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KINOLEXIKON  

 Filmtechnik

Die engere Filmtechnik umfasst alle mechanisch-technischen Erfindungen um den Gegenstand Film, wozu die Filmantriebe gehören, die kinematografischen Grundgeräte Filmkamera, Kopiermaschine und Filmprojektor und alles Zubehör der Filmbearbeitung.

Im weiteren Sinne versteht man unter Filmtechnik die Arbeit in Produktion, Distribution und Aufführung von Filmen.

In der Produktion kann man unterscheiden zwischen

  • Technik der Produktion (Studiotechnik, Kameras, etc.) und
  • Technik zur Postproduktion (Schnitt.

Mechanische Filmtechnik wurde bzw. wird in vielen Bereichen derzeit von digitalen Geräten zur Filmproduktion abgelößt. In der Postproduktion sind mechanische Verfahren inzwischen die Ausnahme. Der Digital Intermediate-Prozeß hat hier die Nachfolge angetreten. Für Filmschnitt wurden mechanische Schnitttische von Non-linearen Schnittsystemen verdrängt.

In der Distribution kommt Technik zur Herstellung von Filmkopien zum Einsatz, respektive heutiger DCI-Masteringssysteme.

Filmtechnik zur Aufführung umfasst Vorbereitung, Projektion (Bild und Ton) und allgemeine Kinotechnik.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung der Filmtechnik

Sie setzt um 1885 ein mit der Arbeit von William Green, der sich von einem A. Légé eine Perforiermaschine für Papierstreifen bauen lässt. Im selben Jahr beginnt Louis Le Prince sich mit bewegten Bildern zu befassen. Die entscheidende Erfindung kommt 1887 von Hannibal Goodwin. Sie ermöglicht verschiedenen Pionieren, mit dem Bau einer Filmkamera die Aufgabe der gleichmäßigen Bewegungsanalyse zu lösen. Gleichmäßige Bewegungssynthese war schon bekannt von Phenakistiskop, Thaumotrop, Zootrop und Praxinoskop. Nach Entwicklung der Aufnahmen zum Negativ gilt es, einen Positivfilm davon abzuziehen, der wieder nach Entwicklung projiziert werden kann.

Historische Übersicht

1652 Tragbare Laterna Magica
1666 Entdeckung des Farbenspektrums im Sonnenlicht durch Newton
1686 Tragbare Camera Obscura
1801 Elektrische Kohlenbogenlampe von Davy
1826 Erstes fotografisches Verfahren von Niépce
Kalklichtbrenner von Sir Goldsworthy nach Drummond
1839 Fotografie nach den Verfahren von Niépce & Daguerre und Bayard
1850 „Parkesine“ von Alexander Parkes
1869 Celluloïd (Parkesine)
1871 Trockengelatineplatte von Richard Leach Maddox
1878 Projektion bewegter gezeichneter Bilder mittels perforierter Bänder von Émile Reynaud, Praxinoscope-Théâtre
1884 Stripping Film von Walker
1887 Celluloid-Film von Hannibal Goodwin
1888 Filmkamera mit Klemme von Le Prince
1890 Möglicherweise Pendelfenster von Le Prince, geschlossene Filmvorstellung in Paris mit Sternradmechanismus
1891 Kinetograph von Dickson bei Edison, Rätsche
1892 Cynématographe von Bouly, Klemme
1893 Photochronographe von Démény bei Marey, Schläger
1894 « Marvellous Cinematograph » von LeRoy, Schlägerprojektor, erste öffentliche Filmvorstellung in Manhattan, New York City
Domitor von Moisson bei Lumière, vermutlich Schläger
1895 Eidoloscope von Lauste für Latham, Schaltrolle in Verbindung mit (3er ?) Sternrad
Biograph-Kamera der American Mutoscope and Biograph Company von Dickson und Casler, perforiert den Film während der Aufnahme
Bioscop (Duplex-Verfahren) von Skladanowsky, Schaltrollen in Verbindung mit Kurvenrädern, erste öffentliche Filmvorstellung in Europa
Cinématographe alias Domitor von Carpentier für Lumière, erste öffentliche Filmvorstellung in Frankreich, gesteuerter Greifer
1896 Verbessertes Malteser-Kreuz-Gesperre von Messter, Schwungmasse auf Stiftwelle
Gesteuerter Greifer von Darling
Bewegte Passstifte von Newman
Bewegte Sperrstifte von Blair
Kombinierter Vor-Nachwickler von Green für John Alfred Prestwich
Duplex-Projektor Green-Prestwich
1897 Schläger-Sperrstifte-Mechanismus von Noguès
1900 Schrittschaltwerk für unperforierten Film von Newman, Kamera « Centum », 100 Bilder pro Sekunde
1901 Dreiflügelblende für die Projektion von Pätzold
1906 Celluloseacetat
1909 Pendelfenster mit festen Passstiften von der Bell & Howell Co., Kamera mit Holzgehäuse
1911 Erste Ganzmetall-Filmkamera, Typ 2709, von Bell & Howell, Leichtmetallguss
1912 Additives Dreifarbensystem Kinemacolor
1917 Greifer-Sperrstifte-Antrieb in Ganzmetallkamera mit Gehäuseversatz zum Parallaxenausgleich von Leonard
1920 Schwungmasse auf Tonwelle von Triergon für Lichttonfilm, 42-mm-Film
1921 Februar, Stockholm; Synchroner Lichtton von Berglund, Mehrfach-Doppelzacke, SEPOPT 35 mm
Greifer-Sperrstifte-Mechanismus von Labrély für 240 Bilder pro Sekunde, Handantrieb
1932 Subtraktives Dreifarben-Technicolor, spezielle Kamera von Mitchell und Ball, Matrizen-Druckanlage
1935 bis 2005 Mehrschichten-Dreifarbenfilm Kodachrome
1936 Spiegelverschluß bei Arnold & Richter an den Olympischen Sommerspielen zu Berlin, Arriflex
1938 Additiver Farbenfilm Kodacolor
1939 Dreifarbensystem Agfacolor
1940 Polyethylenterephthalat-Polyester (PETP) von Izard und Carothers bei Du Pont
1948 Magnetton bei der Filmaufnahme
1950 Polyester-Kinefilm von Du Pont, Handelsmarke «Cronar»
1966 Wellenschleifen-Filmantrieb von Jones

