch überlegene amerikanische Feuerkraft. Die Stadt Bến Tre im Mekong-Delta wurde nahezu vollständig zerstört, was den befehlshabenden US-Offizier vor Ort zu dem später durch die Medien verbreiteten Zitat veranlasste: „Wir mussten Ben Tre zerstören, um es zu retten“[18]. Im März 1968 endetet die Tet-Offensive. Dabei starben 14.000 Zivilisten (davon 6.000 alleine in Saigon), 25.000 wurden verwundet und 670.000 wurden obdachlos.

Saigon während der Tet-Offensive 1968.

Militärisch bedeutete die Offensive für die Kommunisten eine schwere Niederlage. Insgesamt verlor die FNL mit über 40.000 Toten und 10.000 Gefangenen mehr als die Hälfte ihrer eingesetzten Kräfte. Nicht eine der eroberten Städte konnte gehalten werden und die erhoffte Unterstützung durch deren Bewohner war größtenteils ausgeblieben. Die FNL war derartig dezimiert, dass von diesem Zeitpunkt an reguläre nordvietnamesische Truppen deren Kontingente auffüllen mussten und etliche ehemalige Hochburgen und angestammte Rückzugsgebiete nicht mehr verteidigt werden konnten. Das führte dazu, dass die US-Armee und die ARVN in Gebiete eindringen konnten, die vorher als zu verlustreich und gefährlich galten. Die Eroberung dieser Territorien bedeutete für die FNL auch einen empfindlichen Verlust an wirtschaftlichen Ressourcen und potentiellen Rekrutierungsmöglichkeiten, ferner verlor sie an Reputation und Einfluss bei der Landbevölkerung, die überwiegend nur noch an einer Einstellung der Kampfhandlungen interessiert war. Eine weitere Folge war, dass die FNL nach 1968 militärisch keine Rolle mehr spielte, da sie sich von diesen Verlusten nie wieder erholte. Seitdem trug die NVA die Hauptlast des Krieges.

Politisch und psychologisch jedoch markierte die Tet-Offensive den Wendepunkt. Die überraschende Offensivkraft des Gegners, den man am Rande des Zusammenbruchs geglaubt hatte, überzeugte viele Amerikaner von der Unmöglichkeit eines Sieges, gleichzeitig verlor Präsident Johnson an Popularität und an politischer Glaubwürdigkeit. Andererseits fühlten sich die Kommunisten durch das militärische Scheitern der Operation in eben jene prekäre Lage versetzt, in der die US-Militärs sie vorher irrtümlicherweise gesehen hatten. Die massiv geschwächten kommunistischen Truppen versuchten daher bis zum Februar 1971, jedem größeren Gefecht möglichst aus dem Weg zu gehen.

Amerikanischer Rückzug und Ausweitung des Krieges

Propagandakrieg auf der Briefmarke: DDR-Zuschlagmarke von 1969: „Unbesiegbares Vietnam“

In US-Militärkreisen kamen Vorschläge auf, den Krieg durch gezielte Landungsoperationen an der nordvietnamesischen Küste der Demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südvietnam, einer weiteren Verschärfung des Luftkrieges und eines breitangelegten Einfalls mit Bodentruppen in Laos und Kambodscha, um den Ho-Chi-Minh-Pfad wirksam zu unterbrechen, letztlich siegreich zu beenden. Der Amtsnachfolger Johnsons, Richard Nixon, lehnte dies angesichts der unkalkulierbaren politischen Konsequenzen ab, zu denen eine mögliche Kriegserklärung und ein militärisches Eingreifen Chinas zählten.

Von diesem Zeitpunkt an überwog in der amerikanischen Bevölkerung die Stimmung, von der Regierung in ein Desaster geführt worden zu sein. Als General Westmoreland verlangte, weitere 200.000 Mann nach Vietnam zu entsenden, erreichte McNamaras Nachfolger Clark Clifford, dass Johnson dieses Ansinnen, das große öffentliche Aufregung verursachte, ablehnte. Auch das Ende der Belagerung von Khe Sanh, einem stark befestigten Außenposten der Marines nahe der entmilitarisierten Zone, konnte nichts daran ändern. Um von der kommenden Überraschungsoffensive abzulenken, war es der nordvietnamesischen Militärführung gelungen, US-Verbände dort zu binden und die Basis einzuschließen. Die US-Führung fühlte sich an die Ereignisse von Điện Biên Phủ erinnert und behandelte den Ausgang der Militäroperation als eine Prestigefrage. Von den Stabschefs holte Präsident Johnson eine schriftliche Garantie ein, dass Khe Sanh um jeden Preis gehalten werden würde. Nach 77 Tagen Belagerung und den massivsten Luftangriffen der Menschheitsgeschichte erzielten die Amerikaner den Durchbruch. Auch hier war das militärische Ergebnis für die NVA verheerend. Für die USA bedeutete dies aber keine positive Wende.

Soldat der 101. US-Luftlandedivision in Vietnam

Als Folge der Tet-Offensive wurden erste Friedensverhandlungen in Paris aufgenommen, bei der sich aber vorerst keine Partei zu substanziellen Zugeständnissen bereit zeigte. Die vom scheidenden Präsidenten Johnson ausgesetzten Bombardierungen nördlich des 17. Breitengrads wurden durch verstärkte Luftangriffe im Süden ausgeglichen. Im März und April des Jahres starteten US Army und ARVN eine Bodenoffensive rund um Saigon. Währenddessen wurde Westmoreland durch General Creighton Abrams abgelöst, der eine neue Strategie anwandte, die näher an die feindliche Guerillataktik angelehnt war. Gleichzeitig wurde die ARVN vergrößert mit dem Ziel, die Offensiven gegen die FNL allmählich den Südvietnamesen zu überlassen. Obwohl das Phoenix-Programm mehr und mehr Erfolge zeigte, reagierten die Südvietnamesen auf die erkennbar neue Politik der Amerikaner mit Widerwillen und Furcht. Die Desertionen erreichten neue Spitzenwerte, während die politische und militärische Führung in Saigon der US-Regierung Schwierigkeiten bereitete.

