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 Chicago

Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Chicago. Für weitere Bedeutungen, siehe Chicago (Begriffsklärung).
Chicago
Spitzname: The Windy City, Chi-City, Chi-Town


Siegel

Flagge
Lage in Illinois
DEC
Chicago
Basisdaten
Gründung:12. August 1833
Staat:Vereinigte Staaten
Bundesstaat:Illinois
County:Cook County
DuPage County
Koordinaten:41° 53′ N, 87° 38′ W41.881944444444-87.627777777778176Koordinaten: 41° 53′ N, 87° 38′ W
Zeitzone:Central Standard Time (UTC−6)
Einwohner:
– Metropolregion:
2.853.114 (Stand: 2008)
9.745.673 (Stand: 2007)
Bevölkerungsdichte:4.849,8 Einwohner je km²
Fläche:606,1 km²
davon 588,3 km² Land
Höhe:176 m
Gliederung:
Lage in der Metropolregion
Postleitzahlen:60601–60827
Vorwahl:+1 312 (Zentrum), 773 (andere Gebiete)
Webpräsenz:egov.cityofchicago.org
Bürgermeister:Richard M. Daley (D)

Satellitenbild

Chicago [ʃɪˈkɑːgoʊ ;  anhören?/i] (deutsch auch: Chikago) ist eine Stadt am Südwestufer des Michigansees im US-Bundesstaat Illinois in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit einer Einwohnerzahl von 2,8 Millionen (2007)[1] ist sie die drittgrößte Stadt der USA. In der Agglomeration leben 8,7, in der Metropolregion 9,7 Millionen Menschen (2007).[2]

Chicago ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Handelsstadt in den Vereinigten Staaten. Die Lage an der Mündung des Illinois Waterways, der die Großen Seen (die über den Sankt-Lorenz-Seeweg bzw. Eriekanal mit dem Atlantik und New York City verbunden sind) mit dem Mississippi River und dem Golf von Mexiko verbindet, sowie als Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnstrecken, auf denen die West- mit der Ostküste verbunden werden, haben diese Funktion begünstigt.

Chicago ist Sitz der Chicago Mercantile Exchange, der größten Warenterminbörse der Vereinigten Staaten, und der Chicago Board of Trade, der größten Rohstoff-, Futures- und Optionsbörse der USA.

Inhaltsverzeichnis

Der Name der Stadt

Überblick über die Innenstadt von Chicago

Der Name leitet sich aus dem Wort Checagou ab, mit dem die Potawatomi-Indianer das Marschland beschrieben, wo später die Stadt gegründet wurde. Es gibt Interpretationen, die das indianische Wort mit wilde Zwiebeln oder Stinktier.[3] übersetzen. Diese Übersetzungen sind jedoch strittig.

Im Volksmund wird Chicago auch the windy city genannt. Die früheste bekannte Erwähnung stammt von einem Zeitungsartikel der Chicago Tribune 1858. Wiederholt verwendet wurde der Spitzname im Jahre 1876 und war verbunden mit der Rivalität mit Cincinnati. So lautete etwa am 9. Mai 1876 die Schlagzeile im Cincinnati Enquirer: “THAT WINDY CITY. Some Freaks of the Last Chicago Tornado.” Ebenfalls zugeschrieben wird die Bezeichnung dem Redakteur der New York Sun, Clyz loid, nachdem New York City von Chicago bei der Bewerbung um die Weltausstellung geschlagen wurde. Es gibt jedoch kaum Belege, dass dieser den Ausdruck “Windy City” tatsächlich benutzt hat.[4]

Eine weitere Bedeutung liegt im oft starken Wind, der mal kalt aus nordwestlicher Richtung, mal auch vom Michigansee weht, und durch die Wolkenkratzerschluchten kanalisiert und dadurch verstärkt wird. Jedoch ist Chicago nicht bedeutend windiger als andere amerikanische Städte. Zuletzt wird die Bezeichnung auch zurückgeführt auf die Korruption und die historische, insbesondere während der Prohibition, verbreitete organisierte (Schmuggler-)Kriminalität.

Geographie

Geographische Lage

Ein Teil der Skyline vom Sears Tower aus gesehen.
Blick vom Sears Tower

Chicago liegt im Nordosten von Illinois. Laut Daten des United States Census Bureau hat die Stadt eine Fläche von 606,1 Quadratkilometern. Gewässer bedecken davon 2,94 Prozent (17,8 Quadratkilometer). In Chicago mündete einst der Chicago River in den Michigansee, einer der fünf Großen Seen Nordamerikas. Allerdings wurde die Fließrichtung des Wassers im Chicago River 1900 umgekehrt, so dass er nicht mehr in den zur Trinkwassergewinnung genutzten Michigansee mündet, sondern über den „Chicago Sanitary & Ship Canal“ in den Illinois River und letztendlich in den Mississippi River abgeleitet wird. Mehr als 20 Zugbrücken wie beispielsweise die State Street Bridge überqueren den Fluss.

Die Metropolregion Chicago hat eine Fläche von 28.163 Quadratkilometern und erstreckt sich über dutzende von Vorstädten in neun verschiedenen Countys, welche mit dem Stadtgebiet von Chicago verflochten sind. Diese Countys sind in Illinois Cook, DuPage, Kane, Kendall, Lake, McHenry und Will County, in Indiana Lake County und in Wisconsin das Kenosha County. Da die Vorstädte politisch unabhängig sind, fließen keine Steuergelder aus diesen Enklaven, um die zentrale Infrastruktur der Großstadt zu finanzieren. Dies ist insbesondere bei den Schulen wichtig, weil ihre Finanzierung zu einem großen Teil aus den lokalen Grundsteuern erfolgt, mit landesweiten Zuschüssen pro Schüler als Ergänzung.

Die Metropolregion Chicago stand bei der Entwicklung des Modells der städtischen Zonen des renommierten Stadtgeographen Ernest Burgess um einen Central Business District (CBD) Pate. Den Kern des CBD bildet der so genannte Loop; dazu zählen ein von den Gleisen der Chicago „L“ umschlossenes Viertel (die Community Area 32) sowie die angrenzenden Gebiete.

Stadtgliederung

Community Areas mit Nummern

Seit der Stadtgebieterweiterung von 1960, um den großzügigen Ausbau des Flughafens O’Hare zu ermöglichen, gliedert sich die City of Chicago in 77 Community Areas.

Das Zentrum der Stadt bilden die Stadtteile Chicago Loop (32) und Near North Side (8), welche durch den Chicago River voneinander getrennt sind. In der Loop befinden sich u.a. das AON Center, der Sears Tower und das Rathaus. Der mit Hochhäusern stark bebaute Teil von Near North Side wird im wesentlichen durch den North Lake Shore Drive die North LaSalle Street abgegrenzt. Das höchste Gebäude der Near North Side ist das John Hancock Center.

01Rogers Park21Avondale41Hyde Park61New City
02West Ridge22Logan Square42Woodlawn62West Elsdon
03Uptown23Humboldt Park43South Shore63Gage Park
04Lincoln Square24West Town44Chatham64Clearing
05North Center25Austin45Avalon Park65West Lawn
06Lakeview26West Garfield Park46South Chicago66Chicago Lawn
07Lincoln Park27East Garfield Park47Burnside67West Englewood
08Near North Side28Near West Side48Calumet Heights68Englewood
09Edison Park29North Lawndale49Roseland69Greater Grand Crossing
10Norwood Park30South Lawndale50Pullman70Ashburn
11Jefferson Park31Lower West Side51South Deering71Auburn Gresham
12Forest Glen32Chicago Loop52East Side72Beverly
13North Park33Near South Side53West Pullman73Washington Heights
14Albany Park34Armour Square54Riverdale74Mount Greenwood
15Portage Park35Douglas55Hegewisch75Morgan Park
16Irving Park36Oakland56Garfield Ridge76O’Hare
17Dunning37Fuller Park57Archer Heights77Edgewater
18Montclare38Grand Boulevard58Brighton Park
19Belmont Cragin39Kenwood59McKinley Park
20Hermosa40Washington Park60Bridgeport

Klima

Klimadiagramm von Chicago

Das Klima in Chicago ist kontinental mit heißen Sommern und kalten Wintern. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,5 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 910 Millimeter im Mittel. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich -3,3 Grad Celsius, der wärmste der Monat Juli mit 24,3 Grad Celsius im Mittel.

Der meiste Niederschlag fällt im August mit durchschnittlich 107 Millimetern, der wenigste im Februar mit 35 Millimetern im Mittel. Insgesamt gilt das Wetter in Chicago als wechselhaft. Vor allem im Frühjahr und Herbst weht oft ein starker Wind, zudem herrscht ganzjährig eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Die höchste Temperatur wurde offiziell am 24. Juli 1934 an der Wetterstation am Flughafen Midway mit 41 Grad Celsius gemessen, die tiefste am 20. Januar 1985 an der Wetterstation der Universität von Chicago (Rosenwald Hall, 58th St. and University Ave) mit −33 Grad Celsius. Der meiste Niederschlag fiel am 14. August 1987 an der Wetterstation am Flughafen O’Hare mit 165 Millimeter. Der schneereichste Winter war 1978/79 (27. November bis 4. März) mit 2278 Millimeter Niederschlag.[5][6]

Klimatabelle[7]
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezJahr
Durchschnittliche
Höchsttemperatur (°C)
-1,70,87,714,821,226,428,727,723,817,49,11,114,8
Durchschnittliche
Tiefsttemperatur (°C)
-10,6-8,1-1,93,78,714,217,016,412,25,7-0,2-7,24,2
Durchschnittlicher
Niederschlag (mm)
38,934,568,392,584,396,093,0107,297,061,274,262,7909,8
Durchschnittliche
Regentage
7,36,29,09,58,98,08,07,57,76,67,97,894,4

Geschichte

Vom Handelsposten zur Stadt (1673-1837)

Chicago 1857

1673 befuhren die französischen Forscher Jacques Marquette und Louis Joliet das Gebiet des heutigen Chicago, das von der dort lebenden indianischen Bevölkerung „Checagou“ genannt wurde. In den 1770er Jahren errichtete Jean Baptiste Point du Sable – Sohn eines Québecer Kaufmanns und einer schwarzen Sklavin – einen Handelsposten am Tauschplatz der ortsansässigen Indianerstämme Miami, Fox, Sac und Potawatomi. „Der erste weiße Mann der sich hier niederließ, war ein Schwarzer“, werden sie zitiert.

Dank der verkehrsgünstigen Lage an den Wassertransportwegen des Michigansees, einem der Großen Seen, und des Chicago Rivers, gewann der Handelsposten bis Anfang des 19. Jahrhunderts zusehends an Bedeutung. Als Illinois 1818 den USA beitrat und deshalb verkehrstechnisch besser erschlossen werden sollte, erlangte Chicago, nach dem Bau der Ost-West Eisenbahnstrecke, daher schnell den Ruf als „Tor zum Westen“. Es war nun der wichtigste Handelsplatz für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte weit und breit.