Grundlagen der Filmproduktion

Weil selbst die kleinste Produktion eine Rolle Rohfilm erfordert, die eine hochspezialisierte Industrie zur Voraussetzung hat, nämlich Filmfabrikation mit dem Erzeugnis Kunststoff und darauf angebrachter fotografischer Emulsion, sammeln sich mit jedem Bearbeitungsschritt verhältnismäßig hohe Kosten an, weshalb die Produzentin oder der Produzent ein Budget erstellen muss. Man kann auf Blankfilm zeichnen und malen und diesen ohne Weiteres vorführen und auswerten. Auf dem Filmmarkt erleben Produzenten allerdings immer wieder, dass mehr als nur das Original, ja sogar weit Anderes als dieses gefragt ist. Im Kino will man ein Vorführpositiv mit Start- und Endband, Schutzfilm, Kern, Beutel und Dose, dazu Plakate, Werbefotografien und lockende Handzettel, im Filmverleih will man Auswertungsrechte, Internegative, Fotografien, Video-Kopien, separate Tonelemente für Sprachsynchronisationen und Promotionsmaterial, wie Vorschau und Ausschnittefilm.

Das Berichten über respektive das Erzählen einer wahren oder erfundenen Begebenheit macht Zusammenarbeit von Gestaltern, Organisatoren und Technikern nötig. Schon die einfachste Berichterstattung auf Film verlangt einen Kameramann und eine zweite Person. Honorar und Lohn ist zu zahlen. Filmtechnische Geräte müssen vorhanden sein. Rohfilm, ein Tongerät, ein Mikrofon, eine Klappe müssen her. Aufwand für Regenschutz, Lampen, Infrastruktur für Transporte und eventuelle Übernachtungen, usw. fällt an.

Die Filmproduktion ist gekennzeichnet durch dynamisches, das heißt fortlaufend anpassungsfähiges Arbeiten mitunter sehr verschiedener Menschen unter eventuell heiklen oder gefährlichen Bedingungen. Die Filmproduktion ist dabei auch abhängig von eingeschliffener Verzahnung mit Betreibern von Filmstudios, Filmlaboren und weiteren Spezialisten. Es leuchtet ein, dass nur ein klares Konzept in Form einer brauchbar niedergeschriebenen Vorlage hilft, alle Beteiligten auf dasselbe Ziel auszurichten. Zu Budget und Drehbuch gesellen sich Produktionsplan, Drehplan, ein Finanzierungsplan, Protokoll und eine Reihe von Verträgen.