Das Verhalten von Präsident Thiệu sollte schließlich unmittelbare Auswirkungen auf die Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten haben. Den Bürgern der krisengeschüttelten USA bot sich keine Möglichkeit, einen Politiker für das Amt zu bestimmen, der sich für eine schnelle Beendigung des Krieges aussprach. Schließlich siegte mit knappem Vorsprung Richard M. Nixon. Der Republikaner hatte mit einem „Geheimplan“ geworben, der einen Ausweg aus der Vietnam-Problematik bringen sollte. Letztlich zugute kam ihm aber, dass er Thiệu kurz vor der Stimmabgabe heimlich dazu bewegen konnte, die Friedensgespräche zu boykottieren, so dass die Politik der regierenden Demokraten vielen Wählern als unglaubwürdig erschien. Gemeinsam mit Sicherheitsberater Henry Kissinger wollte der exponierte Antikommunist die Weltmacht USA von der Misere in Südostasien befreien.

Mittlerweile war die ökonomische Dominanz der USA angeschlagen, seitdem die Goldeinlösegarantie des US-Dollar nicht mehr gegeben war. Das durch die Rüstungsausgaben verursachte enorme Haushaltsdefizit war eine große Bürde auch für den Verteidigungshaushalt, der vom Krieg zu 40 % in Anspruch genommen wurde und so die globale Einsatzfähigkeit des US-Militärs gefährdete. Hinzu kamen die gravierenden innenpolitischen Auseinandersetzungen. Doch genau so wenig wie Johnson wollte Richard Nixon als der erste Präsident in die Geschichte des Landes eingehen, der einen Krieg verloren hatte.

Nixon und Kissinger wollten zum einen die „kleine viertklassige Macht“ Nordvietnam über Peking und Moskau zur Aufgabe ihrer Position nötigen, um dem Klientelstaat im Süden die Existenz zu sichern. Durch die Aufnahme der Beziehungen zur Volksrepublik China 1972 und eine von Mäßigung geprägte Haltung zur Sowjetunion hoffte man, dass diese beiden Mächte genügend Druck auf Hanoi ausüben würden.

Um den USA einen erträglichen Abgang aus Südostasien zu ermöglichen, wurde die Nixon-Doktrin (so genannte Vietnamisierung) ins Leben gerufen: Die Vereinigten Staaten würden sich nur noch in Sonderfällen militärisch in Südostasien engagieren, ansonsten den befreundeten Staaten jegliche Unterstützung zuteil werden lassen. Folglich wurde mit dem schrittweisen Abzug der Bodentruppen in Vietnam begonnen, während der Aufbau der ARVN und die Anleitung ihrer Einheiten zur Bedienung der modernsten Waffensysteme forciert wurde. Bereits im November 1967 hatte McNamara, der sich bisher stets für Truppenverstärkungen eingesetzt hatte, seine Haltung geändert und einen Rückzug aus Vietnam empfohlen. Kurz danach trat er von seinem Amt zurück.

Südvietnam 1970 und der Einfall in Kambodscha

Die zweite Komponente in Nixons Strategie war die so genannte Madman theory. Die USA bzw. Nixon selbst sollten ein derart unberechenbares Verhalten an den Tag legen, dass sogar ein nuklearer Angriff möglich erschien. Mit dieser Drohkulisse sollte Hanoi zum Einlenken bewogen werden, einem Frieden zuzustimmen. In diesem Sinne initiierte der Präsident schon kurz nach seinem Amtsantritt die streng geheime Operation MENU. Die Aktion war so geheim, dass selbst der Stabschef der Air Force nicht informiert war. Kambodscha wurde über vierzehn Monate hinweg mit circa 100.000 Tonnen Bomben belegt, weil man glaubte, den durch das Land führenden Ho-Chi-Minh-Pfad damit zerstören zu können, gleichzeitig sollten die Rückzugsgebiete des Vietkong gestört werden. Später sollten diese Angriffe als Anklagepunkt im Impeachment-Verfahren gegen Nixon herangezogen werden.

Nixons Hoffnungen, auf diese Weise den Triumph der Nordvietnamesen zu vereiteln, erfüllten sich nicht. Hanoi gab nicht nach; China und die Sowjetunion wollten von ihrer weitreichenden Unterstützung vorerst nicht abrücken. Der Truppenabzug wurde beschleunigt, während der US-Kongress im April 1970 die Tonkin-Resolution widerrief.

Generalleutnant Do Cao Tri, südvietnamesischer Oberbefehlshaber beim Einfall in Kambodscha

Nur wenig später begann die so genannte Cambodian Campaign („Schlacht von Kambodscha“), auch Cambodian Incursion („Einfall in Kambodscha“) genannt, ein großangelegter Feldzug, der dreizehn einzelne Operationen in Südkambodscha umfasste und hauptsächlich von der ARVN getragen war. Ziel war die Besetzung bzw. Säuberung der FNL-Rückzugsgebiete, die Lokalisierung und Ausschaltung des in diesem Gebiet vermuteten geheimen FNL-Hauptquartiers und die Störung bzw. Unterbrechung des Ho-Chi-Minh-Pfades. Insgesamt marschierten 43.000 Soldaten der ARVN und 31.000 US-Soldaten nach Kambodscha ein. Militärisch war die Operation kein Erfolg. Zwar gelang die Vernichtung und Eroberung etlicher Stützpunkte und Waffendepots des Vietkong, die Masse der FNL-Kräfte konnte jedoch nicht gestellt werden, da diese weiter ins Landesinnere auswich, was zu einer Verschärfung des Guerillakrieges zwischen der kambodschanischen Regierung und der Roten Khmer führte. Das vermutete Hauptquartier wurde nicht gefunden und der Nachschub nur in geringem Maße beeinträchtigt, gleichzeitig verschaffte das aber der Guerilla im Mekong-Delta eine Verschnaufpause, weil etliche Einheiten aus diesem Abschnitt für den Einfall in Kambodscha herausgelöst worden waren, was den Druck auf die FNL deutlich verringerte.

In den USA flammte der Protest erneut auf, nachdem auf dem Campus der Kent-State-Universität vier demonstrierende Studenten von der Nationalgarde erschossen wurden. 100.000 Demonstranten versammelten sich vor dem abgeriegelten Weißen Haus. Der Präsident musste schließlich einlenken und das Ende der Invasion verkünden.