Holz kam mit Schiffen aus dem Norden und wurde vor Ort weiterverkauft oder mit der Bahn weitertransportiert, und Lebensmittel brachten die Farmer auf die Märkte, von wo sie dann wiederum auf Schiffe oder Züge umgeladen und verfrachtet werden konnten. Werkzeuge und sonstige Materialien, die (vorerst) nicht oder in unzureichender Menge vor Ort produziert wurden, kamen wiederum aus dem Osten. So wurde aus dem Handelsposten ein Dorf. Am 12. August 1833 wurde Chicago offiziell gegründet und bereits vier Jahre später, am 4. März 1837, mit seinen 4.200 Einwohnern zur Stadt erhoben.

Rasante Expansion (1837-1885)

Immer mehr Menschen zogen in die Stadt, und der ohnehin bereits ausgeprägte Handel wurde weiter angetrieben, was noch mehr Zuwanderer anlockte. Von nur 100 Einwohnern im Jahre 1830 stieg die Einwohnerzahl Chicagos bis 1860 auf 100.000. Die Grundstückspreise stiegen rasant an. Als der 1836 begonnene Bau des „Illinois & Michigan Canals“ zwischen dem Chicago River und dem in den Mississippi mündenden Illinois River 1848 fertig gestellt wurde, gab es eine weitere äußerst attraktive Verkehrsroute. Sechs Staaten südlich entlang des Mississippi, sowie drei nördlich, und Regionen entlang des in den Mississippi mündenden Missouri River waren nun zusätzlich durch eine breite Wasserstraße erschlossen.

Großer Brand von 1871

Ebenfalls 1848 erfolgte die Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke, die auch Chicago anfuhr – die „Galena & Chicago Union Railroad“. Seit der Fertigstellung des „Chicago Sanitary Canals“ im Jahr 1900 mündet der Chicago River nicht mehr in den Michigansee, sondern durch den „Illinois & Michigan Canal“ und in weiterer Folge den Illinois River in den Mississippi.

1850 hatte Chicago bereits 30.000 Einwohner, und ein Ende des Zustroms war nicht absehbar – zu günstig waren die Rahmenbedingungen am Verkehrsknotenpunkt der USA. 1855 kam es zum „Lager Beer Riot“. Deutsche Siedler kämpften in diesem Aufstand um ihr Recht, auch am Sonntag Bier ausschenken zu dürfen.

Zwischen dem 8. und dem 10. Oktober 1871 wütete der Große Brand von Chicago, der den Großteil der Stadt zerstörte. Nach dem Feuer wurden 125 Leichen geborgen. Schätzungen kamen letztendlich auf 300 Tote und 18.000 zerstörte Häuser. Etwa 100.000 Menschen wurden obdachlos.[8] Doch rasch wurde die Stadt wieder aufgebaut. Architekten wie Louis Sullivan und später auch Frank Lloyd Wright kamen in die Stadt, die nun als Experimentierfeld für urbane Innovationen diente. 1880 zählte die „wiedergeborene“ Stadt bereits 500.000 Einwohner.

Das „Home Insurance Building“ von 1885 gilt als erstes Hochhaus der Welt

Zwischen 1880 und 1890 verdoppelte sich die Einwohnerzahl und Chicago zählte nun über eine Million Einwohner. Zwar erlebten die Grundstückspreise in der Innenstadt schon seit der Ernennung zur Stadt immer wieder extreme Anstiege, doch dieses Mal drang man in eine neue Preisdimension vor. Kostete ein Quadratmeter im Jahre 1880 noch 130 US-Dollar, versiebenfachte sich der Preis bis zum Jahr 1890 bis auf fast 900 US-Dollar pro Quadratmeter. Um rentabel zu wirtschaften, begannen Grundstückseigner, ihre Grundfläche maximal zu nutzen – das heißt, es musste höher gebaut werden. Dank neuer Erfindungen wie elektrischer Aufzüge, feuerfesterer Baustoffe, aber vor allem durch die Verwendung von Stahlskeletten im Gebäudebau, wurde dies möglich.

Das Home Insurance Building von 1885 (1931 abgerissen), war das erste Bauwerk, das die neuen technischen Errungenschaften vereinte, und gilt mit seinen zehn Etagen als das erste Hochhaus der Welt. Das 1889 von Dankmar Adler und Louis Sullivan errichtete Auditorium Building wies zudem – neben seiner fast perfekten Akustik – als Neuheit eine Klimaanlage auf. Zwischen 1890 und 1894 wurde das Reliance Building erbaut, welches als Vorläufer der gläsernen Vorhangwandkonstruktion gilt, die später den „internationalen Stil“ bestimmen sollte. Es gilt als Meisterwerk der Ersten Chicagoer Schule.

Industrielle Großmacht (1885-1918)

Postkartenansicht der State Street um 1907

Am 1. Mai 1886 organisierten die Gewerkschaften Chicagos einen Streik, um die Arbeitszeiten von täglich zwölf auf acht Stunden zu reduzieren. Als die Polizei am 3. Mai hart durchzugreifen begann, und Streikende getötet wurden, kam es zu einem Aufstand, der als Haymarket Riot in die Geschichte einging. Das Ende des 19. Jahrhunderts war auch ansonsten keine ruhige Phase. Die Korruption erlebte ihre erste Blütezeit. Viele Politiker der Stadt waren käuflich. Etwa ein Viertel der Stadträte besaßen Saloons und galten als „boodlers“ („Geschmierte“). Hempstead Washburne, Bürgermeister von 1891 bis 1893, warb für seine Wiederwahl mit dem Hinweis, es sei „klüger, für einen Mann zu votieren, der bereits genug gestohlen hat, als für einen neuen”. Auch Wahlbetrug stand an der Tagesordnung. Washburne gelang seine Wiederwahl jedenfalls nicht.

Vom 1. Mai bis zum 30. Oktober 1893 fand die als „World Columbian Exposition” bezeichnete Weltausstellung in Chicago statt. Sie hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Kunst und Architektur dieser Zeit. Die Veranstaltung prägte Chicagos Selbstwahrnehmung und stärkte die Bevölkerung in ihrer optimistischen Sichtweise des industriellen Fortschritts.

Rinder warten auf ihre Schlachtung in den Union Stock Yards (1909)

Im Jahre 1890 lebten in der Stadt eine Million Menschen, bis 1910 verdoppelte sich diese Zahl auf zwei Millionen. 1900 hatte die Stadt bereits 1,7 Millionen Einwohner, darunter viele irische und osteuropäische Einwanderer. Zu dieser Zeit festigte sich der Ruf Chicagos als Ort der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, der zahlreiche Jobs für jeden bereithielt, der bereit war zu arbeiten. Am meisten fühlten sich von diesem Versprechen die Einwohner schwarzer Hautfarbe aus den Südstaaten angezogen. Allein im Zeitraum 1916 bis 1919 zogen zwischen 50.000 und 75.000 Afroamerikaner in die Stadt.[9]

Blick vom John Hancock Center nach Norden

In dieser Zeit wurde Chicago auch als “hog butcher for the world” bekannt. Die Schlachthöfe auf den sogenannten Union Stock Yards hatten sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu den bedeutendsten weltweit entwickelt. Besonders die Fließbandproduktion von Fleisch war weltweit richtungsweisend. Um die Jahrhundertwende wurden auf den Stock Yards ca. 82 Prozent des amerikanischen Fleisches produziert und jährlich bis zu 12 Millionen Tiere geschlachtet. Die schlechten Arbeitsbedingungen und die mangelnde Hygiene wurde unter anderem durch Upton Sinclairs Der Dschungel bekannt.

Lange Arbeitszeiten, geringer Lohn und unmenschliche Arbeitsbedingungen, vor allem aber die von den Einwanderern mitgebrachten Traditionen der Selbstorganisation führten dazu, dass Chicago die Wiege der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung wurde. Um 1900 hatten sich die meisten Arbeiter in der „American Federation of Labor“ organisiert. Auch die noch heute existente revolutionäre Gewerkschaft „Industrial Workers of the World“ (IWW) wurde hier im Jahre 1905 gegründet. Das Theaterstück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht spielt im Chicago der späten 1920er Jahre und thematisiert die schlechten Arbeitsbedingungen und den Kampf der Arbeiter dagegen. Als im Juli 1918 weiße Polizisten sich weigerten, bei einer Steinigung eines im See schwimmenden Schwarzen einzuschreiten, folgte ein sechstägiger Aufstand mit 38 Toten.

Die Stadt ist auch seit langem ein Zentrum schwarzer Organisationen – sowohl die von Reverend Jesse Jackson gegründete PUSH (People United to Save Humanity) als auch die militantere „Nation of Islam“ (eigentlich „The Lost-Found Nation of Islam“, auch bekannt als „Black Muslims“) , von Elijah Muhammad 1930 ins Leben gerufen, haben ihren Hauptsitz auf der South Side in Chicago.

Stadt von Jazz und Gangstern (1918-1945)

Die Polizei mit Waffen eines erschossenen Gangsters, 1931

Ab 1922 wurde Chicago zur Jazzmetropole. Größen wie Louis Armstrong, Earl Hines oder Jelly Roll Morton belebten die „schwarzen Clubs” und prägten den „Chicago Jazz”.

Während der Roaring Twenties erprobte aber auch ein neuer Typ Glücksjäger die große Freiheit Chicagos bis an die Grenzen des Erträglichen. Kriminelle Syndikate unter skrupellosen Gangsterbossen wie Bugs Moran, Johnny Torrio und Al Capone machten sich die Prohibition zunutze und verkauften illegal hergestellten Alkohol. Feuergefechte zwischen Polizei und Gangstern waren zwar nicht so sehr an der Tagesordnung wie viele Filme glauben machen möchten, aber das mafiöse System funktionierte.

1942 gelang dem Physiker Enrico Fermi an der University of Chicago die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion als Teil des Manhattan-Projekts, dessen Ziel der Bau von Kernwaffen war.

Abschwung und Erholung (1945−heute)

Die Einwohnerzahl erreichte ihren Höhepunkt 1950 mit 3,62 Millionen Einwohnern. Danach ging die Einwohnerzahl aufgrund des in die Vorstädte abwandernden Mittelstandes bis 1990 stetig und stark um insgesamt rund 840.000 Einwohner zurück. Erst seit Beginn der 1990er Jahre erholte sich die Einwohnerzahl wieder.