Kern einer Filmproduktion ist das oft mosaikartig entstehende Original, in den meisten Fällen das Kamera-Negativ. Beim Tonfilm ist das Original einer 100-Minuten-Produktion 9000 Fuß lang (2736 m), bestehend aus zehn so genannten Halbakten oder fünf Akten (Rollen) Bild- und gleicher Länge Tonnegativ. Breitfilm und Normalfilm kann im Prinzip am Küchentisch mit Lupe und Schere geschnitten werden, weil die Bildgröße es erlaubt, den Inhalt zu beurteilen. Der gestalterische Schnitt geschieht dabei an den so genannten Mustern, den ersten Positiven vom Original. Dieses bleibt bis zum Abschluss von Bild- und Tonschnitt unangetastet verpackt in Dosen. Dann werden die Aufnahmen nach der Vorlage zusammengetragen und aufs Bild genau gleich montiert. Zur Absicherung und Schonung des wertvollen Originales stellt man im Kopierwerk eine Meisterkopie her und von ihr ein Zwischennegativ, manchmal auch direkt ein Zwischennegativ im Umkehrverfahren.

Im Allgemeinen ist die Filmproduktion im Studio die günstigste. Wettereinflüsse sind ausgeschaltet, die Beleuchtung ist durchwegs konstant künstlich, man hat stets WC, Dusche, Garderobe, Schminkraum, Kantine und Büro in der Nähe. Bei genügender Größe kann rund um die Uhr in mehreren Szenerien gearbeitet werden.

Filmtechnische Berufe

Zu den filmtechnischen Berufen zählen Kameraleute, Cutter, Filmvorführer und der ihrer Assistenten sowie Entwickler, Kopisten, Lichtbestimmer und Trickspezialisten.

Abkürzungen in der Filmtechnik

  • AC – Agfacolor
  • AnC – Anscocolor
  • CP – Cinépanoramic
  • CS – CinemaScope
  • CSS – Cinesuperscope
  • CTS – Cinetotalscope
  • D – Deluxe
  • DS – Dialiscope
  • EaC – Eastmancolor
  • FC – Ferraniacolor
  • FS – Franscope
  • GC – Gevacolor, siehe Agfacolor
  • GS – Gammascope
  • IC – Ifiscope
  • KC – Kodacolor
  • MC – Metrocolor
  • Nat – Naturama
  • PC – Pathécolor
  • PK – Prokimascope
  • SchS – Schermoscope
  • SCS – SuperCinemaScope
  • SFS – Superfilmscope
  • SS – Superscope
  • TC – Technicolor
  • TC – Time Code
  • TeR – Technirama
  • THX – eine kommerzielle Qualitätszertifizierung für Filmtheater
  • ToV – Totalvision
  • TrC – Trucolor
  • TS – Totalscope und Techniscope
  • tx – tx-transform
  • UI – Ultrascope
  • VR – Vistarama
  • VV – Vistavision
  • WC – Warnercolor

Nomenklatur der engsten Filmtechnik

Kinekameras

Um sich in der Vielfalt der Apparate zurecht zu finden, ordnet der Ingenieur die Konstruktionen nach einigen grundlegenden Gesichtspunkten. Allgemein geometrisch geht es um die Achsen: x längs des Filmlaufes, y quer zu den Filmkanten, z entlang der optischen Achse. Der Film läuft in den allermeisten Fällen von oben nach unten am Bildfenster vorüber. Le Prince bewegte das Material von unten nach oben. Bei Bouly und Démény war der Filmlauf horizontal, ebenso bei IMAX.

Zur Einhaltung eines Bildstandkonzeptes ist der Positionierabstand wichtig, das ist die Distanz zwischen optischer Achse und Höhe der filmführenden Maschinenteile in der x-Achse. Hier einige Beispiele beim Normalfilm.