US-Aufklärungsfoto vom Gefangenlager Sơn Tây bei Hanoi

Am 21. November 1970 misslang ein US-Kommandounternehmen zur Befreiung von Kriegsgefangenen aus dem Lager Sơn Tây nahe Hanoi, bekannt auch als Sơn Tây Raid oder Operation Kingpin unter der Führung von Colonel Arthur D. Simons. Der Einsatz startete mit 56 Soldaten und mehreren Hubschraubern nachts von Thailand über Laos in Richtung des Lagers bei Hanoi. Obwohl die Landung mitten im Lager gelang und ein Teil des Kommandos etwa 200 bis 400 Meter abseits von der geplanten Landezone in unmittelbarer Nähe einer Unterkunft der Wachmannschaften landete, wo sie auf 100 bis 200 feindliche Soldaten trafen, die sie aber in einem kurzen Feuergefecht allesamt töten und sich anschließend zum Zentrum durchschlagen konnten [19], wurde das Operationsziel nicht verwirklicht, da sämtliche Kriegsgefangenen kurz zuvor verlegt worden waren. Laut dem US-Journalisten Benjamin F. Schemmer habe die militärische Führung angeblich vorab von der Verlegung der Kriegsgefangenen gewusst, aber dennoch den somit zum Scheitern verurteilten Einsatz befohlen.[20]

Im Sommer 1971 wurden die Pentagon-Papiere gegen den Widerstand der Nixon-Regierung veröffentlicht. Sie dokumentieren das auf breite Kritik stoßende Vorgehen der amerikanischen Führung gegenüber Vietnam und der eigenen Bevölkerung bis 1967. Aber der Streit bewegte die Bürger der USA nicht mehr wie zuvor, da immer weniger amerikanische Soldaten in Südostasien kämpften und ums Leben kamen. Der Kongress legte dem Präsidenten mehr und mehr Bedingungen auf. So hatten die Truppen der ARVN am 8. Februar 1971 allein die Rückzugsgebiete der FNL in Laos angreifen müssen, wurden dabei aber von US-Luftgeschwadern logistisch unterstützt. Da die Kommunisten durch Informanten vorab über alle Einzelheiten eingeweiht wurden, endete die Operation Lam Son 719 in einem Fiasko, das nur durch US-Bombardierungen eingedämmt werden konnte.

Das Scheitern der Operation demonstrierte sowohl die Schwächen der Vietnamisierung als auch die Tatsache, dass die Kommunisten die Zeit nach der Tet-Offensive dazu genutzt hatten, sich zu stabilisieren und neu zu organisieren. Reguläre nordvietnamesische Truppen hatten die Invasoren mit T-54-Panzern und 130-mm-Geschützen erwartet und der unterstützenden Air Force und den US-Helikoptern mit neuen Luftabwehrgeschützen schwere Verluste zugefügt.

Oster-Offensive

Allerdings setzte die seit Sommer 1971 stattfindende Annäherung zwischen China und der USA die Führung in Hanoi unter Zugzwang. Zur Erreichung einer besseren Ausgangsbasis bei den Verhandlungen in Paris riskierte sie einen neuerlichen militärischen Vorstoß. Es sollte außerdem die Zwecklosigkeit der Vietnamisierung offenbart und vor allem die durch das Phoenix-Programm bedrohte Stellung der FNL im Mekong-Delta verbessert werden. Die Präsenz der Kommunisten im Süden und ihr Anspruch auf diesen Teil des Landes sollte nicht zuletzt der sich überwiegend neutral verhaltenden Bevölkerung demonstriert werden.

Aus diesen Überlegungen heraus wurde im März 1972 eine neue Offensive durch den Norden initiiert. Erneut kam diese Aktion für den Gegner überraschend. Die NVA drang tief in den Süden vor und drohte das Land in zwei Hälften zu schneiden. Als das Thiệu-Regime seine Truppen an den umkämpften Gebieten konzentrierte, ging die FNL im Mekong-Delta und in der Region um Saigon zum Angriff über.

Im Wahljahr zeigte Nixon sich nicht bereit, den absehbaren Verlust seines Verbündeten hinzunehmen. Im Zuge von Operation Linebacker wurden die kommunistischen Truppen massiv bombardiert, was diesmal deren Einsatzfähigkeit zusammenbrechen ließ. Der Hafen Hải Phòng wurde im Mai vermint, der gesamte Norden einer Seeblockade unterworfen. Weder die Sowjets noch die Chinesen zeigten eine ernst zu nehmende Reaktion. Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner war mit der Politik ihres Präsidenten einverstanden. Bis Mitte des Jahres wurde die Offensive gebrochen. Mit 100.000 Toten hatte die NVA viermal so hohe Verluste erleiden müssen wie die ARVN. Der direkte Vorstoß der Kommunisten war gescheitert.

Diplomatie und Luftangriffe

Im Herbst des Jahres 1972 hatte Kissinger mit dem kommunistischen Spitzenpolitiker Lê Đức Thọ über Verhandlungen endlich eine vorläufige Übereinkunft erzielen können: Weiterbestand des Thiệu-Regimes; Anerkennung der FNL sowie neutraler Personen als politische Kraft und Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Gremium, das allgemeine Wahlen koordinieren sollte; vollständiger Abzug der US-Verbände und das Ende der Angriffe auf Nordvietnam. Am 1. September 1972 waren nur noch 39.000 US-Soldaten in Südvietnam stationiert.

Unterzeichnung des Friedensabkommens

Aber Präsident Thiệu, der von den Einzelheiten nur über seinen Geheimdienst erfuhr, zeigte sich an einem Kompromiss nicht interessiert, worin er von Nixon weitgehend bestärkt wurde. Kissinger versuchte dies mit demonstrativem Optimismus auszugleichen („der Frieden steht vor der Tür“), was den Erfolg seines Präsidenten bei den Wahlen zusätzlich begünstigte. Um aber den Kommunisten zum Wohl des Saigoner Regimes weitere Konzessionen abzutrotzen, versuchten die USA mit Operation Linebacker II Hanoi unter Druck zu setzen. Die elf Tage andauernden so genannten „Weihnachtsbombardements“ von 1972, bestehend aus 739 Angriffen mit Boeing B-52-Bombern und etwa 1.200 Angriffen mit Kampfflugzeugen auf die Städte Haiphong und Hanoi, töteten 2.000 Zivilisten und fügten dem Ansehen der USA weiteren Schaden zu. 15 B-52-Bomber und 10 Kampfflugzeuge wurden von den Nordvietnamesen unter anderem mit sowjetischen Flugabwehrraketen vom Typ SA-2 Guideline abgeschossen.