Zwischen 1955 und 1976 prägte Richard J. Daley als Bürgermeister nicht nur maßgeblich die Politik der Großstadt, sondern spielte auch in der Demokratischen Partei eine bedeutende Rolle, etwa bei der Unterstützung der Präsidentschaftskandidaturen von John F. Kennedy 1960 und Hubert Humphrey 1969. In seine Regierungszeit fällt das brutale Vorgehen gegen Antikriegsdemonstranten 1968. Während der Democratic National Convention im August 1968 kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen den Vietnamkrieg. 1969 wurden die Chicago Seven dafür angeklagt.

1979 wurde Jane Byrne erste weibliche Bürgermeisterin Chicagos und 1983 Harold Washington erster Bürgermeister schwarzer Hautfarbe. Der Herausforderer des Demokraten Washington bei der Bürgermeisterwahl 1983 war der Republikaner Bernard Epton, der von vielen weißen Demokraten und Basisorganisationen unterstützt wurde. Die Wahlen selbst zeigten sich als Abstimmung nach ethnischer Herkunft. Während Epton 90 Prozent aller Stimmen in den Stadtbezirken mit vorwiegend weißer Bevölkerung bekam, waren es nur drei Prozent in denen mit überwiegend schwarzer Bevölkerung. Bei Washington waren die Zahlen umgekehrt. Insgesamt siegte Harold Washington mit vier Prozentpunkten Vorsprung. Die Wiederwahl im Frühjahr 1987 gewann er sicher. Er regierte Chicago bis zu seinem Tod im November 1987.

Anfang des 21. Jahrhunderts ist der Status der Stadt als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region unumstritten.

Willis Tower
Haupteingang Willis Tower

Demografie

2008 lebten in der Stadt 2.853.114 Menschen. Das war gegenüber 2000 ein Rückgang um 1,8 Prozent. Die Metropolregion Chicago, die auch „Chicagoland“ genannt wird, lag 2008 mit 9,5 Millionen Einwohnern an 30. Stelle der Liste der größten Metropolregionen der Welt.

Laut der Volkszählung aus dem Jahr 2000 gab es im Stadtgebiet 2.896.016 Einwohner, 1.061.928 Haushalte und 632.909 Familien, die in der Stadt ansässig waren. Die Bevölkerungsdichte betrug 4.923 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung bestand zu 41,97 Prozent aus Weißen und zu 36,77 Prozent aus Afroamerikanern; 4,35 Prozent sind asiatischer Herkunft. Der Median des Einkommen je Haushalt lag bei 38.625 US-Dollar, der Median des Einkommens einer Familie bei 42.724 US-Dollar. 19,6 Prozent der Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze. Die größten Gruppen nach ethnischer Herkunft im Stadtgebiet waren: Polen 210.421 (7,3 Prozent), Iren 191.998 (6,6 Prozent), Deutsche 189.618 (6,5 Prozent), Italiener 101.903 (3,5 Prozent) und Engländer 57.579 (2,0 Prozent).[10]

Die ethnische Herkunft nimmt für nachfolgende Generationen an Bedeutung ab, besonders bei Kindern aus gemischten Ehen. Dies gilt auch für die zahlreichen Nachkommen deutscher Einwanderer, die in und um Chicago wohnen. Da viele Einwohner irischstämmig sind, findet jedes Jahr im März eine riesige St. Patrick’s Day Parade statt. Zur Feier dieses Tages wird auch der Chicago River grün gefärbt. Derzeit gibt es auch ein sehr großes Gebiet im Nordwesten der Stadt, das dadurch auffällt, dass die Schilder auf Geschäften koreanisch beschriftet sind. Auffällig ist auch die relativ hohe Ansammlung polnischstämmiger Amerikaner. In der gesamten Metropolregion von Chicago leben knapp eine Million Polnischstämmige.[11] Immer noch wird jährlich der Verfassung vom 3. Mai 1791 im Rahmen der Polish Constitution Day Parade gedacht und der polnische Nationalfeiertag gefeiert.[12]

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der eigentlichen Stadt nach dem jeweiligen Gebietsstand. Von 1830 bis 2000 handelt es sich um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Schätzung des United States Census Bureau.

Buckingham Fountain
Jahr/DatumEinwohner
1830100
18404.470
1. Juni 185029.963
1. Juni 1860112.172
1. Juni 1870298.977
1. Juni 1880503.185
1. Juni 18901.099.850
1. Juni 19001.698.575
15. April 19102.185.283
1. Januar 19202.701.705
DatumEinwohner
1. April 19303.376.438
1. April 19403.396.808
1. April 19503.620.962
1. April 19603.550.404
1. April 19703.366.957
1. April 19803.005.072
1. April 19902.783.726
1. April 20002.896.016
1. Juli 20082.853.114

Politik

Stadtregierung

City Hall 1911

An der Spitze der Stadtverwaltung von Chicago steht der Bürgermeister (Mayor), der von der Bevölkerung für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt wird. Er ernennt Leiter der verschiedenen Ressorts der Stadtverwaltung und andere Beamte, in einigen Fällen auch mit Zustimmung des Stadtrats. Der Bürgermeister besitzt das Recht gegen Verordnungen sein Veto einzulegen.

Die Stadtverordnetenversammlung (City Council) besteht aus 50 Mitgliedern und wird ebenfalls alle vier Jahre gewählt. Sie vertritt die verschiedenen Stadtteile Chicagos. Die Stadtverordnetenversammlung verabschiedet Gesetze, legt die Grundsteuer fest und teilt den einzelnen Ressorts der Stadtverwaltung ihre finanziellen Mittel zu.

Chicago ist seit langer Zeit eine Hochburg der Demokratischen Partei. Seit 1931 stellten die Demokraten alle Bürgermeister von Chicago. Der derzeitige Bürgermeister Richard M. Daley regiert die Stadt seit 1989. 1983 kandidierte er erstmals für das Bürgermeisteramt, unterlag jedoch. 1989 konnte er sich schließlich behaupten. Eines seiner Ziele war die Umwandlung des Uferbereiches des Michigansees in einen Park. Wegen einer umstrittenen Aktion zur Schließung des Meigs-Field-Flugfeldes kurz nach seiner Wiederwahl im Jahre 2003 wurde er heftig kritisiert. In dieser Wahl erhielt er dennoch 79 Prozent aller Stimmen und ließ die anderen drei Kandidaten somit weit hinter sich. Auch bei den Kommunalwahlen am 27. Februar 2007 wurde er mit 71,05 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.[13]

Siehe auch: Liste der Bürgermeister von Chicago

Flagge

Flagge von Chicago

Die Flagge von Chicago besteht aus zwei hellblauen horizontalen Streifen auf einem weißen Feld. Die dadurch entstehenden drei weißen Streifen repräsentieren die Nord-, West- und Südseite der Stadt. Der obere blaue Streifen steht für den Lake Michigan und den nördlichen Arm des Chicago Rivers. Der untere blaue Streifen steht für den südlichen Arm des Chicago Rivers und den großen Kanal. Das ursprüngliche Design von 1917 umfasste nur zwei rote Sterne, die den Großen Brand von Chicago 1871 und die World’s Columbian Exposition von 1893 symbolisierten. 1933 wurde ein dritter Stern für die laufende Weltausstellung Century of Progress Exposition und 1939 ein vierter Stern für das Fort Dearborn hinzugefügt. Einen möglichen fünften Stern wurde bereits mehrmals vorgeschlagen, zuletzt für den Fall, dass die Stadt die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016 zugesprochen erhält.[14]

Städtepartnerschaften

Chicago hat 27 Schwesterstädte, zu denen es eine Partnerschaft unterhält.[15] Die meisten Schwesterstädte von Chicago befinden sich in Europa (14), gefolgt von acht in Asien und drei in Afrika. In Amerika unterhält Chicago zwei Partnerschaften. In Australien gibt es keine Partnerstädte.

Afrika
Accra (Ghana)
Casablanca (Marokko)
Durban (Südafrika)
Amerika
Mexiko-Stadt (Mexiko)
Toronto (Kanada)
Asien
Amman (Jordanien)
Busan (Südkorea)
Delhi (Indien)
Lahore (Pakistan)
Osaka (Japan)
Petach Tikwa (Israel)
Shanghai (Volksrepublik China)
Shenyang (Volksrepublik China)
Europa
Athen (Griechenland)
Belgrad (Serbien)
Birmingham (Großbritannien und Nordirland)
Galway (Irland)
Göteborg (Schweden)
Hamburg (Deutschland)    
Kiew (Ukraine)
Luzern (Schweiz)
Mailand (Italien)
Moskau (Russland)
Paris (Frankreich)
Prag (Tschechische Republik)
Vilnius (Litauen)
Warschau (Polen)
 

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Goodman Theatre

Chicago hat eine bedeutende Theaterkultur und gilt als Geburtsort des modernen Improvisationstheaters. Die im Jahre 1955 gegründete studentische Schauspielgruppe The Compass erweckte die Prinzipien der Commedia dell’arte zu neuem Leben und führte – inspiriert durch Bertolt Brechts Theatertheorien – nach so genannten Szenarios gesellschaftskritische, satirische Improvisationen auf. Darüber hinaus wurden nach Vorgaben des Publikums kurze Szenen improvisiert.

In der South Michigan Avenue befindet sich das 1889 erbaute Auditorium Theatre. Es war von einigen engagierten Chicagoer Bürgern gegründet worden, um mit diesem reichhaltig mit Gold, Mosaiken und Wandgemälden ausgestatteten Gebäude der Stadt zu einem kultivierten Image zu verhelfen.

In der Lincoln Avenue steht das Biograph Theater. Am 22. Juli 1934 wurde dort John Dillinger von FBI-Agenten umzingelt und erschossen, nachdem seine Geliebte, die legendäre Lady in Red (Ana Cumpanas), ihnen einen Tipp gegeben hatte. Weitere bekannte Theater sind das Court Theatre, das Goodman Theatre und das Merle Reskin Theatre (ehemaliges Blackstone Theatre).

Am 30. Dezember 1903 starben bei einem Brand im Iroquois Theater 602 Menschen. Das Unglück führte im ganzen Land zur Einführung strenger Richtlinien bei der Feuerbekämpfung. Das Gebäude wurde ein Jahr später als Colonial Theater wiedereröffnet und 1925 abgerissen. An seiner Stelle entstand 1926 das Oriental Theatre.

The Second City ist eine Theatergruppe in Chicago. Sie ist außerhalb Chicagos die bekannteste in der Stadt beheimatete Theatergruppe. Zahlreiche ehemalige Mitglieder haben später in der Fernseh-Comedy-Show Saturday Night Live mitgespielt. Bekannte ehemalige Mitglieder sind unter anderem: Alan Alda, Ed Asner, Dan Aykroyd, John Belushi, Bonnie Hunt, Bill Murray und Mike Nichols. Einen landesweiten Ruf hat auch die Steppenwolf Theatre Company, die frühere Gruppe von John Malkovich.