−6
−5 De Vry „Lunch Box“ −5/−6, rechts
−4
−3 Bell & Howell 2709
−2 Debrie Grande Vitesse, Formate Super-8 und Single-8
−1
0
+1
+2
+3 Mitchell NC, Arriflex 35 BL ff., Schmalfilm 16 und Kleinfilm 8
+4 Eclair, Debrie Sept

Es geht auch um den Drehsinn des Verschlusses vom Film zum Objektiv gesehen. Beispiele

im Uhrzeigersinn: Debrie Sept, 1921; De Vry, 1926
im Gegenuhrzeigersinn: Bell & Howell, 1911; Paillard-Bolex, 1935-36 (Cinégraphe Bol, Auto Kine und Auto Kine, B, haben Trommelverschluss)

Für die Arbeit mit einer Kamera hat man die Orientierung links oder rechts bedient, von hinter der Kamera Richtung Szene betrachtet:

Links: Le-Prince-Apparate, Bell & Howell, Leonard, Mitchell, Arnold & Richter, Eclair, Aäton, Pathé amateur, ICA Kinamo
Rechts: Akeley
Heck: Domitor-Cinématographe Lumière, Pathé industriel, Bell & Howell Autoload
Front: Debrie Parvo, Askania Z

Kopiermaschinen

Bei den Pionieren war der Blick auf den Film während der Belichtung essenziell. Spätere Konstruktionen ab 1911 erlauben das nicht mehr. Die Bedienperson sieht nur auf die Filmkanten.

Filmprojektoren

Bei den Vorführapparaten hat man meistens gute Sicht auf den Film vor dem Objektiv. Die meisten Geräte sind Rechtslader, es gibt aber eine beachtliche Zahl von Linksmaschinen. Man stellt ein Links-Rechts-Pärchen so auf, dass die Vorführperson leicht beide Maschinen erreicht. Viele Schmalfilmprojektoren sind Linksgeräte, weil man sie gewöhnlich links neben dem Normalfilm-Projektorenpaar aufstellte.

Filmschäden

Mängel, welche die Toleranzen der Normvorschriften überschreiten, gelten als Schäden. Es ist zweckmäßig, sie bei Rohfilm und gebrauchtem Film zu unterscheiden. Fotografische Aspekte gehören hier nicht dazu.


Physische

Fabrikation

Ungleichmäßige Dicke des Trägers oder der Beschichtung

Sabrage: schlangenförmige Filmkanten von ungenau arbeitenden Tellermessern

Ungenaue Perforation


Gebrauch

Kantenverletzung

Randeinbruch

Beschädigte Löcher

Quetschung, nicht wiederherstellbare Strukturveränderungen der Unterlage

Riß

Ungenaue Spleiße (Klebestellen, Schweißnähte)

Schrammen: kurz und oberflächlich, auch Sprungschrammen (etwa am selben Ort erscheinende wiederholte Schrammen)

Kratzer: tiefer und schärfer abgegrenzt, längs und quer

Schrumpfung und Längung über Maß


Chemische

Zersetzung des Trägers: Nitrofilm in fünf Stufen, Acetatfilm mit Essigsyndrom

Zerfall des Substrats (Bindeschicht): Nitro-, Essigsyndrom


Weitere Einwirkungen

Schimmel

Bakterienbefall

Nässe, Gelatine quillt auf

Austrocknung, Craquelage der Gelatine (Zerreißen)

Wärme, Selbstentzündung von Nitrofilm bis etwa 45 °C hinab

Extreme Kälte, Gefriertrocknungseffekt beim Auftauen

Bibliographie

  • ISO Standards Handbook 17, Cinematography. International Organization for Standardization. Genève, May 1984, ISBN 92-67-10078-5.
  • Reihe Weltwunder der Kinematographie – Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. Bücherperiodikum herausgegeben von Joachim Polzer, verlegt bei Polzer Media Group GmbH Potsdam
Übersicht bisher erschienener Ausgaben:
  1. 1994 – Der 70-mm-Breitwand-Film und seine Geschichte
  2. 1995 – This is Cinerama
  3. 1996 – SOUND – Der Ton im Kino
  4. 1997 – VistaVision – The Whole Story
  5. 1999 – Die Agfacolor Story – ISBN 3-934535-01-1
  6. 2002 – Aufstieg und Untergang des Tonfilms (inkl. DEFA-70-mm, Eastmancolor, Technicolor) – ISBN 3-934535-20-8
  7. 2003 – Filmschnitt und Schneidetisch (Monographie von Eberhard Nuffer) – ISBN 3-934535-24-0
  8. 2006 – Zur Geschichte des Filmkopierwerks – A Short History of Cinema Film Post-Production (inkl. 90 Jahre Technicolor) – ISBN 3-934535-26-7

Siehe auch

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