Letztlich wurden dadurch bei den Friedensverhandlungen lediglich Einzelheiten im Vertragstext geändert, während Thiệu sich allein auf die brieflichen Zusagen Nixons verließ.

Am 27. Januar 1973 wurde in Paris das Friedensabkommen von allen beteiligten Parteien unterzeichnet. Am 29. März verließen offiziell die letzten US-Soldaten das Land. Kissinger äußerte die Einschätzung, dass das Saigoner Regime noch „anderthalb Jahre“ existieren würde.

Sieg der Kommunisten und Wiedervereinigung

Nach dem Pariser Abkommen warfen die USA insgesamt noch 250.000 Tonnen Sprengstoff über Kambodscha ab. Der Kongress, der seine außenpolitischen Kompetenzen zu Lasten des Weißen Hauses neu definierte (War Powers Resolution), verweigerte aber weitere Angriffshandlungen in Südvietnam.

Das von Korruption, Kriminalität und Vetternwirtschaft gezeichnete Saigoner Regime musste nun eine wirtschaftliche Krise verkraften, die durch den Abgang des wichtigsten Arbeitgebers, der US Army, und der Ölkrise von 1973 verursacht wurde. 1974 gestand der US-Kongress Saigon eine effektive Militärhilfe von lediglich 400 Millionen Dollar zu, was den Bedarf der noch weiter ausgebauten ARVN nicht deckte. Der durch die Watergate-Affäre angeschlagene und schließlich zum Rücktritt gezwungene Nixon konnte Thiệu nicht mehr die versprochene Hilfe zuteil werden lassen. In den Städten herrschte eine Arbeitslosigkeit von fast 40 %, und die Oberschicht schaffte allmählich ihren Besitz außer Landes. 240.000 Deserteure kehrten 1974 der ARVN den Rücken.

Dagegen war es den Kommunisten im Süden, die noch um die 25 % des Landes kontrollierten, mit Unterstützung aus Hanoi gelungen, eine strategische wie ökonomische Stabilität zu erzielen. Die zahlreichen Konflikte um die Einhaltung des Waffenstillstands und die Respektierung des „Nationalen Rates“ konnten ihre Position nicht erschüttern.

Flucht von Vietnamesen vor den kommunistischen Truppen

Schließlich entschloss sich die Führung in Hanoi, die Entscheidung zu suchen. Im März 1975 wurde die Grenze überschritten. Die sowohl numerisch als auch materiell überlegene ARVN fiel quasi in sich zusammen. Gegen Ende des Monats gingen Huế und Đà Nẵng in kommunistische Herrschaft über. Am 21. April verließ Thiệu das Land, um einer Kapitulationsregierung unter Duong Van Minh Platz zu machen. US-Präsident Gerald Ford lehnte unterstützende Luftangriffe ab.

Ende April standen die kommunistischen Truppen bereits vor Saigon, für die CIA und die amerikanischen Militärberater völlig unerwartet. Bei der zu spät und überhastet eingeleiteten Evakuierung (Operation Frequent Wind) spielten sich dramatische Szenen ab, da hunderttausende Vietnamesen das Land verlassen wollten. Im Zuge der Einnahme Saigons kam es zu etlichen Repressalien, wie Tötungen und Folterungen, gegenüber tatsächlichen und vermeintlichen südvietnamesischen Regierungs- und Militärangehörigen sowie etlichen Zivilisten, die als regierungsnah eingestuft wurden.

Am 1. Mai 1975, vierzehn Tage nach dem Triumph der Roten Khmer in Kambodscha, ging der dreißigjährige vietnamesische Konflikt mit dem Einmarsch der Kommunisten in Saigon zu Ende. Im Dezember übernahmen in Laos die Pathet Lao die Macht. Das ehemalige Indochina war trotz der US-amerikanischen Intervention vollständig unter kommunistischer Kontrolle. Am 2. September 1976 wurde die wiedervereinigte Sozialistische Republik Vietnam gegründet und Saigon in Thành Phố Hồ Chí Minh (Ho-Chi-Minh-Stadt) umbenannt.

Der Krieg in der Reflexion durch die amerikanische Gesellschaft, Widerstand

Die Regierung der USA ließ ihre Bürger für den Großteil des Krieges im Unklaren über die wirkliche Lage in Vietnam und über die Dimension der Bombardierungen. Da sie sich aber moralisch im Recht fühlte, war es den westlichen Berichterstattern erlaubt, die Infrastruktur des Militärs zu nutzen und sich nahezu frei im Kriegsgebiet zu bewegen. Im Fernsehen wurden tagtäglich Bilder von den Kampfhandlungen gezeigt; eine ebenso ausführliche Darstellung fand in den Printmedien statt.

Dies führte dazu, dass die Brutalität dieses Krieges offen zu Tage trat. Die Luftangriffe auf Nordvietnam, die als zynisch und sinnlos empfundenen Body Counts und der Einsatz von Napalm lösten in der ganzen Welt Empörung aus. Die USA schienen eher einen Krieg gegen das vietnamesische Volk zu führen, als es vor dem Kommunismus zu „beschützen“.