Museen

Adler-Planetarium
Innenansicht Chicago Field Museum

Zu den zahlreichen bedeutenden Museen der Stadt gehört unter anderem das 1930 fertiggestellte Adler-Planetarium und Astronomiemuseum. Es zeigt auf mehreren Ebenen zahlreiche Exponate zum Thema Weltraum, Planetensystem und deren historische und aktuelle Erforschung. Die Sammlung historischer Instrumente ist weltberühmt. Darüber hinaus besitzt es zwei Theater für astronomische Vorführungen, eines mit einem Zeiss-Projektor und eines mit einer modernen digitalen Lasershow, die insbesondere Flugsimulationen ermöglicht.

Das Art Institute of Chicago ist ein 1866 gegründetes Kunstmuseum und eine Kunsthochschule. Es zeigt Schätze und Meisterwerke aus der ganzen Welt, darunter insbesondere impressionistische, postimpressionistische und amerikanische Kunst. Im Museum sind bekannte Werke wie beispielsweise Claude Monets Heuschober, Georges Seurats Ein Sommersonntag auf der Insel Grande Jatte, Grant Woods American Gothic und Edward Hoppers Nighthawks zu sehen. Es beherbergt auch das Lebenswerk des Fotografen Irving Penn.

Das Field Museum of Natural History wurde 1893 als Columbian Museum of Chicago gegründet. Nachdem anfänglich sogar Kunst zu seinen Sammelgebieten zählte, fokussierte man das Aufgabengebiet mit der 1905 erfolgten Umbenennung auf Naturwissenschaften und Völkerkunde. Dabei sorgte der Namenspatron Marshall Field für ein noch heute bedeutendes Stiftungsvermögen. 1921 konnte das heutige Haus am Ufer des Michigansees bezogen werden. Das Field Museum beherbergt mehr als 22 Millionen konservierte Organismen und sonstige Sammlungsobjekte.[16] Es gehört auch auf diesem Sektor zu den größten naturwissenschaftlichen und anthropologischen Sammlungen weltweit.

Museum of Science and Industry

Das Museum of Contemporary Art (MCA) ist ein 1967 gegründetes Museum für zeitgenössische Kunst. Das MCA war das erste Projekt des deutschen Architekten Josef Paul Kleihues in den USA. Es umfasst eine große Zahl interaktiver Ausstellungsstücke und Videopräsentationen sowie eine Abteilung mit Werken von Alexander Calder, Andy Warhol und anderen; an der Rückseite liegen ein Skulpturengarten und ein Patio.

Das Museum of Science and Industry ist ein Science Center und liegt in Jackson Park, etwas südlich von Downtown Chicago. Das Museumsgebäude wurde 1893 für die World Columbian Exposition gebaut und ist das einzige noch bestehende Gebäude dieser Weltausstellung. Rosenwalds Vorstellungen entsprechend wurden viele Ausstellungen interaktiv gestaltet. Bis heute wurde dieses Konzept beibehalten. So kann der Besucher beispielsweise durch ein Modell des menschlichen Herzens laufen, in der Hall of Communications die Geschichte des Telefons erfahren oder eine nachgebaute Kohlemine besichtigen.

Musik

Chicago Jazz Club „Andys“

Bei der Weiterentwicklung der genuin US-amerikanischen Musikstile von Jazz, Blues und Soul hat die Stadt eine bedeutende Rolle gespielt. Durch eine große wirtschaftlich bedingte Migrationsbewegung zu Beginn der 1920er Jahre sowie die Schließung des Vergnügungsviertels Storyville in New Orleans verlagerte sich das musikalische Zentrum des Jazz zusehends nach Chicago.

Bedeutende Musiker wie Louis Armstrong, King Oliver und Jelly Roll Morton waren in der Stadt tätig. In der Southside, dem Schwarzenviertel der Stadt, entstand ein reges Jazzleben. Es entwickelte sich der so genannte Chicago Jazz, welcher die Soloimprovisation gegenüber der Kollektivimprovisation stärker in den Vordergrund rückte, und eher zu einer kühlen Spielweise neigte.

Der von Gitarre und Mundharmonika geprägte, ländliche Delta-Blues wurde in Chicago elektrifiziert. Es entstand der so genannte Chicago Blues. Die Stadt wurde zu einem bis heute aktiven Zentrum des Blues, geprägt durch Musiker wie Howlin’ Wolf, Muddy Waters, Little Walter und Willie Dixon. In den 1960er Jahren entwickelte sich der Chicago Soul, als dessen bekanntester Vertreter Curtis Mayfield gilt. Die Stadt gilt als Geburtsort der House-Music mit ihrer Untergattung Chicago House. Einer der erfolgreichsten RnB-Künstler unserer Zeit, R. Kelly, stammt aus Chicago und referenziert auch in seiner Musik oft auf diese Stadt.

Auch in der Hip-Hop-Musik ist Chicago in den letzten Jahren dank Rappern wie Common, Lupe Fiasco, Twista und dem Rapper, Songwriter und Produzenten Kanye West zu einer einflussreichen Stadt geworden.

Das Chicago Symphony Orchestra gehört zu den besten Orchestern der USA. Es konzertiert in der Chicago Orchestra Hall (manchmal auch Theodore Thomas Orchestra Hall nach dem Gründer des Orchesters genannt). Der 1904 erbaute Komplex wurde 1966 einschneidend umgebaut, sodass der außerordentlich runde Klang verloren ging. Aufgrund des nunmehr trockenen und engen Klangbilds fanden Tonaufnahmen in der Folge meist andernorts statt, vor allem im Medinah Temple. 1997 endete eine erneute Umbauphase, die unter anderem das Ziel hatte, das alte Klangbild wieder herzustellen. Der Klang gewann tatsächlich hörbar an Breite und Schönheit, nur beschwerten sich nun die Musiker, dass sie sich untereinander nicht mehr hören konnten. Durch diverse Nachbesserungen ist mittlerweile ein erträglicher Zustand erreicht worden.

Die Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM) ist eine Vereinigung von Jazz-Musikern, die sich der Erneuerung der afrikanisch-amerikanischen Musik verpflichtet haben und zugleich in der Musikerziehung an zahlreichen Schulen Chicagos aktiv sind. Weitere bekannte Musiker und Bands der Stadt sind: das Art Ensemble of Chicago („Great Black Music, Ancient to the Future“; es wirkte stilbildend auf den Bereich der ethnisch beeinflussten Jazz-Musik), die Band Chicago, die Rockband Chevelle (’zweites Zuhause’ des Jazz, Blues) sowie die Bluesband The Blues Brothers , die Alternativ-Rock Band The Smashing Pumpkins und die Melodic Hardcore-Band Rise Against.

Literaturwesen

Um die Zeit des Ersten Weltkriegs wurde Chicago zu einem Zentrum kultureller Kreativität, insbesondere im Bereich der Literatur. Knotenpunkt dieser Bewegung war die 1912 gegründete Literaturzeitschrift Poetry: A Magazine of Verse. Zu dieser Zeit traten Edgar Lee Masters mit (Spoon River Anthology 1915) und Carl Sandburg mit Werken hervor, die sich eingehend mit Illinois und Chicago auseinandersetzten. Weitere Chicagoer Schriftsteller, die sich ihrer Stadt und Kultur annahmen, waren Eugene Field, George Ade, Henry Blake Fuller, Hamlin Garland, Robert Herrick und William Vaughn Moody.

Die Autoren Theodore Dreiser, Vachel Lindsey und Ring Lardner hoben sich von ihnen mit einem spitzzüngig mokanten Stil ab. Am bekanntesten wurde jedoch Upton Sinclair mit seinen sozialkritischen Büchern, vor allem über die Schlachthöfe von Chicago. Damit hatte er einen großen Einfluss auf die europäische Literatur und vor allem auf Schriftsteller, die der Arbeiterbewegung nahestanden wie etwa Bert Brecht. Sinclair lebte jedoch nur vorübergehend in Chicago. Spätere namhafte Literaten der Stadt waren James T. Farrell, Richard Wright, Nelson Algren, Gwendolyn Brooks und Saul Bellow. Die Kriminalautorin Sara Paretsky lässt ihre Detektivin V. I. Warshawski regelmäßig in Chicago ermitteln.

Bauwerke

Die höchsten Gebäude

Aon Center, dahinter Two Prudential Plaza

Die Innenstadt von Chicago bietet eine Ansammlung moderner Architektur. Dies fängt bei den typischen Wolkenkratzern um 1900 an und führt über die Meisterwerke Mies van der Rohes bis hin zum 1974 fertiggestellten Sears Tower. Chicago gilt auch als Geburtsort der Wolkenkratzer, da hier mit dem zehnstöckigen Home Insurance Building 1885 das erste Haus mit Stahlskelett errichtet wurde.

Am South Wacker Drive, Ecke Adams Street, steht das höchste Gebäude Chicagos, der Sears Tower. Im 103. Stock beherbergt es das Skydeck Observatory, wo man an klaren Tagen bis weit hinein nach Illinois, Michigan, Wisconsin und Indiana sehen kann. Das Hochhaus hat eine Höhe von 442 m und war bis 1998 das höchste Gebäude der Welt. Obwohl es dann von den Petronas Towers (452 m) in Kuala Lumpur übertroffen wurde, besaß es bis 2003, als der Taipei 101 (508 m) eröffnet wurde, das höchste nutzbare Stockwerk und das höchste Dach. Mit Antenne misst es sogar 527 m und ist bis heute der insgesamt höchste fertiggestellte Wolkenkratzer sowie das vierthöchste freistehende Bauwerk der Welt.

Gebäudefront am Chicago River

Das zur Zeit noch zweithöchste Gebäude, das Aon Center, misst bis zum Dach 346 m und das dritthöchste, das John Hancock Center 343 m – mit Antenne sogar 457 m, womit es das siebthöchste freistehende Bauwerk der Welt ist, fünf Meter höher als die Petronas Towers mit Spitze. Zur Zeit wird noch am Trump International Hotel & Tower gebaut, das 2009 mit 357 m (415 m inklusive Antenne) den Rang des zweithöchsten Gebäudes übernehmen wird.

Chicago besitzt noch einige Gebäude um die 280 m Höhe, beispielsweise das AT&T Corporate Center (Dachhöhe 270 m, 307 m mit Antennen, Fertigstellung 1989), Two Prudential Plaza (279 m bzw. 303 m mit Antenne, 1990), 311 South Wacker Drive (293 m, 1990), 900 North Michigan (265,5 m, 1989), Water Tower Place (262 m, 1976) und den Chase Tower (259 m, im Jahre der Fertigstellung 1969 das fünfthöchste Gebäude der Welt).

Für das Jahr 2012 ist die Vollendung des 610 m hohen Chicago Spire am Ufer des Michigansees geplant. Trotz dieser enormen Höhe wird der von dem spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene Wolkenkratzer nicht das höchste Gebäude der Welt sein, denn der Burj Dubai („Turm von Dubai“) in den Vereinigten Arabischen Emiraten überragt ihn deutlich mit einer Höhe von 818 m.

Weitere Bauwerke

Das kompakte Zentrum wird als The Loop bezeichnet, denn es wird umrundet von der „El“ genannten Hochbahn der städtischen Verkehrsgesellschaft CTA. Hier im Geschäftszentrum befinden sich das Art-Déco-Hochhaus der Chicago Board of Trade, wo die Hälfte der weltweiten Weizen- und Maisernte umgeschlagen wird und die Chicago Mercantile Exchange. Dort werden kostbare Metalle, bewegliche und unbewegliche Güter im Wert von ungefähr 50 Milliarden US-Dollar pro Tag gehandelt.

In der näheren Umgebung gibt es einige sehenswerte Gebäude. The Rookery, 209 South LaSalle Street, 1886 von Daniel Hudson Burnham und John Wellborn Root erbaut, zählt zu den berühmtesten und meistfotografierten Bauten der Stadt. Das maurisch-gotische Äußere lässt nicht vermuten, dass sich im Inneren eine lichtdurchflutete Eingangshalle befindet. Eine spiralförmige, freitragende Auslegertreppe, führt vom zweiten Stock nach oben. Nahe steht die Continental Illinois Bank, die mit 28 ionischen Marmorsäulen und Wandgemälden geschmückt ist.

Das Reliance Building, 32 North State Street, könnte während der Art-Déco-Zeit in den 1930er Jahren entstanden sein, wurde jedoch schon 1895 nach einem Entwurf von Daniel Burham fertig gestellt. Burham bestimmte das Gesicht von Chicago ganz entschieden; sein Fisher Building mit maritim inspirierten Terrakottafiguren steht in der 343 South Dearborn Street. Einen Häuserblock weiter südlich befindet sich das Manhattan Building von William LeBaron Jenney aus dem Jahre 1890, das erste Gebäude mit 16 Stockwerken. Von hier aus am Westufer des Flusses entlang erstreckt sich ein neu belebtes Stück Uferpromenade mit Straßencafés und Parks.

Old Water Tower und 900 North Michigan (rechts)
Pump Station, dahinter Water Tower Place

An der North Michigan Avenue steht eines der ältesten Gebäude Chicagos, der 1869 erbaute Old Water Tower (Alter Wasserturm). Das an ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert erinnernde Kalksteingebäude ist ein Wahrzeichen der Stadt und beherbergt inzwischen Chicagos Tourismus-Information. Das steinerne Schloss wird überragt von einem 30 m hohen Turm. Gegenüber auf der anderen Strassenseite steht die dazugehörige Pump Station. Beide gehören zu den wenigen Gebäuden, die den Großen Brand von 1871 überstanden haben. Nur wenige Schritte vom Old Water Tower entfernt befindet sich der Water Tower Campus der katholischen Loyola University Chicago. Er beherbergt die Fachbereiche für Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft.

Crown Hall

Auch Ludwig Mies van der Rohe prägte die Architektur der Stadt. Am Ufer des Chicago River steht ein Gebäude, das allgemein als sein Meisterwerk angesehen wird, das IBM Building von 1971. An seinem sanften Licht- und Schattenspiel zwischen Bronze und Rauchglas haben sich weltweit unzählige Architekten orientiert. Weitere Gebäude Mies van der Rohes sind unter anderem die Lake Shore Drive Apartments (zwei identische Türme mit außenseitiger Stahlrahmenkonstruktion), das Federal Center (drei Gebäude mit großem Platz und roter Skulptur) und mehrere Gebäude für das Illinois Institute of Technology, beispielsweise die Crown Hall, eine Kombination aus Stahl und Glas.


Frank Lloyd Wright ist für seine so genannten Präriehäuser bekannt. Viele dieser Häuser entstanden außerhalb von Chicago, jedoch eins befindet sich auch innerhalb der Stadtgrenzen und zwar das zwischen 1907 und 1909 auf dem Campus der University of Chicago gebaute Robie House. Typisch für diese freistehenden Gebäude sind ausgreifende Dächer, horizontale Fensterbänder und eine freie Grundrissgestaltung um einen zentral gelegenen Kamin.

Wrigley Building (links) und Tribune Tower (rechts)

Nach Plänen Helmut Jahns entstand zwischen 1979 und 1983 das State of Illinois Center. Das 94 Meter hohe Regierungsgebäude aus Granit und Stahl beherbergt um die zentrale Rotunde angeordnet Büros, Geschäfte, Restaurants und Galerien. Am 10. Mai 1993 wurde es nach dem ehemaligen Gouverneur James Thompson benannt.

Sehenswert sind auch das Wrigley Building (im Auftrag des gleichnamigen Wrigley-Kaugummikonzerns erbaut), der Tribune Tower, die Green Mill (Stammkneipe des Gangsters Al Capone, noch immer im Stil der 1920er Jahre eingerichtet), das 1920 am Lincoln Park eröffnete Drake Hotel und die Zwillingstürme der Marina City, die später als Vorlage des Augsburger Hotelturms dienten. In Old Town, westlich der LaSalle Street, steht die 1873 erbaute St Michaels Church. Sie bildete ursprünglich den Mittelpunkt einer deutschen Gemeinde. Heute leben dort Menschen verschiedener Herkunftsländer.

Im Zentrum der Stadt befindet sich die im Jahr 1922 erbaute Al-Sadiq-Moschee.

Parks

Lincoln Park im Winter, im Hintergrund das John Hancock Center und 900 North Michigan
Jay Pritzker Pavilion von Frank Gehry im Millennium Park

Der Grant Park erstreckt sich östlich des Art Institutes bis zum Lake Michigan und wird von Schnellstraßen und Eisenbahnschienen durchzogen. Im Zentrum der nördlichen Parkhälfte befindet sich der Clarence Buckingham Memorial Fountain and Garden (gestaltet von Marcel Francois Loyau), wo täglich von Sonnenuntergang bis 23 Uhr die Licht- und Wassershows veranstaltet werden. Fast an jedem Wochenende wird in der Gegend um die Petrillo Music Shell, gleich hinter dem Art Institute, ein Musikfestival abgehalten, sei es Gospel, Blues, Country, Jazz oder Klassik. Die größten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich um die landschaftlich neu gestaltete Südhälfte des Grant Park, den so genannten Museum Campus.

Südlich vom Art Institute steht der marmorverkleidete, von Daniel Burham entworfene griechische Tempel, der das Field Museum of Natural History beherbergt. Auf der gegenüberliegenden Seite des verkehrsreichen Lake Shore Drive, am Ufer des Lake Michigan befindet sich das Shedd Aquarium, eines der größten überdachten Aquarien der Welt. Das angeschlossene Oceanum bildet einen enormen Kontrast zum Aquarium. Die Anlage soll eine Felsenküste in Alaska darstellen – eine aufwendige Inszenierung, bei der die „natürlichen Verhaltensweisen“ der Tiere vorgeführt werden.

Im Lincoln Park, einer ausgedehnten Grünfläche Chicagos, befindet sich auch der städtische Zoologische Garten (Lincoln Park Zoo). Vom Lake Michigan landeinwärts liegt das Lincoln-Park-Viertel: Es konzentriert sich entlang der Lincoln Avenue und der Clark Street. Die Halsted Street, an der viele Blues-Lokale und Nachtklubs liegen, verläuft in Nord-Süd-Richtung mitten durch das Viertel.

Der 2004 eröffnete Millennium-Park am Ufer des Michigansees ist die erste Kultureinrichtung der USA die Audio-Führungen im digitalen MP3-Format anbietet. Der Jay-Pritzer-Musikpavillon mit seiner herausragenden Akustik und die Fußgängerbrücke sind ein Entwurf des Architekten Frank Gehry. Beim Crown Fountain (Kronen-Brunnen) von Jaume Plensa fließt das Wasser begleitet von wechselnden Video- und Lichteffekten an zwei Glastürmen herab. 2006 wurde vom indischen Bildhauer Anish Kapoor die Skulptur Cloud Gate errichtet. Die 110 Tonnen schwere, rostfreie Stahlkonstruktion reflektiert die Skyline von Chicagos Loop.

Der Brookfield Zoo ist ein Tierpark in Brookfield, einem Vorort von Chicago. Er nimmt eine Fläche von 57,4 Hektar ein. Der Tierbestand umfasst 3100 Tiere aus 450 Arten. Der Zoo öffnete am 1. Juli 1934 seine Tore und gewann schnell internationale Anerkennung, weil er anstelle vieler Gitter großzügige Schluchten und Wassergräben verwendete, um die Tiere von den Besuchern zu trennen. Der Tierpark war auch der erste in den USA, der Große Pandas zur Schau stellte, von denen ein Exemplar präpariert und an das Field Museum of Natural History in Chicago abgegeben wurde.[17]

Sport

Wrigley Field – Stadion der Chicago Cubs
U.S. Cellular Field – Stadion der Chicago White Sox
Galopprennen, Arlington Park Race Course, Chicago

Ein bekanntes Team der Stadt sind die Chicago Bears, eine American Football Mannschaft, welche in der National Football League (NFL), der bedeutendsten amerikanischen Profiliga, spielt. Die Bears spielen dort in der National Football Conference (NFC), in der Northern Division. Sie gewannen 1986 den Super Bowl. Ihre Heimstätte ist das Soldier Field.

Die Chicago Blackhawks sind eine Eishockeymannschaft in der National Hockey League. Das Team wurde 1926 gegründet und gehört zu den Original Six Teams der NHL. Sie konnten den Stanley Cup bisher dreimal gewinnen, zuletzt 1960/61. Die Heimspiele werden im United Center ausgetragen. Die Vereinsfarben sind rot, weiß und schwarz.

Die Chicago Bulls sind eine Mannschaft der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Seine Heimspiele trägt das Team im United Center aus. Die Bulls gehören durch ihre Erfolge in den 1990er Jahren zu den weltweit bekanntesten Mannschaften der NBA. Seit 2006 spielt mit Chicago Sky zudem ein Team in der WNBA. Sie tragen ihre Heimspiele UIC Pavilion aus.

Die Chicago Cubs sind ein Baseball-Team. Sie spielen in der Central Division der National League. Die Chicago Cubs wurden 1870 gegründet. Ihre Heimspiele trägt die Mannschaft im Wrigley Field aus. In den ersten Jahrzehnten der National League zählten die Cubs zu den dominierenden Teams der Liga. Sie gewannen die World Series 1907 und 1908. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erreichten sie jedoch nie mehr wieder ihre einstige Stärke.

Chicago Fire ist ein Team der Fußball-Profiliga Major League Soccer (MLS). Schon in ihrer ersten Saison 1998 gewannen sie den MLS Cup. Außerdem holten sie 1998, 2000, 2003 und 2006 den U.S. Open Cup. Stadion ist der Toyota Park in Bridgeview.