Demonstration in den USA gegen den Krieg

Als Reaktion darauf entwickelte sich in der westlichen Welt eine breite Protestbewegung. Sie verband sich mit den neuen kulturellen Ausdrucksformen, die in den 1960er Jahren populär wurden. Studenten organisierten den Zivilen Ungehorsam und propagierten eine emanzipatorische Veränderung der als autoritär angesehenen Gesellschaftsstrukturen. In ihren Augen hatten sich die Eliten völlig diskreditiert. In den USA, wo Akademiker bis zur Abschaffung der Wehrpflicht 1973 grundsätzlich von Rekrutierungen verschont blieben, fiel diese Umwälzung, die vor allem die weiße Mittelschicht betraf, mit dem Aufkommen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung zusammen. Die traditionelle Ordnung schien in Frage gestellt und die Haltung zum Krieg spaltete die Gesellschaft. In Europa formierte sich eine Neue Linke. In der Bundesrepublik Deutschland war das positive Bild der USA vor allem in der sog. Außerparlamentarischen Opposition beschädigt. Der sogenannte Vietnamkongress des SDS im Februar 1968 in West-Berlin trug maßgeblich zum Aufschwung der Deutschen Studentenbewegung bei.

In den Vereinigten Staaten und in Europa kam es zu zahlreichen Demonstrationen und symbolischen Aktionen. In den USA wurden Einberufungsbefehle oder die in Vietnam erhaltenen Auszeichnungen öffentlich verbrannt. Die Regierung Johnson reagierte mit der illegalen Überwachung von Friedensaktivisten durch FBI und CIA (Operation CHAOS). Im April 1965 demonstrierten in Washington (D.C.) 25.000 Menschen, im April 1967 400.000 Menschen in New York City. Am 22. Oktober 1967 fand schließlich der „Marsch auf Washington“ statt, an dem 100.000 Demonstranten teilnahmen. Vor dem Kapitol drückte Dr. Martin Luther King, Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung und prinzipieller Gegner des Krieges, seine Hoffnung auf eine von Rassismus und Gewalt befreite Gesellschaft aus. Um die 50.000 Kriegsdienstverweigerer flohen nach Kanada. Allerdings bildete sich zwischen den Bürgern der Unterschicht, die das Gros der Bodentruppen stellten, und den Aktivisten, die von den Gefechten zumeist nur über Medienberichte erfuhren, eine Distanz, die den ganzen Krieg über bestehen blieb. Außerdem war die Antikriegsbewegung gespalten zwischen jenen Aktivisten, die lediglich den Abzug der Bodentruppen forderten und denen, die den Krieg als ein Verbrechen gegen das vietnamesische Volk interpretierten. Unter den Amerikanern mit einem höheren Schulabschluss und einem höheren Einkommen war die Ablehnung der Militäreinsätze stärker verbreitet als unter Bürgern mit niedrigerem Bildungsgrad und weniger Einkommen [21].

Die Moral innerhalb der US-Armee wurde mit zunehmender Dauer des Krieges immer schlechter. Viele Soldaten sahen keinen Sinn darin, in Vietnam ihr Leben zu riskieren, zumal die Beziehungen zu den Vietnamesen schweren Spannungen unterlagen und ein Sieg in immer weitere Ferne rückte. Es kam auch zu Formen des Widerstands und zu Befehlsverweigerungen. Antikriegs-Zeitschriften wurden von Soldaten hergestellt und heimlich in den Camps verteilt. Vorgesetzte wurden angegriffen und auch erschossen. Der Unmut gegen den Krieg ging so weit, dass die Regierung Militärtruppen bei einer Antikriegsdemonstration gar nicht mehr einzusetzen wagte, da sie nicht sicher sein konnte, ob die Soldaten sich nicht den Demonstranten anschließen würden.

Als während der Tet-Offensive Anfang 1968 die Zuschauer die vorübergehende Konfusion der US-Verbände, das gewalttätige Chaos in Saigon und Hué und die Gnadenlosigkeit der Konfrontation live im Fernsehen miterleben konnten, kippte die Stimmung, nicht zuletzt in den Medien selbst. Viele von denen, die den Krieg anfänglich unterstützt hatten, fühlten sich von den Politikern in die Irre geführt. Die überwältigende Mehrheit der US-Amerikaner wollte nun zumindest die eigenen Soldaten möglichst schnell aus Vietnam abziehen, auch wenn eine fortgesetzte Bombardierung mehrheitlich nach wie vor gutgeheißen wurde.

Präsident Johnson, der von der militärischen Lage und den innenpolitischen Auseinandersetzungen zermürbt war, verkündete schließlich am 31. März 1968 seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur.

Täter und Opfer

Einsatz von Agent Orange im Mekong-Delta
Tote vietnamesische Zivilisten in My Lai

Der Vietnamkrieg wurde auf äußerst menschenverachtende, grausame und auch extrem umweltschädigende Weise geführt. So setzten die USA das von Monsanto hergestellte Herbizid Agent Orange ein, welches als Entlaubungsmittel den Guerillas die Deckung im Dschungel nehmen sollte. Agent Orange war mit Dioxinen verunreinigt, die krebserregend wirken und das Erbgut schädigen. Selbst Jahrzehnte später werden dadurch in Vietnam missgebildete Kinder geboren. Weiterhin wurde auch das Gift Dimethylarsinsäure (Agent Blue) eingesetzt, um die Reisernten zu vernichten.

Der Sozialistischen Republik Vietnam wurden hierfür weder Reparationen gezahlt, noch wurden von Seiten der USA anderweitige Wiedergutmachungen geleistet. Stattdessen musste Hanoi 1993 die Schulden des geschlagenen Saigoner Regimes auf sich nehmen, um die Gewährung neuer Kredite und die Aufhebung des US-Embargos zu erreichen.

Erst im Jahre 2007 erklärten sich die USA bereit, die Beseitigung von Dioxinrückständen finanziell zu unterstützen, schlossen aber Entschädigungszahlungen weiterhin aus [22].

Massaker von My Lai

Das Massaker von My Lai ist das bekannteste der amerikanischen Kriegsverbrechen in Vietnam. Am 16. März 1968 überfiel eine Einheit der US Army unter Leitung von Lieutenant William Calley und Sergeant Walter Faber das der Kollaboration mit den Nordvietnamesen verdächtigte südvietnamesische Dorf My Lai.

In wenigen Stunden wurden über 500 Zivilisten beider Geschlechter und aller Altersstufen ermordet, zahlreiche Bewohner vergewaltigt und gefoltert und das Dorf danach niedergebrannt. Die massakrierten Einwohner wurden der Summe getöteter Vietcong-Kämpfer hinzugerechnet. Kaum ein Soldat verweigerte den Gehorsam. Lediglich der Hubschrauberpilot Hugh Thompson junior rettete einige Frauen und Kinder, indem er den GIs damit drohte, seine Bordschützen mit dem MG auf sie feuern zu lassen. Danach evakuierte er die Zivilisten.