Die Chicago White Sox sind ein Major-League-Baseball-Team der American League. Der Verein trägt seine Heimspiele im U.S. Cellular Field (bis 2003 New Comiskey Park) aus. Dort fand am 6. Juli 1933 auch das erste All-Star-Game der Major League Baseball statt, das die American League mit 4:2 gewann. Die White Sox sind dreimaliger Gewinner der World Series (1906, 1917 und 2005).

Die Chicago Wolves sind eine Eishockeymannschaft in der American Hockey League (AHL). Ihr Heimstadion ist die Allstate Arena in Rosemont bei Chicago, in der 16.700 Menschen Platz haben. Gegründet wurde der Verein 1994. 2001 stiegen sie von der International Hockey League (IHL) in die AHL auf. In der IHL haben sie den Turner Cup 1998 und 2000 gewonnen und in der AHL 2002 und 2008 den Calder Cup.

Seit 1977 findet alljährlich im Oktober der Chicago-Marathon statt. Er gehört zu den größten Marathonveranstaltungen weltweit und ist einer der fünf World Marathon Majors.

Chicago wurde am 14. April 2007 als offizielle Bewerbungsstadt der Vereinigten Staaten um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016 gewählt.[18] In Chicago fanden bereits die Panamerikanischen Spiele 1959 statt. Zudem wurden zunächst die Olympischen Sommerspiele 1904 nach Chicago vergeben. Die amerikanische Regierung bat aber um Verlegung nach St. Louis, da dort die Weltausstellung stattfand und die Stadt ihr 100-jähriges Bestehen feierte.[19]

Der Chicagoland Speedway liegt südlich des Stadtzentrums in unmittelbarer Nähe der Illinois Route 53 zwischen Joliet und Wilmington. Die Zuschauerkapazität beträgt 75.000 Plätze. Seit der Eröffnung im Jahre 2001 wurde er zu einem unerwarteten Anziehungspunkt für NASCAR- und Indy Racing League-Veranstaltungen, bei denen die Eintrittskarten oftmals bereits Monate im Voraus ausverkauft sind.

Regelmäßige Veranstaltungen

Frühling und Sommer

Riesenrad am Navy Pier

Das Ravinia Festival, ein Open-Air-Festival, dauert drei Monate. Dabei werden im Highland Park mehr als 100 Veranstaltungen und Konzerte – von der Klassik bis zum Pop – abgehalten. Auf dem Great Chicago Places and Spaces zeigt die Stadt Chicago ihre Erfolge auf den Gebieten Architektur, Stadtgestaltung sowie Landschafts- und Umweltplanung. Das Gospel Music Festival präsentiert im Grant Park Gospeldarbietungen bedeutender Künstler aus dem ganzen Land. Beim Printer’s Row Book Fair treffen sich Autoren, Dichter, Buchhändler und Leser aus dem Mittleren Westen der USA. Das Gold Coast Art Fair im Stadtteil Gold Coast ist Treffpunkt hunderter Künstler und Kunstliebhaber aus der ganzen Welt.

Beim viertägigen Blues Festival im Juni treten im Grant Park dutzende Blues-Musiker auf. Old Town Art Fair ist einer der ältesten und anspruchsvollsten Kunstmärkte des Landes. Taste of Chicago ist ein dem kulinarischen Genuss gewidmetes Festival zahlreicher Restaurants der Stadt. Die Venetian Night-Parade präsentiert am Seeufer Chicagos themenspezifisch-dekorierte Boote mit dazu passender Musik und abschließendem Feuerwerk. Die Air & Water Show zeigt am Strand Darbietungen der weltweit besten Militär- und Zivilpiloten. Das Jazz Festival im Grant Park findet im September am Labor Day mit zahlreichen Jazz-Künstlern statt.

Herbst und Winter

Grün gefärbter Chicago River am St. Patrick’s Day

Auf dem Chicago Celtic Festival werden Bilder, Glass, Kleider, Keramik und Schmuck nationaler sowie internationaler Kunsthandwerker ausgestellt und verkauft. Jedes Jahr im Oktober schauen etwa eine Million Menschen den Läufern beim Chicago Marathon zu. Das Chicago International Film Festival gehört zu den ältesten Filmveranstaltungen Nordamerikas und wird seit 1965 alljährlich im Oktober durchgeführt. Als Hauptpreis wird der Gold Hugo verliehen. Die State Street Thanksgiving Parade zeigt geschmückte Umzugswagen und Ballons. Beim Magnificent Mile Lights Festival wird im November die Magnificent Mile zu einer Winterlandschaft gestaltet.

Auf dem Christkindlmarket werden Baumschmuck, Spielzeug, Nussknacker und Glaswaren aus Europa in Holzbuden und Zelten auf der Daley Plaza verkauft. Die Chicago Boat, RV und Outdoors Show zeigt hunderte Boote und Wohnmobile. Die Chicago Auto Show präsentiert im Februar die neuesten Automodelle. Die Chicago Flower and Garden Show ist eine Ausstellung zum Thema Garten. Am St. Patrick’s Day findet zu Ehren des irischen Nationalheiligen St. Patrick jährlich am 17. März eine große Parade statt.

Gastronomie

Eine “deep-dish” Pizza

Chicago beherbergt zahlreiche Restaurants mit internationaler Küche. Ganz oben rangiert die italienische Küche, von der deep-dish Pizza (1953 in der Pizzeria Uno, 29 East Ohio Street, kreiert) bis zu den Trattorias. Beliebt sind auch Thai-Restaurants und mediterrane Esslokale. Daneben gibt es viele osteuropäische, deutsche, mexikanische, chinesische, indische und sogar burmesische und äthiopische Küchen.

In zahlreichen Restaurants werden dem Gast ribs vom Grill serviert, eine Hinterlassenschaft aus der Zeit, als Chicago die Fleischbank der Nation war. Die meisten Gaststätten befinden sich westlich und nördlich vom Loop, beispielsweise in Greek Town, in der Umgebung der Halsted Street, Ecke Jackson Boulevard, und in Little Italy, Taylor Street und Umgebung. In Near North und River North gibt es zahlreiche feine Speiselokale, und in Chinatown kantonesische und Sichuanküche.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Überblick

Michigan Avenue
Das Board of Trade Building bei Nacht

Chicago ist ein bedeutender Industriestandort und Messeplatz sowie Sitz zahlreicher Konzerne und Verbände. Von Bedeutung ist die Herstellung elektronischer Geräte, der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Verarbeitung von Nahrungsmitteln, das Druckgewerbe und die Herstellung von Präzisionsinstrumenten, Stahl, Metallwaren, Textilien und chemischen Erzeugnissen. Der Hafen dient dem Export von Erdöl, Eisenerz, Kohle, chemischer Erzeugnisse, Textilien und Getreide. Importiert werden Kraftfahrzeuge, Stahl, Fisch und Fischerzeugnisse sowie alkoholische Getränke.

War es einst kanadisches Holz, welches über die Großen Seen nach Chicago gelangte, und von da aus unter anderem zur Erschließung des Westens verteilt wurde, waren es später landwirtschaftliche Produkte und Rinder, die ab Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund immer besserer Erschließung des Westens und Südens mit der Eisenbahn in immer größeren Mengen nach Chicago gebracht wurden, und dort gehandelt wurden.

Bereits 1848 wurde daher die Chicago Board of Trade gegründet, an welchem seither die großteils landwirtschaftlichen Rohstoffe sowie Futures und Optionen gehandelt werden. 1898 wurde der „Chicago Butter and Egg Board“ eröffnet, die heutige Chicago Mercantile Exchange, die größte Warenterminbörse der USA.

Die Arbeitslosigkeit in Chicago liegt seit 1990 deutlich über dem nationalen Durchschnitt in den USA. Die offizielle Arbeitslosenquote in der Stadt lag 1990 bei 9,0 Prozent (USA 5,6 Prozent), fiel dann bis 2000 auf 5,5 Prozent (USA 4,0 Prozent) und stieg dann wieder bis 2002 auf 8,2 Prozent (USA 5,8 Prozent). Bis 2006 sank die Quote auf 5,2 Prozent (USA 4,6 Prozent).[20]

Zahlreiche Weltkonzerne haben ihren Sitz in Chicago: Boeing (einer der weltweit größten Hersteller von zivilen und militärischen Flugzeugen und Hubschraubern sowie von Militär- und Weltraumtechnik), Encyclopædia Britannica Inc. (Enzyklopädie), Hyatt (eine der weltweit größten Hotelketten), Midway Games (Spieleentwickler), Playboy Enterprises (Medienunternehmen), Tribune Company (Medienunternehmen), McDermott Will & Emery (global operierende Anwaltskanzlei) und Wm. Wrigley Jr. Company (der weltgrößte Hersteller von Kaugummi). Auch der amerikanische Hauptsitz des deutschen Konzerns Siemens bzw. von dessen Bereich die Building Technology Group hat ihren Sitz in Chicago (Buffalo Grove).[21]

Einzelhandel

Einkaufszentrum „Merchandise Mart“

Abgesehen von Bürohochhäusern umfasst der Loop auch einige sehenswerte Kaufhäuser aus der Zeit um 1900, wie zum Beispiel das 1899 von Louis Sullivan entworfene Carson Pirie Scott-Kaufhaus, 1 South State Street. Zwei Häuserblocks nördlich liegt an der Ecke State Street und Washington Street das vergleichsweise schlichte Marshall Fields, eines der ältesten und größten Kaufhäuser der Welt.

Manche Kaufhäuser sind direkt von der North Michigan Avenue – auch Magnificent Mile („Prächtige Meile“) genannt – her zu betreten, viele befinden sich innerhalb großer Einkaufszentren. Das älteste ist das Water Tower Place, 835 North Michigan Avenue, mit mehr als 100 Geschäften auf sieben Stockwerken sowie einem belebten Food-Court. In großzügigerem Gewand kommt die 900 North Michigan Avenue daher, die auch etwas anspruchsvollere Läden beherbergt, darunter Bloomingdale’s, Gucci und Aquascutum.

Crate & Barrel

Ebenfalls in der North Michigan Avenue bietet das Möbel- und Einrichtungshaus Crate & Barrel internationale Haushaltswaren, Möbel und Wohnaccessoires. Dutzende von Boutiquen mit Mode von Giorgio Armani, Prada, Hino & Malee sowie Sonia Rykiel befinden sich in der Oak Street, einer Querstraße zur North Michigan Avenue. Im Foyer des Chicago Theaters ist das Holiday Hospitality Center untergebracht.