Am 5. Dezember 1969 wurde im Life-Magazin ein ausführlicher Artikel über das Massaker von My Lai veröffentlicht: Die Weltöffentlichkeit reagierte schockiert. Der Journalist Seymour Hersh, der die Umstände der Tragödie recherchiert hatte, bekam 1970 für seine Reportage den Pulitzer-Preis verliehen.

Erst Jahre später wurde nach massivem Druck der Kriegsgegner das Verbrechen in den Vereinigten Staaten offiziell zur Kenntnis genommen. Lediglich William Calley wurde 1971 zu lebenslanger Haft verurteilt, die Strafe aber auf 20 Jahre verkürzt. Er hatte das Verbrechen damit gerechtfertigt, seiner Auffassung nach gemäß den Befehlen seines Captains Ernest Medina gehandelt zu haben. Nach dreijähriger Haftverbüßung wurde er nach Anweisung Präsident Nixons unter „Hausarrest“ gestellt und noch im selben Jahr als Folge des öffentlichen Drucks begnadigt. Calley verweigerte jahrzehntelang jede öffentliche Aussage zu dem Verbrechen. Im August 2009 entschuldigte er sich über vierzig Jahre später schließlich für seine Taten. [23]

My Lai war jedoch kein Einzelfall. Dörfer und Vietnamesen, die im Verdacht standen den Vietcong zu unterstützen, wurden oftmals Opfer grausamer amerikanischer und südvietnamesischer Kriegsverbrechen, eine Praxis, wie sie auch die FNL anwandte, wenn Dörfer nicht kooperierten. In einem Kongress von Vietnamkriegs-Veteranen im Rahmen der Anti-Vietnamkriegsbewegung in den USA, der auch als über einstündiger 16-mm-Film existiert, schilderten recht junge ehemalige US-Soldaten unter Tränen und Unverständnis über die eigenen Taten, wie auf sehr subtile aber wirksame Weise die US-Neuankömmlinge in das systematische Morden von unschuldigen Zivilisten – entgegen der Vorschriften der US-Armee – eingewiesen wurden und es auch allgemein üblich war auf beiden Seite eher keine Gefangenen zu machen (Tötung der Gefangenen). Auch Kinder und Babys wurden nicht verschont. Heute weist eine Mahn- und Gedenkstätte auf die damaligen Kriegsverbrechen hin.

Weitere bekannt gewordene Vorfälle

Ein anderes amerikanisches Kriegsverbrechen wurde im Jahr 2003 durch die amerikanische Zeitung Toledo Blade im Rahmen einer Artikel-Serie über die Tiger Force enthüllt. Die Zeitung wurde dafür anschließend mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Auch die südvietnamesische Armee beging zahlreiche und regelmäßige Verletzungen der Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen. Diese reichten von Schlägen beim Verhör bis zu Folter durch Untertauchen in einem Wasserfass und Stromschlägen.

Es gibt ebenfalls Berichte über Kriegsverbrechen von Seiten der Nordvietnamesen, wie die Massaker an Zivilisten in den Städten und Dörfern Südvietnams. Diese sind allerdings weniger gut bekannt, da sie auf Grund der Niederlage des Saigoner Regimes in der Geschichtsschreibung des vereinigten Vietnams keinen Raum finden und der Westen sich zumeist mit der Rolle der USA auseinandersetzt. Doch wurden allein während der Besetzung von Hué (Massaker von Hué) im Rahmen der Tet-Offensive 1968 eine große Zahl von Zivilisten von den nordvietnamesischen Truppen exekutiert. Schätzungen aufgrund der Auffindung von Massengräbern reichen von einigen 100 bis zu 5.000 Opfern, darunter auch Kinder. Die aufgefunden Toten waren teilweise gefesselt, einige wurden der Auffindesituation nach lebendig begraben.

Am 5. Dezember 1967 kam es im Dorf Dak Son zu einem Massaker an Zivilisten durch den Vietcong. Von den etwa 2.000 Dorfbewohnern wurden 1.900 ermordet oder verschleppt.

Kriegsopfer und -folgen

Bootsflüchtling aus Vietnam in einem Flüchtlingslager in Malaysia 1980

Die Zahl der Toten, die der Vietnamkrieg verursacht hat, ist aufgrund mehrerer Einflüsse schwer zu evaluieren. Während die amerikanischen Todesopfer durch die Militärbürokratie und jahrzehntelange Erfahrung in der genauen Dokumentation von Kriegsopfern bis auf wenige Details in einigen hundert Fällen genau festgehalten sind, stellt sich die Situation für die vietnamesischen Zivilisten und andere Streitkräfte anders dar. Amtliche Aufzeichnungen sind entweder schwierig zu finden oder nicht vorhanden. Darüber hinaus waren viele der Getöteten aufgrund der verheerenden Bombardierungen kaum noch zu identifizieren. Viele Jahre unterdrückte Nordvietnam aus propagandistischen Gründen die Veröffentlichung der korrekten Opferzahl.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit liegt in der präzisen Definition eines Vietnamkriegsopfers, da bis in die heutige Zeit hinein Menschen durch damals abgeworfene Sprengkörper getötet werden. Vergiftungen und Umweltschäden durch weitflächigen Einsatz von Agent Orange führen über das Kriegsende hinaus weiterhin zu Fehlgeburten und schwersten Behinderungen von Neugeborenen. Soziale Umwälzungen, die die Verwüstungen mit der hohen Anzahl der Toten mit sich bringen, und die Verkürzung der Lebenserwartung wirken bis in die Gegenwart hinein.

Eine Reihe durch den Vietnamkrieg ausgelöster Traumatisierungen und Krankheiten prägen bis heute das Leben vieler, die diese Zeit erlebt und durchlitten haben.