Eines der weltweit größten Einkaufszentren steht in Schaumburg, außerhalb der Grenzen von Chicago. Die Woodfield Mall mit ihren 285 Läden wird jährlich von etwa 27 Millionen Menschen besucht; zwar ist es mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch vom 50 km entfernt liegendem Stadtzentrum Chicagos erreichbar, aber für die Vororte ist ein anderes ÖPNV-Behörde (PACE) zuständig als für innerhalb der Stadt (CTA). Ebenfalls nicht in Chicago, sondern in Gurnee, befindet sich das Einkaufszentrum Gurnee Mills, wo man Waren ab Fabrik zu reduzierten Preisen kaufen kann. Im Gebäude sind Geschäfte von über 200 Markenherstellern untergebracht. Die Mehrwertsteuereinnahmen aus diesen beiden großen Einkaufzentren kommen der Stadt Chicago nicht zugute, sondern verbleiben in den vergleichsweise wohlhabenden Vororten. Auf die Baugenehmigungen und stadtplanerischen Entscheidungen, die für diese zentrumsfernen Angebote verantwortlich sind, hat die Stadt Chicago ebenfalls keinen Einfluss, selbst wenn dies die Nachfrage in den innerstädtischen Filialen der Kaufhäuser kannibalisiert.

Verkehr

Fernverkehr

Autobahnen
Lake Shore Drive, die streckenweise als autobahnähnliche Schnellstraße ausgebaut ist

Die Stadt hat über Autobahnen Verbindung in alle Teile des Landes. Allerdings befinden sich die Fahrzeuge auf den Expressways von und zur Innenstadt während der Hauptverkehrszeit meist im Stau.

Die Interstate 55, die aus Louisiana über St. Louis nach Chicago kommt, stößt in der Stadtmitte auf den U.S. Highway 41 (Lake Shore Drive) neben McCormick Place zu. In der Metropolregion Chicago wird sie Adlai E. Stevenson Expressway genannt, zu Ehren eines wichtigen Politikers aus Illinois. Der Abschnitt zwischen Chicago und St. Louis läuft parallel zur oder auf der Strecke der ehemaligen Route 66.

Die Interstate 57 führt von dem südlichen Ende der Dan Ryan Expressway in Chicago, wo sie die Interstate 94 verlässt, über Champaign (Illinois) und Cairo (Illinois) nach dem Ort Miner im Südosten von Missouri, wo sie mit der Interstate 55 zusammentrifft.

Auch die Interstate 90 (Seattle-Boston) und die Interstate 94 (Montana-Minneapolis-Detroit-Kanada) durchqueren Chicago.

Eisenbahnverkehr
Wells Street Station um 1910

Die Stadt ist mit mehreren Rangierbahnhöfen größter Eisenbahnknotenpunkt der Welt. Mit dem Rückgang des Personenaufkommens im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwanden die meisten der früher sechs Fernbahnhöfe aus dem Bild der Stadt. Obwohl manche der Bahnhöfe noch für den Vorortsverkehr benutzt werden, hat für den Fernverkehr einzig die Union Station in reduzierter Form überlebt; diese wird dazu von Amtrak bedient (siehe auch Bahnhöfe in Chicago). Die Union Station ist bis heute Ausgangspunkt mehrerer transkontinentaler Fernverkehrszüge, so verkehren von hier unter anderem der Empire Builder nach Seattle mit Kurswagen nach Portland (Oregon), der California Zephyr nach San Francisco/Emeryville, der Southwest Chief via Albuquerque nach Los Angeles und der Texas Eagle via San Antonio nach Los Angeles (weitere Züge siehe Liste der Amtrak-Fernzüge).

In der Stadt hat mit der 1882 gegründeten Belt Railway of Chicago (BRC) die größte Rangiereisenbahngesellschaft der USA ihren Sitz. Sie betreibt eine Strecke von 45 km, sowie Gleisanlagen von insgesamt 885 km in und um Chicago. Der Rangierbahnhof Clearing Yards hat eine Länge von 9 km und nimmt ein Fläche von 318 ha ein. Er ist zweiseitig und in beiden Richtungen mit Gleisbremsen ausgerüstet, seine Richtungsharfen haben in Richtung Westen 36 und in Richtung Osten 56 Gleise. Die Gesellschaft hat 520 Beschäftigte und bewegt jeden Tag rund 8.400 Güterwagen. Außerdem stellt die BRC die Anschlüsse zu rund 100 Industriebetrieben her.

Ehemalige Eisenbahngesellschaften mit Sitz in Chicago waren: Chicago and North Western Railway (1859–1995), Chicago, Burlington and Quincy Railroad (1849–1970), Chicago Great Western Railroad (1885–1968), Chicago, Milwaukee, St. Paul and Pacific Railroad (1847–1986), Chicago, Rock Island and Pacific Railroad (1847–1980) und Illinois Central Railroad (1851–1999).

Flugverkehr
Luftaufnahme des Midway Airport

Der O’Hare International Airport in Chicago ist mit einem jährlichen Passagieraufkommen von rund 70 Millionen Fluggästen der nach Atlanta am stärksten frequentierte Flughafen der Welt. Er wurde nach Edward O’Hare, einem Kampfflieger aus dem Zweiten Weltkrieg, benannt. O’Hare ist das wichtigste Drehkreuz (Hub) von United Airlines, deren Firmenzentrale in der Nähe liegt, und der zweitgrößte Hub für American Airlines.

Vor dem Ausbau von O’Hare in den späten 1950er Jahren war Flughafen Chicago-Midway, der im Südwesten der Stadt liegt, der Hauptflughafen von Chicago. Inzwischen wird dieser Flughafen vor allem von Billigfluggesellschaften angeflogen; die Expansion dieses Marktsegments in den letzten Jahren hat zu einer Generalüberholung und Vergrößerung des Terminalgebäudes geführt. Bis in die 1950er Jahre hinein war Midway der am stärksten frequentierte Flughafen der Welt und eines der zentralen Luftfahrt-Drehkreuze für US-amerikanische Fluggesellschaften. United Airlines hatte hier ihr Hauptquartier, und auch American Airlines war vor ihrem Umzug nach New York in den 1930ern hier beheimatet.

Das Meigs Field war ein Flughafen auf einer Halbinsel im Michigansee vor Chicago. In einer umstrittenen Aktion veranlasste Bürgermeister Richard M. Daley am 30. März 2003, mitten in der Nacht, die Zerstörung der Landebahn. Mit schwerem Gerät wurden große „X“ in die Landebahn gegraben. Da weder die Federal Aviation Administration noch die Eigentümer der sich am Boden befindenden Flugzeuge informiert wurden, befanden sich nach dieser Aktion 16 Flugzeuge auf dem Flugplatz, ohne dass dieser über eine intakte Startbahn verfügte. Später erlaubte man diesen Flugzeugen von der Rollbahn aus zu starten.

Schifffahrt
Navy Pier
Boote am Monroe Harbor

1825 wurde Chicago durch den Erie-Kanal mit dem Atlantik verbunden, und 1848 der „Illinois- und Michigankanal“ als Verbindung des Chicago Rivers mit dem in den Golf von Mexiko mündenden Illinois River fertig gestellt. Diese Lage am Knotenpunkt der Nord-Süd- und West-Ost-Wasserstraßen, die damals die wichtigsten kontinentalen Transportrouten darstellten, brachte dem Handel und Wachstum der ohnehin bereits bedeutenden und stark wachsenden Stadt erneut einen enormen Aufschwung. Bis 1854 wurde der „Illinois- und Michigankanal“ auch von vielen Passagierschiffen befahren, was sich jedoch mit der Fertigstellung einer parallel zum Kanal verlaufenden Eisenbahnstrecke änderte.

Ab 1871 erreichten Chicago mehr Güterschiffe als die anderen großen Hafenstädte New York, Philadelphia, Baltimore, Charleston und San Francisco zusammen. 1889 liefen mehr als 22.000 Schiffe Chicago an, womit der Stadthafen an den Ufern des Flusses, zumindest was die Schiffsfrequenz betraf, zum damals größten der Welt wurde. Danach sank die Bedeutung des Hafens jedoch wieder, da der Höhepunkt des Gütertransports am Wasser aufgrund der rasch wachsenden Erschließung der wichtigen Handels- und Industriestädte des Kontinents durch Eisenbahnstrecken bereits überschritten war.

Ab dem Jahr 1900 wurde der „Illinois- und Michigankanal“ durch den größeren Chicago Sanitary and Ship Canal zusehends abgelöst. Dieser verbindet seit 1933 – dem Jahr der Stilllegung des „Illinois- und Michigankanals“ – als einziger den Michigansee über den Chicago River mit dem Illinois River. 1910 kam noch der Norduferkanal (North Shore Canal) dem Chicagoer Kanalsystem hinzu, welcher nur einige Kilometer nördlich von Chicago – in der Vorstadt Wilmette – an den Michigansee anschließt, um nur wenige Kilometer weiter südlich, noch innerhalb des Stadtgebiets von Chicago, in den Chicago River zu münden. 1922 wurde das Wasserstraßensystem schließlich um den Calumet-Sag-Kanal erweitert, der südwestlich von Chicago den Sanitary and Ship Canal mit dem Fluss Little Calumet verbindet. Dieser mündet im Süden des Chicagoer Stadtgebietes in den Calumet River, wohin sich der Industriehafen seither nach und nach verlagerte, weshalb der Chicago River als Güterweg heute kaum noch eine Rolle spielt.

Nahverkehr

Schienenverkehr
Knotenpunkt der Brown Line und Orange Line im Südwesten des historischen Zentrums von Chicago

Die Chicago Elevated ist das städtische Haupt-Schienen- und U-Bahn-Verkehrsmittel in Chicago. Gemäß der Chicago Transit Authority (CTA) heißt das Zugnetz ‘L’ als Abkürzung für „elevated“ (englisch für erhöht). Die innerstädtische Hochbahn verknüpft die verschiedenen Zuglinien, welche acht angrenzende Vorstädte, Dörfer und Gemeinden mit Chicago verbinden. Die ältesten Teile der ‘L’ stammen aus dem Jahre 1892.

Die CTA ist eines der bestfrequentierten Verkehrssysteme der USA. Nach Statistiken aus dem Jahre 2003 benutzten pro Jahr 150 Millionen Personen das Verkehrsmittel. Chicago ist eine der wenigen amerikanischen Städte, welche die Stadt durch Nahverkehr mit zwei großen Flughäfen verbinden. Die Fahrt mit der Blue Line von der Innenstadt zum Flughafen Chicago O’Hare dauert etwa 40 Minuten, mit der Orange Line zum Midway Airport etwa eine halbe Stunde.

Die Metra Commuter Trains starten von verschiedenen Punkten in Downtown und haben die Vororte und weiter außerhalb liegende Gebiete zum Ziel, unter anderem Oak Park und Hyde Park. Dieses S-Bahn-ähnliche System benutzt die Schienen der Fern- und Güterbahngesellschaften.

Die erste Pferdestraßenbahn fuhr in Chicago zwischen 1858 und 1906, die Kabelstraßenbahn vom 28. Januar 1882 bis 21. Oktober 1906. Die elektrische Straßenbahn war zwischen 2. Oktober 1890 und 21. Juni 1958 in Betrieb.

Straßenverkehr
Straßenverkehr in Downtown

Betreiber des städtischen Busnetzes, das alle umliegenden Orte mit Chicago verbindet, ist die CTA. An einem durchschnittlichen Wochentag befördern die Fahrzeuge der Gesellschaft mehr als 1,43 Millionen Passagiere: 476.000 im Fernverkehr, 952.100 im Busverkehr und 7.700 nachfragebezogen. Die Omnibusse verkehren während der Stoßzeiten alle fünf bis 15 Minuten, ansonsten fast rund um die Uhr alle acht bis 20 Minuten. Die Gesellschaft besitzt rund 2.000 Busse, welche 154 Linien und mehr als 12.000 Haltestellen bedienen. Das Busnetz hat eine Länge von 3.658 Kilometer.[22]

Vom 17. April 1930 bis 25. März 1973 fuhren Trolleybusse in der Stadt.

Chicago ist Gründungsort des Taxiunternehmens „Yellow Cab“. Es besitzt mittlerweile fast überall in den USA Tochterunternehmen. Die gelbe Farbe der Fahrzeuge wurde vom Unternehmensgründer John Daniel Hertz (1879–1961) ausgewählt. Eine Untersuchung der Universität von Chicago hatte ergeben, dass gelb die am leichtesten zu erkennende Farbe ist. Neben den „Yellow Cabs“, die auf Handzeichen halten, gibt es noch zahlreiche andere Taxiunternehmen in Chicago.

Schiffsverkehr

Von April bis Oktober ist während der Hauptverkehrszeit ein Schiffspendelverkehr auf dem Chicago River in Betrieb, der RiverBus fährt in acht Minuten von der Michigan Avenue Bridge zur Union Station.

Medien

Printmedien

Das 2005 errichtete Gebäude der Chicago Sun-Times

Wichtige Tageszeitungen in der Stadt sind Chicago Tribune, Chicago Sun-Times, Daily Southtown, Chicago Defender, Newcity News, Daily Herald, StreetWise und Chicago Reader.

Die Chicago Tribune ist eine überregionale Zeitschrift im Mittleren Westen der USA. Das in Chicago ansässige Blatt ist eine wichtige konservative Publikation in der Region. Im Laufe der Jahre gewannen Journalisten der Tribune 24 Pulitzer-Preise. Die Zeitung gehört der Tribune Company. Hauptkonkurrent im Markt von Chicago ist die liberalere Chicago Sun-Times.

Die Chicago Sun-Times ist eine Tageszeitung aus Chicago. Im Vergleich zu ihrem Hauptkonkurrenten, der Chicago Tribune konzentriert sie sich mehr auf das Stadtgeschehen. Sie hat weniger Abonnenten, verkauft sich aber erfolgreicher an den Zeitungskiosken. Sie steht politisch eher links der Tribune. Bekannt wurde sie für ihren investigativen Journalismus.

Rundfunk und Fernsehen

Chicago ist nach New York und Los Angeles der drittgrößte Markt in den USA. Alle bedeutenden amerikanischen Rundfunk- und Fernsehnetzwerke haben Niederlassungen in der Stadt. Dort wird die Oprah Winfrey Show, die bei weitem erfolgreichste Talkshow des amerikanischen Fernsehens, sowie die Jerry Springer Show produziert. Oprah Winfrey wurde 2005 vom renommierten Wirtschaftsmagazin Forbes zum einflussreichsten Prominenten der USA gekürt.[23] Mit Polvision hat der größte polnischsprachige Fernsehsender außerhalb Polens seinen Sitz in Chicago.

Film

Die Batman-Filme Batman Begins und The Dark Knight wurden in Chicago gedreht. Die Stadt dient in dem Filmen als Kulisse für die fiktive Metropole Gotham. Auch bekannte Sehenswürdigkeiten der Stadt sind in den Filmen zu sehen. So hat zum Beispiel Bruce Wayne alias Batman den Hauptsitz seiner Firma im Chicago Board of Trade Gebäude. Auch der Chicago River ist deutlich zu erkennen.

Zahllose andere Filme (u.a. Blues Brothers) wurden in und um Chicago gedreht. Besondere Bekanntheit erlangte eine heute nicht mehr existierende Straße unter der hochbahnartigen Chicago Elevated.

Bildung

Chicago Campus der Northwestern University
Harold Washington Public Library

Die Stadt beherbergt zahlreiche bedeutende Universitäten, Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Mit der architektonisch im Stil der beaux arts gestalteten Harold Washington Public Library befindet sich die größte öffentliche Bibliothek der Welt in Chicago.

Die University of Chicago entstand 1890 als eine der wichtigsten privaten Universitätsgründungen in den USA. Sie wurde nach dem Vorbild deutscher Universitäten Humboldtscher Prägung konzipiert. Die Hochschule ist Gründungsmitglied der Association of American Universities, einem seit 1900 bestehenden Verbund führender forschungsintensiver nordamerikanischer Universitäten. Das vorrangige Ziel der neuen Universität lag in der Forschung und in der Lehre auf der Stufe des Hauptstudiums (Graduate Studies).

Die University of Illinois at Chicago ist eine staatliche Universität mit etwa 25.000 Studenten. Sie ist die größte Hochschule in Chicago und die zweitgrößte Hochschule des University of Illinois-Systems. Die Ursprünge gehen auf die Gründung des Chicago Charitable Eye and Ear Infirmary 1858, des College of Pharmacy 1859 und des College of Physicians and Surgeons 1882 zurück. Diese Institutionen wurden 1890 in der University of Illinois zusammengefasst. An der University of Illinois at Chicago sind etwa 14.000 Studenten eingeschrieben.

Die DePaul University wurde 1898 als katholische Hochschule gegründet und ist heute mit etwa 24.000 Studenten die größte Privatuniversität in Illinois. Sie ist außerdem die größte katholische Hochschule in den USA. Sie ist auf zwei Standorte verteilt: Der ältere Campus liegt im Ortsbezirk Lincoln Park, der neuere liegt innerhalb des Loops in der Innenstadt. Es gibt vier kleinere Außenstellen in den Vororten Naperville, Lake Forest, Oak Forest, und Rolling Meadows.

Die Loyola University Chicago ist eine private Universität in Chicago und mit 15.000 Studenten die größte Jesuitenhochschule in den USA. Sie wurde 1870 als Saint Ignatius College gegründet und ist eine von 28 Mitgliedshochschulen der Association of Jesuit Colleges and Universities. Die Sportteams der Loyola University Chicago sind die Ramblers. Die Hochschule ist Mitglied in der Horizon League.

Die Northwestern University ist eine Privatuniversität, deren Hauptcampus außerhalb Chicagos in Evanston liegt; sie betreibt aber auch einen Zweitcampus innerhalb der Stadt. Der Campus in Chicago befindet sich in der Nähe der Magnificent Mile. Die Chicago El, die städtische U-Bahn, verbindet den Campus in Evanston mit Chicago. Die Universität wurde 1851 von Methodisten aus Chicago (darunter John Evans, nach dem Evanston benannt wurde) gegründet, und 1855 mit zwei Professoren und zehn Studenten eröffnet.

Siehe auch: Liste weiterführender Bildungseinrichtungen in Chicago

Skyline Chicagos

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Viele bekannte Persönlichkeiten sind in Chicago geboren, wie etwa die ehemalige First Lady der USA und derzeitige Außenministerin Hillary Clinton, der Schriftsteller Ernest Hemingway, der Trickfilm-Produzent Walt Disney oder die Schauspielerin Gillian Anderson.

Weitere Personen, siehe: Liste der Söhne und Töchter von Chicago

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Literatur

  • Kristin Becker: Chicago. Ein Mythos in seinen Inszenierungen. Tectum-Verlag, Marburg, 2005, ISBN 3-8288-8929-8
  • Marco d’Eramo: Das Schwein und der Wolkenkratzer. Chicago: Die Geschichte unserer Zukunft. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1998, ISBN 3-499-60520-1
  • Hugh Dalziel Duncan: The Rise of Chicago as a Literary Center from 1885 to 1920: A Sociological Essay in American Culture. 1964.
  • Howard B. Furer: Chicago: A Chronological & Documentary History, 1784–1970. Oceana Publications, New York City, 1974, ISBN 0-379-00609-X
  • Geo Special: Chicago und die Großen Seen. Gruner & Jahr, Hamburg, 1997, ISBN 3-570-19102-8
  • Dale Kramer: Chicago Renaissance: The Literary Life in the Midwest, 1900–1930. 1968.
  • Astrid Krüger: Die wirtschaftliche Situation der polnischen Emigranten in Chicago und ihre Auswirkung auf Gebiete des sozialen Lebens 1880–1900. Tectum-Verlag, Marburg, 1999, ISBN 3-8288-0694-5
  • Carl S. Smith: Chicago and the American Literary Imagination, 1880–1920. 1984, ISBN 0-226-76371-4
  • Upton Sinclair : Der Dschungel. Rowohlt Verlag, Feb. 1985, ISBN 3-499-15491-9

Einzelnachweise

  1. U.S. Census Bureau: cities & towns
  2. U.S. Census Bureau: metropolitan and micropolitan statistical areas
  3. Michael McCafferty: Disc: “Chicago” Etymology in der LINGUIST List, 21. Dezember 2001
  4. Barry Popik: Windy City (summary)
  5. AT&T: Graphical climatology of Chicago temperatures, precipitation, and snowfall (1871-present)
  6. WGN TV: Weather Words – Chicago
  7. WMO: World Weather Information Service
  8. Northern Illinois University: Tragedy in the Chicago Fire and Triumph in the Architectural Response
  9. Northern Illinois University: Chicago and the Great Migration
  10. U.S. Census Bureau: Profile of General Demographic Characteristics: 2000
  11. http://www.poloniawchicago.com/index.htm
  12. http://www.poloniawchicago.com/index.htm
  13. Roosevelt University: Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2007
  14. Chicago Flag May Get New Star if Olympics Come“, CBS 2, 22. Juni 2007.
  15. Chicago Department of Cultural Affairs: Chicago Sister Cities International
  16. The Field Museum: Information
  17. Encyclopedia of Chicago: Brookfield Zoo
  18. City of Chicago: Chicago 2016 Website
  19. Internationales Olympisches Komitee: Olympische Sommerspiele 1904
  20. Northeastern Illinois Planning Commission: County and city unemployment rates in NE Illinois
  21. Siemens Building Technologies USA: Offizielle Website
  22. Chicago Transit Authority: Facts at a glance
  23. Forbes: The Celebrity 100

 Portal: Chicago – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Chicago

 Commons: Chicago – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Chicago – in den Nachrichten
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