Vietnam

Die vorsichtigsten Opferschätzungen für den Krieg belaufen sich auf knapp 1,5 Millionen getötete Vietnamesen. Diese basieren zwar auf zuletzt veröffentlichten nordvietnamesischen Aussagen, beschreiben aber auch die zahlreichen zivilen Opfer auf südvietnamesischer Seite. Vietnam gab am 3. April 1995 Zahlen frei, wonach insgesamt eine Million vietnamesische Kämpfer und vier Millionen Zivilisten auf beiden Seiten im Krieg getötet wurden. Südvietnam, der Waffenbruder Amerikas hat etwa 250.000 Soldaten verloren.

Nach dem Krieg führten die rigorosen Maßnahmen der kommunistischen Sieger, einschließlich der Gefangenenlager und Umerziehung zum Tod von geschätzten 1,4 Millionen Südvietnamesen, zumeist chinesischer Abstammung. Dies verstärkte die ohnehin schon anhaltende Nachkriegsfluchtwelle noch einmal. Viele dieser Flüchtlinge flohen mit nur sehr schmalen Booten über den Pazifik und wurden als Boat People bekannt. Sie wanderten nach Hongkong, Frankreich, Kanada, in die USA und andere Länder aus.

Die letzten Überlebenden der Umerziehungslager wurden erst 1986 von den Machthabern des Landes freigelassen.[24]

Vereinigte Staaten und ausländische Verbündete

Vietnam Veterans Memorial in Washington D.C.

Die Vereinigten Staaten verzeichneten 58.193 Mann als Verluste.[25] Fast 45.000 von ihnen wurde nicht älter als 25, ein knappes Drittel davon war zum Zeitpunkt ihres Ausfalls 20 Jahre alt. Direkt von Feindeinwirkung wie Beschuss, Verwundung, Vermisstenstatus waren 47.000 betroffen.

Mit 38.000 Verlusten aus den eigenen Reihen war vor allem das Heer vom Krieg betroffen, der Beitrag der Marineinfanterie lässt sich anhand ihrer ungefähr 14.000 Toten, Verwundeten und Gefangenen ermessen. Auf besonders starken Widerstand trafen die Streitkräfte der USA in den Jahren 1967 bis 1969, in denen 39.300 (11.100, 16.600, 11.600) Soldaten fielen.

Die Verluststatistik der USA entkräftet verbreitete Meinungen über den Vietnamkrieg. Die Zahlen können weder bestätigen, dass überproportional viele Angehörige ethnischer Minderheiten der Gesellschaft der Vereinigten Staaten in kämpfende Einheiten abkommandiert worden waren, noch, dass sich Offiziere ihren Pflichten entzogen hätten. Zirka 50.000 der amerikanischen Ausfälle waren Weiße, 6.600 waren Offiziere. Ebenso wenig sind strukturschwache Gebiete in besonders hohem Maße vertreten.

Ebenso ergaben Untersuchungen des Pentagons, dass während des Krieges nur ca. 270.000 Soldaten von insgesamt 2.000.000 US-Veteranen an den Feind herangeführt wurden und direktes Kampfgeschehen miterlebt hatten. Dies ergibt im Hinblick auf 58.193 Gefallene eine Verlustquote zwischen eins zu fünf und eins zu sechs und ist nach üblichem Berechnungsmuster sogar besser als die normal akzeptierte Verlustrate.

Insgesamt verloren die Vereinigten Staaten nach Kriegsende durch Spätfolgen über 60.000 weitere ehemalige Soldaten durch traumatisch bedingte Selbstmorde. Das bedeutet mehr Tote als im Krieg selbst. Über 40.000 Veteranen wurden während ihrer Dienstzeit in Vietnam heroinsüchtig, 330.000 wurden einerseits wegen der Demobilisierung, andererseits wegen der politischen Lage und der psychischen Spätfolgen, arbeitslos. 1972 saßen über 300.000 Veteranen in Gefängnissen ein, weil sie aus den genannten Gründen straffällig geworden waren und es ihnen nicht gelungen war, wieder in das zivile Leben zurückzufinden[26].

Südkorea hatte einen Verlust von 5000 Soldaten zu beklagen. Thailand über 1000 Soldaten. Australien verlor etwa 500 der 47.000 nach Vietnam entsandten Soldaten und Neuseeland 38 Soldaten.

Schlachten des Vietnamkrieges

Napalmeinsatz südlich von Saigon, 1965
  • Januar 1968, Schlacht um Khe Sanh.
  • Januar bis März 1968, Schlacht um Hue, US-Marines und ARVN-Truppen kämpfen in erbitterten Häuser- und Straßenkämpfen in der von der VVA besetzten Stadt, US-Verluste belaufen sich auf 216 Gefallene.
  • März 1968, Erste Schlacht um Saigon.
  • Mai 1968, Vietcong erobern eine amerikanische Basis in der Schlacht um Kham Duc.
  • Dezember 1968 bis 31. Mai 1969, Operation Speedy Express: Versuch der Zerschlagung der politischen Kontrolle der FNL im Mekong-Delta durch die 9. US-Infanteriedivision.
  • November 1969 bis März 1972, Operation Commando Hunt, die geheime Bombardierung des Ho-Chi-Minh-Pfads in Laos.
  • April bis Juli 1972, US-Truppen überqueren die Grenze nach Kambodscha und greifen den Ho-Chi-Minh-Pfad an. Bei der Kambodscha-Operation sterben 12.354 Soldaten der NVA und der FNL, 809 Soldaten der ARVN sowie 434 US-Amerikaner.
  • Februar bis März 1971, Operation Lam Son 719, ARVN und US-Einheiten rücken nach Laos vor und greifen den Ho-Chi-Minh-Pfad an.
  • März bis Mai 1972, Schlacht um Quảng Trị Sieg der Nordvietnamesen über die ARVN-Truppen.
  • April bis Juli 1972, ARVN-Truppen wehren in der Schlacht um An Loc überlegene Verbände der FNL ab.

Verweise

Interne Verweise

Dokumentarfilme (chronologisch geordnet)

Literatur

  • Paul Elliott: Vietnam – Conflict & Controversy. 1998, ISBN 1-85409-320-7
  • Oriana Fallaci: Wir, Engel und Bestien. Ein Bericht. Econ-Verlag, Düsseldorf/Wien 1970, ISBN 3-430-12603-7; zuletzt Wir, Engel und Bestien. Ein Bericht aus dem Vietnamkrieg. dtv, München 1988, ISBN 3-423-10259-4
  • Gilles Férier: Les trois guerres d’Indochine. Presses Universitaires de Lyon, 1994, ISBN 2-7297-0483-3
  • Philippe Franchini: Les guerres d’Indochine. Pygmalion, Paris 1997, ISBN 2-85704-267-1
  • Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums. Beck, München 1998, ISBN 3-406-42078-8; 7. durchges. Aufl., 2004, ISBN 3-406-45978-1
  • Michael Herr: An die Hölle verraten = Dispatches. Rogner und Bernhard, München 1979, ISBN 3-8077-0101-X
  • Seymour Hersh: My Lai 4: A Report on the Massacre and its Aftermath. 1970, ISBN 0-394-43737-3
  • Peter Jaeggi: Als mein Kind geboren wurde, war ich sehr traurig. Spätfolgen des Chemiewaffen-Einsatzes im Vietnamkrieg. Lenos-Verlag, Basel 2000, ISBN 3-85787-298-5 (Katalog zur gleichnamigen Fotografieausstellung)
  • Gabriel Kolko: Anatomy of a War. Vietnam, the United States and the Modern Historical Experience. 2001 (urspr. 1987) ISBN 1-84212-286-X
  • Gabriel Kolko: Vietnam: Anatomy of a Peace. 1997, ISBN 0-415-15990-3
  • Guenter Lewy: America in Vietnam. Oxford University Press 1978, ISBN 0-19-502732-9
  • Robert S. McNamara und Brian VanDeMark: Vietnam. Das Trauma einer Weltmacht. Spiegel-Buchverlag, Hamburg 1995, ISBN 3-455-11139-4
  • Lt. Gen. Harold G. Moore & Joseph L. Galloway: We Were Soldiers Once…And Young. 2002, ISBN 0-06-050698-9
  • Jonathan Neale: Der amerikanische Krieg. Vietnam 1960-1975. Atlantik-Verlag, Bremen 2004, ISBN 3-926529-17-2
  • Tim Page: Ein anderes Vietnam. Bilder des Krieges von der anderen Seite. National Geographic. Hamburg 2002, ISBN 3-934385-65-6 (Buch mit Fotos und Berichten nordvietnamesischer Fotografen, die den Krieg dokumentierten)
  • Jacques Portes: Les Américains et la guerre du Vietnam. Editions Complexe, Paris, 1999, ISBN 2-87027-471-8
  • Peter Scholl-Latour: Der Tod im Reisfeld. Dreißig Jahre Krieg in Indochina. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1980, ISBN 3-421-01927-4; zuletzt dtv, München 2000, ISBN 3-423-36173-5
  • Neil Sheehan: Die große Lüge. John Paul Vann und Amerika in Vietnam. Europaverlag, Wien/Zürich 1992, ISBN 3-203-51149-5
  • Rolf Steininger: Der Vietnamkrieg. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-16129-0
  • William Appleman Williams: America in Vietnam: A Documentary History. 1989, ISBN 0-385-19752-7
  • Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam. Verlag Hamburger Edition 2007, ISBN 978-3-936096-80-4 (Erstmalige Auswertung der umfangreichen Sammlungen staatlicher Untersuchungen und öffentlicher Reaktionen, wie die Ende Januar 1971 abgehaltene «Winter-Soldier»-Anhörung von Kriegsveteranen aus dem Vietnam-Krieg.)

 Commons: Vietnamkrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

 Wiktionary: Vietnamkrieg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Einzelnachweise

  1. Meyers Lexikon Online 2.0: Vietnamkrieg
  2. Zitiert aus den Pentagon Papers in Howard Zinn: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, Berlin 2007, S. 402
  3. Martin Walker: The Cold War, London 1994, S. 78
  4. Rolf Steininger: Der Vietnamkrieg, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 17
  5. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkrieges, 4. Auflage, München 1999, S. 26-36
  6. Gabriel Kolko: Anatomy of a War, S. 68-71; Jean-Louis Margolin: Vietnam: Die Sackgasse des Kriegskommunismus, in Stéphane Courtois et al.: Das Schwarzbuch des Kommunismus, 4. Auflage, München, 1998 S. 630-641
  7. Jean-Louis Margolin: Vietnam: Die Sackgasse des Kriegskommunismus, in Stéphane Courtois et al.: Das Schwarzbuch des Kommunismus, 4. Auflage, München, 1998 S. 630-641
  8. Gabriel Kolko: Anatomy of a War, S. 68-71
  9. Howard Zinn: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, Berlin 2007, S. 463
  10. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S. 92, 97/98
  11. National Security Action Memorandum No. 263
  12. Walker,195
  13. Gabriel Kolko: Anatomy of a war. S. 190
  14. Gabriel Kolko: Anatomy of a war. S. 180
  15. Quellen zum Phoenix-Programm
  16. Alfred W. McCoy: Die CIA und das Heroin. Verlag Zweitausendeins, S. 283-363
  17. James Bamford: NSA. S. 411-420
  18. Michael Herr, Dispatches, London 1978, S. 63
  19. [...] mistakenly landed at a site enclosed by a fence that presented an appearance not unlike the Son Tay compound. it was approximately 200 meters south of the objective area. [...] bei earthlink.net (eingesehen am 31. Mai 2008)
  20. Entebbe auf amerikanisch (Spiegel 31, 1976) bei spiegel.de (eingesehen am 31. Mai 2008)
  21. Zinn, S.481
  22. die tageszeitung: Vietnam: Kleiner Schritt der USA, 10. Februar 2007
  23. Calleys Entschuldigung
  24. Jean-Louis Margolin : Vietnam : Die Sackgasse des Kriegskommunismus, in Stéphane Courtois et al. : Das Schwarzbuch des Kommunismus, 4. Auflage, München, 1998 S. 630-641
  25. National Archives: Statistical information about casualties of the Vietnam War vom Dezember 1998, zuletzt aktualisiert im Februar 2007. Zugriff am 16. März 2008.
  26. Mark Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 200–201, Beck’sche Reihe, ISBN 3-406-42078-8
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